Der große dicke Elefant und der kleine dicke Elefant 18

„Ich glaube, ich möchte tanzen.“, meinte der kleine dicke Elefant.
„Ich auch.“, sagte der große dicke Elefant, und für einen Augenblick sah es so aus, als wäre er von seinen eigenen Worten überrascht.
„Oh ja.“, freute sich der kleine dicke Elefant und gemeinsam tanzten sie.
„Das glaubt uns keiner.“, brummte der große dicke Elefant nach einer Weile und lachte.

Der große dicke Elefant und der kleine dicke Elefant 17

„Darf ich meine Lieblingsstrümpfe anziehen?“, fragte der kleine dicke Elefant, und sein Tonfall schaffte es, exakt in der Mitte zwischen Betteln und Begeisterung zu liegen.
„Alle auf einmal?“, fragte der große dicke Elefant skeptisch.
„Ja, alle auf einmal!“, betonte der kleine dicke Elefant, und nun war weitaus mehr Begeisterung als Bettelei aus seiner Stimme herauszuhören.
„Na gut.“, brummte der große dicke Elefant. „Wenn du unbedingt möchtest…“
Der kleine dicke Elefant jubelte.
„Mit Strümpfen klinge ich nämlich immer so lustig!“, freute er sich und zog sich alle fünfunddreißig Lieblingsstrümpfe über den Rüssel.

MiSt – Universum

Obwohl meine Ausgehfreizeit derzeit beschränkt ist, habe ich die beliebte Serie „MiSt – Morast in Stuttgart“ nicht vergessen und präsentiere nun einen weiteren Teil.

Stuttgart, dachte ich mir, als ich eine Lokalität namens „Universum“ suchte, Stuttgart, zeig, was du drauf hast. Zeig dich in Schwarz! Denn noch immer hatte ich weder bedeutende gothische noch metallische Szenerien entdeckt, nur einzelne Gattungsvertreter, die jedoch in fast jedem Fall unangehm peinliche Exemplare waren und keineswegs Anschlussbedürfnis erweckten.

Das „Universum“ war wohl einst, vor einem Jahr oder so, vom Campus in Stuttgart-Vaihingen in die Innenstadt umgezogen, was damals vorwiegend bejubelt wurde. Denn nicht nur war die Akustik in der neuen Lokalität besser, nein auch die Anbindung wusste nun zu begeistern. Das „Universum“ befand sich nun im Zugang zur U-Bahn-Station am Charlottenplatz, beziehungsweise mehr oder minder unter selbigem Platz, also in der zentrumigsten Zentralität Stuttgarts.

Schön, dachte ich, fuhr zur S-Bahn-Haltestelle Stadtmitte, lief ein paar Minuten, wich einem im Weg stehenden Fischmarkt aus und fand das „Universum“ dort, wo ich es vermutete. Musik tönte, und ich erkannte AC/DC. Classic Rock also, dachte ich, und erinnerte mich dunkel an die Musikgattungsbeschreibungen der einzelnen Floors, die ich irgendwo las.

Doch dies war kein Floor, sondern die Sommerbar, also eine Anlage, eine Theke, ein paar Tische und Stühle, sowie ein paar Sonnenschirme. Mitten in der Nacht.
Die Bar war recht gut besucht, bedachte man die nicht unbedingt julischen Temperaturen um 15°C. Ich ging vorbei, folgte einer Dame mit Immortal-Shirt und landete in der nächsten Bar, diesmal innerhalb des „Universum“s. Ein netter Pfeil wies mir die Richtung zum „Club“, wo ich die Tanzflächen vermutete. Denn draußen hatte es trotz annehmbarer Musik nichts dergleichen gegeben.

Was ich besuchte, war die Bleeding Nose Party, die mir fünf Euro Eintritt nicht unbedingt studentenorientiert schien, aber dafür wohl regelmäßig einmal im Monat stattfand. „Cool“, sagte der Stempel, der sich nun auf meinem rechten Arm befand. Nun ja, dachte ich und ging weiter.

Der erste Floor war gar keiner. Ein winziger Zugang schuf Weg zu einem winzigen Raum, der noch nicht einmal ein echter Raum war, wie die Wände aus schwarzem Stoff bewiesen. Ein paar hiphopeske Gestalten saßen herum, während den Boxen mir unbekannter Krach entströmte, der mich zum Weitergehen aufforderte.

Hier durfte man offensichtlich rauchen, denn es gab noch ein rauchfreies drinneres Drinnen, dessen breiter und offentüriger Zugang jedoch kein Hindernis für Rauchschwaden darstellten. Doch mich darüber zu beschweren, beabsichtigte ich keineswegs.

Am zweiten Floor ging ich vorbei, ohne ihn überhaupt bemerkt zu haben. Sicherlich, ich stellte fest, dass die Musik plötzlich eine andere war, doch übersah ich den den dazugehörigen Kopfschüttelbereich. Statt dessen nahm ich abfällige Blicke auf mein zugegebenermaßen eher siebzigerjahriges als echtmetallisches Outfit in Kauf und ging eine geneigte Ebene hinab zum dritten Floor. Ich erwarb eine Afri-Cola [2,60 Euro, anscheinend pfandlos], setzte mich auf einen Barhocker irgendwohin, wo ich niemandem im Weg war, und wartete auf Gutmusik.

Vergeblich.

Was lief, war vielleicht Hardcore, vielleicht auch etwas anderes, auf jeden Fall Musik, für die die DJs in der Magdeburger Factory verlacht worden wären. Obgleich ich mich immer gegen die Metallerklischeebefolgung gewehrt und mich geweigert hatte, mit Aufnähern besetzte Kutten und Lederhosen sowie sich rasch leerende Zigarettenschacheln und diverse Biere mit mir herumzutragen, wünschte ich mir nun, dass der Metal ein wenig mehr Trueness bekäme.

Auf der Tanzfläche headbangten tatsächlich Leute, posierten ebenso albern-maskulin wie ich es von Metallköpfen gewohnt war, doch sie sprangen auch und genossen Klänge, die ich schlichtweg lächerlich fand. Dass dafür mal wieder die größte Fläche hergegeben worden war, hielt ich plötzlich für typisch stuttgartisch.
Dass der Klang offensichtlich mies war, machte es jedoch nicht schlimmer.

Ich ging zurück, versuchte, den zweiten Floor ausfindig zu machen. Dabei kam ich an einem Punkt vorüber, an dem die Musiken der beiden letzten Tanzflächen zu einem unangenehmen Lärmbrei verschmolzen. Je näher ich dem zweiten Floor kam, desto lauter wurde auch dessen Musik und desto vernachlässigbarer die andere.

Hier lief Death Metal, unfreundlichster, rascher Death Metal, eine Musikrichtung, die ich schon besser fand als bisher Gehörtes, doch noch immer verhältnismäßig uninteressant. Der Raum war erneut keiner, sondern ein durch Tarnnetze abgetrenntes Stück Flur. Dass der Lärm der anderen Tanzfläche nicht verbehmbar war, lag vorwiegend an der eigenen Lautstärke. Ich überlegte, ob ich den Betreibern mittelen sollte, dass weder Stoff noch Netze sonderlich akustikbedämpfend wirken.

Ich wies nicht, statt dessen gab ich nach ein paar Liedern die Hoffnung auf Verbesserung auf und ging erneut zum winzigsten Floor. Innendrin saßen ein paar, niemand schüttelte mit dem Schädel, die Musik lief, doch war kaum erkennbar. Der Zugang war bemenscht, und plötzlich fand ich es absolut unbedeutend, dieses Kabuff nicht betreten zu haben.

Ich schlenderte zurück zur Haupttanzfläche, platzierte mich irgendwo an den Rand ins Halbdunkel. Davon gab es nicht viel; insgesamt war die Lokation zu gut beleuchtet – allerdings auf schlechte Weise. Ein Genrewechsel war auch nach ein paar weiteren Songs nicht absehbar, Halbherzig hüpften ein paar Pseudometaller auf der Tanzfläche herum; jemand machte Fotos von Frauen, die zwar bangen konnten, dabei erstaunlicherweise aber unspannend aussahen. Meine Laune sank.

Ich hätte mir mehr Leute gewünscht. Verteilt auf die beiden Bars und die Zwischenbegehlichkeiten standen sicherlich genug Menschwesen herum, um den Club mit angenehmer Fülle zu bestücken. Doch so wirkte jeder einzelne irgendwie wie präsentiert. Das war vor allem deswegen schlecht, weil die vorherrschende Farbe keine war. Oder jede. Und weil die vorherrschende Haarlänge sich nicht durch Schüttelbarkeit auszeichnete.

Wenn das die Schwarze Szene ist, dachte, ist sie jedenfalls nicht schwarz.
Ein letztes Mal, dachte ich und ging zurück zum Tarnnetzfloor. Der Musikstil hatte sich minimal gewandelt, ein Weißshirtiger und ein Kurzhaariger bewegten sich irgendwie zu unschönem Kreischklang. Ich ging.

Ein letzter Blick in den Minifloor, wo es am hiphopigsten überhaupt aussah und wo ich mich erneut nicht hineintraute ließ mich folgende Weisheit erkennen: Kurzhaardeejays sind keine Gutmetallmusikgaranten.

Unterwegs hatte ich meine Colaflasche geleert und irgendwo abgestellt, und nach gerade mal einer Stunde Aufenthalt ging ich in Richtung der Nachtbusse, enttäuscht und tatsächlich ein wenig wütend. Wenn dies das „Universum“ war, dachte ich, dann bin ich froh, dass ich in einem anderen lebe.

Der große dicke Elefant und der kleine dicke Elefant 16

Der kleine dicke Elefant stupste den großen dicken Elefanten neugierig an.
„Wie ist das denn so?“, fragte er.
„Was denn?“, wollte der große dicke Elefant wissen.
„Na, erwachsen zu sein. Ist das toll? Oder ist das eher nervig?“
„Äh…“
„Ich kann mir vorstellen, dass es ziemlich nervig ist, erwachsen zu sein. Vor allem, wenn man ständig irgendwelche Fragen von Kleineren beantworten muss.“ Der kleine dicke ELefant holte kurz Luft. „Musst du denn viele Fragen beantworten?“
„Nun ja…, begann der große dicke Elefant.
„Wieviele denn pro Tag? Sieben? Fünfzehn? Vieleviele?“
Der große dicke Elefant seufzte leise.

Der große dicke Elefant und der kleine dicke Elefant 15

Der kleine dicke Elefant rempelte den großen dicken Elefanten an.
„Was soll denn das?“, empörte sich der große dicke Elefant.
„Tschuldigung.“, sagte der kleine dicke Elefant kleinlaut. „Ich hatte dich nicht gesehen.“
„Mich nicht gesehen?“, fragte der große dicke Elefant und wirkte plötzlich noch größer und noch dicker. „Es dürfte schwer fallen, mich zu übersehen!“
„Doch! Wenn man die Augen geschlossen hat.“, entgegnete der kleine dicke Elefant.
„Die Augen geschlossen? Aber warum hast denn die Augen geschlossen?“
„Wegen der Sandstürme.“, erklärte der kleine dicke Elefant.
„Wegen der Sandstürme?“, wunderte sich der große dicke Elefant. „Hier gibt es weit und breit keine Sandstürme.“
„Aber das kann ich ja nicht sehen.“, meinte der kleine dicke Elefant. „Ich hab‘ doch die Augen geschlossen!“

Der große dicke Elefant und der kleine dicke Elefant 14

„Ich möchte niemals groß werden!“, rief der kleine dicke Elefant aus. „Nienienie!!“
Der große dicke Elefant schaute etwas verdutzt:
„Fürchtest du dich vor dem Älterwerden? Willst du nicht, dass die Zeit des Spielens und Spaßens vorüber ist? Oder findest du gar, dass große Elefanten hässlich sind?“
„Nein.“, seufzte der kleine dicke Elefant und eine Träne kullerte aus seinem linken Äuglein. „Ich habe Höhenangst.“

Der große dicke Elefant und der kleine dicke Elefant 13

„Ich glaube, ich bin verhext.“, raunte der kleine dicke Elefant dem großen dicken Elefanten zu. Träge öffnete dieser ein Auge:
„Verhext?“
„Nun ja, die Ohren ließen mich schon grübeln.“, meinte der kleine dicke Elefant.
„Was ist mit deinen Ohren?“, fragte der große dicke Elefant.
„Na, das sind so riesige flatterflüglige Dinger.“
„Und?“
„Und außerdem noch die Stoßzähne!“
„Was ist mit deinen Stoßzähnen?“, fragte der große dicke Elefant, mittlerweile ein wenig neugierig geworden.
„Na, wenn sie wirklich aus Elfenbein sind“, verkündete der kleine dicke Elefant und in seinen Äuglein leuchtete die Begeisterung, „dann bin ich eindeutig eine verzauberte Elfe!“
„Bestimmt.“, brummte der große dicke Elefant und schlief wieder ein.

Der große dicke Elefant und der kleine dicke Elefant 12

„Ich kann nicht schlafen!“, jammerte der kleine dicke Elefant.
Der große dicke Elefant, der längst in Träumen versunken gewesen war, grummelte ein paar Laute, die sich fast wie „Warum denn nicht?“ anhörten.
„Zu viele Geräusche.“, antwortete der kleine dicke Elefant.
„Zu viele Geräusche?“, fragte der große dicke Elefant und lauschte mit seinen riesigen Elefantenohren in die nächtliche Dunkelheit.
„Ich höre nichts.“, sagte er nach einer Weile.
„Aber ich.“, meinte der kleine dicke Elefant. „Da ist immer diese Stimme!“
„Wie wär’s“, überlegte der große dicke Elefant, „wenn du einfach mal schweigst? Dann geht auch die Stimme weg.“
„Meinst du…?“
„Schhhhh…“
Eine Weile war Stille. Dann hörte man ein leises Schnarchen.
„Sag ich ja.“, flüsterte der große dicke Elefant zufrieden und schlief ebenfalls ein.