Tageswort Nr. 45: Äpfel und Engel

Und da war es wieder: Ein Wort, das sich in mein Denken schleicht, ohne daß sein Ursprung bekannt wäre

Abfüllanlage

sich vergnüglich eine Hörfehlerassoziation herbeisaugt

Apfelanlage

und sofort wieder von dannen huscht. Ich bleibe zurück, ein wenig verdutzt, mit der Frage auf den Lippen: „… und was soll das sein?“


Ein Ringschluß bildet sich, läßt mich schmunzeln. „Ein Teufelskreis!“, denke ich, doch schüttle den Schädel. Zu positiv das Gedachte.
„Ein positiver Teufelskreis?“. Ein Runzeln bedeckt meine Stirn. Und dann ein Lächeln der Erkenntnis mein Gesicht:
„Ein Engelskreis!“

FFFfF: Einfach

Ich liebe es, Fred zeichnen zu lassen. Irgendwie scheinen Comiczeichner häufiger ihre Figuren mit dieser Tätigkeiten zu bestücken. Und natürlich darf das Ergebnis nicht dem Stil des Comiczeichners gleichen, sondern muß ungeschickt und kindlich wirken.

Naja, „ungeschickt und kindlich“ paßt ja auch irgendwie auf Fred…
Und so.


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FFFfF: Naiv

Als ich neulich über fehlenden Tiefsinn in Wetter-Comics schrieb, hatte ich eigentlich nicht im Sinn, daß heute ein Comic erscheinen würde, der vielleicht eines der tiefsinnigsten Themen überhaupt beinhaltet…

P.S: Ich mag übrigens das dritte Panel sehr…

Und so.


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Die Begegnung

Als ich aus dem Zug stieg, stand er bereits auf dem Bahnsteig. Er starrte blind in die ankommende Menschenmenge, ohne mich zu entecken. Ich hatte ihn nicht erwartet, nicht so zeitig, nicht bereits heute, doch empfand keinerlei Überaschung.
Ich tippte ihm auf die Schulter, aber grüßte nicht, als er sich behende zu mir umdrehte. Wir kannten einander zu gut, um uns noch mit Höflichkeiten abgeben zu müssen.
Seine zusammengekniffenen Lippen formten ein höhnisches Lächeln. Auch er zeigte keine Spur von Überraschung.

‚Ich hatte ihn nicht erkennen sollen.‘, dachte ich.
Sein Mantel war neu. Seine Schuhe ebenso. Mattschwarz reflektierten sie das fahle Licht der Bahnsteigslaternen.
‚Ich hätte ihn übersehen und vergessen sollen.‘, dachte ich.

Der Zug fuhr ab. Sein Dröhnen tilgte jedes Wort. Doch wir redeten nicht, sahen uns nur an, abschätzend.
Wind umwirbelte uns, zerzauste sein Haar, fuhr mir kalt unter die Kleider.

„Es wäre besser gewesen, du hättest mich noch nicht entdeckt.“, meinte er schließlich , als der Zug in der Ferne verschwunden und der Bahnsteig geleert war. Seine Stimme war nur schwacher Hauch, doch schwanger von Verachtung. Jedes einzelne Wort klang, als hätte er es in mein Gesicht gespuckt.
„Es wäre besser gewesen, du wärest in dem Glauben, entkommen, entflohen zu sein, in deine Wohung eingekehrt und hättest lächeln können.“
„Besser für dich?“, fragte ich, die Antwort bereits ahnend.
„Besser für uns.“

Die Vergangenheit klebte mottenzerfressen zwischen uns, hing grauschwarz in seinen Augen. Wir kannten einander seit Ewigkeiten, begegneten uns zu häufig, um uns nicht verbunden zu fühlen. Und doch hatte sich niemals eine Freundschaft, noch nicht einmal Sympathie füreinander, entwickeln können. Längst glichen sich unsere Gedanken – und dennoch haßte ich ihn.

Wäre ich ihm nicht begegnet, hätte ich mich der Illusion hingeben könne, hier, in der Fremde, unerkannt und unbehelligt existieren zu können, alles Gestrige abgestreift zu haben.
Wäre ich ihm nicht begegnet, hätte Ruhe meine Seele finden und verhüllen können, trügerische Ruhe vielleicht, doch Selbstbetrug war stets ein willkommener Teil meiner Wirklichkeit gewesen.
Wäre ich ihm nicht begegnet, hätte ich glauben können, alles wäre gut, für ein paar Tage nur, doch immerhin, bis er schließlich aufgetaucht wäre, mit wallendem, neuem Mantel und dem altbekannten höhnischen Zug um den rechten Mundwinkel.

Die Begegnung mit ihm war unausweichlich. Er fand stets mich, ohne zu suchen. Er hüllte sich in neue Gewänder, änderte seine Frisur, seinen Stil – doch ihn zu erkennen, zu entdecken, fiel mir zu keiner Zeit schwer. Er lähmte mich, raubte mir Willen und Worte, brannte kalte Furcht in meine Gedanken.
Oft genug rannte ich, floh, suchte Neues, Fremdes, Fernes, hielt mich fest an Dingen, die Hoffnung schenkten. Ich lebte mich ein, wohin die Flucht mich trug, hielt inne, um Atem zu schöpfen – und ihm erneut zu begegnen. Er war überall, wartete bereits, wo ich nach neuen Wegen begehrte.

Oft genug versteckte er sich, tarnte sich ungeschickt, schlich heimlich durch die Grenzen meines Blickfelds. Und dann schlug er zu, mit doppelter, zehnfacher Intensität, baute sich vor mir auf und legte einen Ring aus Schatten und Angst um meinen Leib. Eingeschnürt spürte ich, wie er seinen kalten Atem in mein Antlitz lachte…

„Was willst du?“, fragte ich.
„Das Gleiche wie immer.“
Ich schaute fragend, stellte mich dumm.
Er seufzte genervt. Das gleiche Spiel wie immer. Wie immer hatte er gehofft, das Ritual umgehen zu können, den drohenden Singsang, den er bei jeder einzelnen Begegnung anstimmte, schweigen zu lassen.

„Gib mir dein Licht!“, mahnte er, alte Worte nutzend, „Reiche mir einen Teil deines Herzens! Schenke mir einen Hauch deiner selbst!
Und du wirst frei sein. Frei für den Moment. Frei für kommende Zeiten. Frei, bis zu meiner Wiederkehr“.

Und er wird wiederkehren. Niemals reichte aus, was ich ihm gab, niemals sättigte es ihn. Er wird wiederkehren und das Ewiggleiche wiederholen, seine Kälte in meine Ohren träufeln, wie er es immer tat. Bis ich ihn füttere. Mit mir selbst füttere.

„Nein.“
Meine Stimme brach. Er sah mich an. Fragend. Überrascht. Kannte das Ritual. Das ich verletzte.
„Nein.“, wiederhole ich, lauter diesmal. Ruhig nach außen hin. Doch zitternd im Inneren.

Jede Begegung mit ihm raubte mir einen Teil meiner Selbst, raubte mir Licht, raubte mir Kraft. Irgendwann schießlich würde ich erlöschen, verwelken, ausgelaugt auf Erden wandeln, mich seinen Befehlen beugend, seine Wege begehend. Willenlos. Stumm. Ohne Leben.

Doch noch lebte ich. Kaum brachte ich die Kraft auf, ihm zu widersprechen, das Ritual zu brechen, ihm das Gewünschte, Geforderte, zu verweigern. Vielleicht war die heutige Begenung die letzte ihrer Art, die letzte vor dem Unterschreiten der Schwelle, die letzte vor dem endgültigen Verlust meiner selbst.

„Nein.“, sagte ich ein drittes Mal. Meine Stimme hatte wieder an Stärke verloren, doch er hatte mich längst gehört.
„Was willst du tun?“, fragte er. Das höhnische Grinsen, das kurz geflackert hatte, strahlte schon wieder in altem Glanz.
„Willst du fliehen? Fliehen, wie tausend vergebliche Male zuvor?“
Ich schüttelte den Kopf, zu Worten nicht mehr fähig.
„Willst du dich selbst vernichten, dir dein lächerliches Leben nehmen, um nicht nur mir, sondern allem zu entkommen?“
Er lachte.
„Willst Schutz suchen, bei Freunde, Liebenden, Sorgenden, dort, wo ich dich dennoch fassen, ergreifen, kann?“
„Oder willst du dich stellen, gegen mich kämpfen?“
Er lachte erneut, lauter diesmal.
„Lächerlich“, schnaubte er und wandte sich ab.

„Ich stelle mich.“, flüsterte ich ihm hinterher. Er drehte sich nicht um.
„Ich stelle mich.“, wiederholte ich.
Ich wußte, daß er grinste, verächtlich, als wäre ich keines Blickes, keiner Mühen wert.
„Du weißt, daß du mich nicht vernichten kannst?“, fragte er, ohne mich anzusehen.
„Du weißt, daß ich nicht sterben kann, nicht, solange du lebst? Du weißt, daß ich immer wiederkehren werden, daß du nicht nur ein einziges Mal kämpfen, nicht nur eine Schlacht zu schlagen brauchst, sondern zahllose, wieder und wieder, täglich, stündlich?
Ich habe tausend Gesichter, tausend Namen, finde dich immer, egal wo du bist. Und jedesmal wirst dich stellen müssen, jedesmal kämpfen. Und niemals wirst du gewinnen.“

Sein Mantel rauschte bedrohlich, als er sich schwungvoll zu mir umdrehte. Er schien gewachsen zu sein. Schatten tanzten finster auf seinem kantigen Gesicht. Sein Grinsen war verschwunden, hinterließ eine Fratze der Bosheit.
„Gib mir dein Licht!“, dröhnte er, „Gib mir dein Licht, und ich werde vorerst schweigen. Verweigere dich, und du wirst jedes Glück aus deinem Dasein tilgen!“

Ich hob den Kopf. Zitterte. Jeder Atemzug fiel mir schwer. Doch ich war mir sicher. Zum ersten Mal seit Jahren.
„Ich stelle mich.“, rief ich zu dritten Mal, versuchte, meine letzten Kräfte in diese Worte zu legen. Alles in mir schrie nach Flucht, wollte weichen, nicht länger seinem Anblick, seiner Gegenwart ausgesetzt sein. Doch ich blieb.

Er musterte mich. Neugierig. Wütend. Belustigt.
„Na gut.“, sagte er und ging.

Ich sah ihm nach. Der Wind ließ seinen Mantel tanzen. Gelassenen Schrittens überquerte er die Gleise.Eine Zigarette glomm wie ein drittes Auge zwischen seinen Mundwinkeln, als er hinter parkenden Autos verschwand.

Ich blieb stehen, bis meine Knie aufgehört hatten zu zittern. Reisende befüllten allmählich den Bahnsteig, beachteten mich nicht. Als ich das Bahnhofsgebäude hinter mir gelassen hatte, atmete ich auf.
‚Es war zu einfach‘, dachte ich und wußte, daß er irgendwo stand, mich beobachtete und höhnisch grinste. Wir kannten einander, waren untrennbar verbunden. Er war ich, ein Teil von mir. Er war meine Angst. Er war meine Furcht.

‚Die nächste Begegnung mit ihm wird die schwerste‘, überlegte ich und lächelte trotzdem.
‚So war es immer.‘

FFFfF: Allergisch

Der heutige Comic sollte ursprünglich ein anderes Ende haben und war schon fertig, als ich mich noch einmal umentschied. Eigentlich hätte ich ja nur das letzte Panel neugestalten müssen, doch wäre dann ein logischer Fehler entstanden, den ich nicht haben wollte. Also zeichnete ich neu. Und kaum war ich fertig, beschlich mich das Gefühl, den Comic in ähnlicher Form schon einmal vollbracht zu haben. Ich traue mich nicht nachzuforschen, aus Angst, fündig zu werden…

Und so.


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FFFfF: Schade

Ultimativer Einstieg für eine Konsversation ist ja angeblich das Wetter, weil es neutralsten Boden bietet. Nur der Dumme vermag nicht, über dieses Thema hinauszureden und bleibt hängen, wo er begann. So heißt es jedenfalls.

Mir jedoch wurde bewußt, daß sich Fred-Comics sehr häufig mit dem Wetter befassen. Daß ich dumm bin oder die Möger der Comics derartiger Eigenschaft frönen, darf allerdings bezweifelt werden. Dennoch beschleicht mich zuweilen das Gefühl, daß das Wetter immer dann als Thema herhalten, wenn mir nichts „Intelligenteres“ einfällt.

Allerdings ist das Quatsch. Glaube ich jedenfalls. Daß Fred so viel mit dem Wetter zu tuhn hat, liegt nicht zuletzt daran, daß selbiges allgegenwärtig ist, dementsprechend vermag, mich immer wieder irgendwie zu inspirieren. Hinzu kommt, daß Fred ja unimittelbar vom Wetter abhängt, da er kaum imstande ist, sich an eine wärmende Heizung zu kuscheln oder mal eben das Fenster zu schließen.

Will sagen: Ich mag Wetter-Comics. Ob dumm oder nich.
Und so.


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Parkplatzprobleme

Sitzen Beifahrende neben mir, während ich Lenkrad und anderes Gerät bediene, äußere ich, sobald ich einer Parklücke gewahr werde, die zu befüllen ich bezwecke, stets denselben Satz in ihre Richtung: „Ich hasse Einparken!“

Wenngleich Haß nicht unbedingt exakt dem Gefühl entspricht, das ich mit dem Versuch assoziiere, ein Fahrzeug an einen dafür vorgesehenen, oft räumlich beschränkten, Stellplatz zu manövrieren, so ist doch der Kern der Aussage ein wahrer: Mir mißfällt es, zentimetergenau einschätzen zu müssen, wie die äußeren Maße des derzeit benutzten Gefährtes beschaffen sind und ob eine soundsoviel Grad umfassende Lenkrad-Kurbelei bei gleichzeitigem Minimalgasgeben mich in die optimale Position für Konterkurbelei, Richtungswechsel und schlußendlich erfolgreich absolvierten Einparkvorgang bringen wird.

Wenn ich jedoch in abendlichen Stunden nach erfülltem Tagewerk heimkehre, bleibt mir seltenst anderes übrig, als meine Abneigung zu überwinden und zu versuchen, mein Gefährt in eine einigermaßen legale Parkposition zu schaufeln. Kein leichtes Unterfangen, da Lücken rar gesät sind und mit Minimalgrößen wenig vertrauenserweckend wirken. Und so drehe ich immer wieder meine Runden, bis ich eines Platzes gewahr werde, der das Auto über Nacht beheimaten könnte. Grimmig blicke ich dann auf die keineswegs üppigen Platzverhältnisse, versuche die hinter mir drängelnden Frontscheinwerfer zu ignorieren und kurble, so gut ich vermag.

Sicherlich, einst, in Fahrschulzeiten, lernte ich, ab welchem Zeitpunkt ich wie zu lenken habe und verinnerlichte es derart, daß ich zuweilen glaubte, richtiges Parken fühlen zu können. Damals bestand ich die entsprechende Prüfung beim ersten Versuch, obgleich meine Parkunsicherheit sichtbares Erbleichen hervorgerufen haben mußte. Vielleicht erbleiche ich heutzutage immer noch, sehe ich mich mit engsten Platzverhältnissen konfrontiert. Vielleicht vernehme ich das höhnische Gekicher des fehlenden Raumes, bilde mir das kritische Beäugen potentieller Passanten ein, glaube von den nebenanstehenden Glanzlackfahrzeugen mit angstvollen Großaugen gemustert zu werden. Vielleicht.

Doch zuweilen beginne ich gerade zu formulieren, habe eben das übliche „Ich hasse Einparken!“ über die Lippen gebracht, da stecke ich auch schon inmitten der Lücke, die sich nach dem Aussteigen als wesentlich enger erweist als vermutet, schmunzle stolz in mich hinein und glaube, es endlich gelernt, verinnerlicht zu haben. Aber schon beim nächsten Versuch wird mir bewiesen werden, wie wenig ich tatsächlich verinnerlicht habe, wird sich zeigen, wie begründet mein parklückenbedingtes Erbleichen ist.

Autos erwiesen sich in der Vergangenheit ohnehin als erstaunliche Unsympathen. VIel zu viel Arbeit fordern sie, zu viel in sie hineingestopftes Geld, zu viel Kümmern, zu viel Sorge. Jedoch ein autofahrereigenes Unbill, das morgendliche Grimmgesichter zu gebären imstande ist, berührt mich wenig: Mich stört es nicht, winterliches Eis von den Scheiben wegzukratzen. Ich rege mich nicht auf, wenn ich Plastikschaber zücken und mit permanenten Armbewegungen Sichtbefreiungsmaßnahmen vollziehen muß, sondern freue mich über jeden Streifen, den die Eisschicht zurückweicht. Einzig und allein das anschließende Losfahren mit dem Beschlagen der Scheiben und dem Warten auf die scheibenbefreiende Heizlüftung mißfällt mir.

Unlängst schmunzelte ich beim Anblick meines Gefährts, hatte ich doch noch am Vortag überlegt, ob es gerechtfertigs sei, die Frontscheibe mit billiger Abdeckfolie vor nächtlicher Vereisung zu schützen und mich – dem Beispiel der anderen folgend – fälschlicherweise dagegen entschieden. Und auch wenn ich keine Handschuhe trug und somit frierschmerzende Fingerkuppen zu befürchten hatte, zückte ich nun wohlgelaunt den Kratzer. Sobald ich jedoch angesetzt hatte, näherte sich ein Fahrzeug, das einparkbereit in unmittelbarer Nähe hielt. Eine junge Dame blickte mich fordernd an, und als ich entschuldigend lächelte und auf den Eiskratzer zeigte, lächelte auch sie. Mir waren einst Geschichten zugetragen worden, in denen in einer ähnliches Situation die junge Dame ausgestiegen wäre und mir helfend beiseite gestanden hätte; doch dergleichen geschah natürlich nicht. Ich kratzte, doch konnte das Drängen der Wartenden in meinem Rücken spüren. Schnell, schnell, hier noch ein wenig, dort noch ein bißchen. Zugleich hielt ich mich zurück. Niemand durfte es wagen, mich derart zur Eile anzustacheln – selbst wenn ich mir die Anstachelei nur einbildete. Außerdem mag ich es, sehen zu können – und befreie daher gerne Scheibengroßteile von Eis und Schnee, bevor ich in die Ferne düse.

Also kratzte ich – allein -, schnell und langsam zugleich, parkte rasch aus und fuhr los. Die Scheiben beschlugen, und ich sah nichts. Ich verdammte die umweltaktivisten, die mir einst eingeschärft hatten, während der Eisentfernung den Motor nicht laufen zu lassen und tastete mich im Schneckentempo zur nächsten Kreuzung voran. Nahezu blind stand ich dort und starrte vergnügt auf die vorbeihuschenden Schemen. „Mach schon.“, herrschte ich das Warmgebläse an und schaute ungeduldig zu, wie sich die Line zwischen beschlagenem und nicht beschlagenem Scheibenteil allmählich nach oben bewegte. Ich dankte der Kreuzung, die mich zum Warten zwang, dankte dem Verkehr, der mich hier stehen ließ, dankte dem Lüfter, als die Scheibe endlich frei war und ich sehend zur Arbeit fahren konnte.

Jedoch geschieht es nicht selten, daß ich noch nicht einmal im Auto sitze, wenn sich ein Einparkwilliger nähert und die gleich freiwerdende Parkposition für sich beansprucht. „Dies ist mein Claim!“, ruft der Autofahrer allen Mitbewerbern zu, stellt sich schrotflintenartig drohend in den Weg und harrt ungeduldig der wenigen Sekunden, die ich benötige um auszuparken [Denn das beherrsche ich erstaunlicherweise recht gut.]. Jeder Augenblick, den ich zögere, scheint in ihren Augen Ewigkeiten zu währen, und ich fühle mich, als würden die grimmig nach unten gezogenen, vor Ungeduld zuckenden Mundwinkel auf mich einpeitschen: „Los! Los! Los!“
Ich fahre, beachte nur den gleich Einparkenden, beachte nur die vor und hinter mir stehenden Autos, beachte nicht den Gegenverkehr auf der viel zu engen Straße, in den ich beinahe hineingeraten wäre. Ein Hupen folgt. Verdammte aufgezwungene, eingebildete Hektik!

Unlängst wanderte ich zu meinem Automobil – und in Anbetracht der schlechten Freiparkplatzsituation entspricht der Weg zum Gefährt oftmals einer kleinen Wanderung-, als ich Schreckliches entdecken mußte: Man hatte mich eingeparkt! Dergleichen war mir noch nie geschehen; fassungslos betrachtete ich die verbliebenen Lücken zu Vorder- und Hinterwagen und schatzte die Chancen ab, dort unbeschadet herauszukommen. Nullkommavier Prozent. Höchstens.
Ich erwog, zurückzugehen, im Internet nach Anbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu suchen und selbige zu nutzen. Doch wertvolle Zeit ginge dabei drauf, ebenso wie ein Teil meines Egos, der mit einer solchen Schmach nicht zu leben wünschte. Also schaute ich zunächst nach, ob bei Vorder- und Hintermann die Handbremse gezogen war. Vordermann: ja. Hintermann. Nein. Ich schob, stemmte mein gesamtes Gewicht gegen das fremde Auto, doch nichts rührte sich. Mist.

Aus dem benachbarten Hauseingang trat eine Frau. „Gehört eines der Autos Ihnen?“, frate ich höflich, verzweifelt auf mein eigenes, eingeklemmtes Auto deutend .“Oder wissen sie, wem eines der Autos gehört?“ Die Frau schüttelte mit dem kpf. Ich hatte nichts anderes erwartet. Wenn ich schon meilenweit zu meinem Parkplatz zu laufen hatte, brauchte ich nicht erwarten, daß andere neben ihrem Hauseingang zu parken imstande waren.
Ein Student schlenderte vorbei, jedenfalls hielt ich ihn für einen. „Hallo!“, rief ich auf die andere Straßenseite „Könntest du mir mal kurz helfen?“ Ich erklärte meine Situation, zeigte auf den ungebremsten Hinterwagen. Wir schoben. Mit vereinten Kräften. Erfolglos.
„Ist vermutlich ein Gang eigelegt.“, meinte der Student. Ich nickte. Ja, Vermutlich.
„Das einzige, was ich dir nach anbieten kann, ist, dich beim Ausparken einzuweisen.“
„In Ordnung.“, antworte ich, obgleich ich zweifelte, daß das klappen würde. Schließlich waren vorne etwa zehn und hinten etwa sechs Zentimeter Platz zwischen den beiden kontrahierenden Stoßstangen.

Er wies mich ein. ich kurbelte, gab vorsichtig Gas, kurbelte wieder. Die ersten zwei Male stieß ich an. Einmal vorne. Einmal hinten. Mit nahezu Nullgeschwindigkeit. Dann hatte ich den Dreh raus. Auch der Student hatte schnell gelernt, zeigte mir mit seinen Handflächen, wieviel Platz noch zwischen mir und meinen Einparkern jeweils verblieb. Und allmählich schälte ich mich aus meiner blechernen Hülle heraus.
Als ich wußte, daß meiner Befreiung nichts mehr im Wege stehen würde, bedankte ich mich erleichtert und fuhr los. Dankbar. Und wütend zugleich.

„Ich hasse es.“, grummelte ich. Und meinte diesmal nicht das Einparken.

FFFfF: Erstes Grün

Schweren Herzens verabschiede ich mich heute von Schnee und Winter. So gern hätte ich mehr „Ein-Glücklicher-Fred-Im-Schnee“-Comics gezeichnet, aber das Wetter lieferte mir nur unzureichende Inspirationen.

Naja, Frühling fetzt ja auch.
Und so.


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FFFfF: Die Schachtel III

Und weiter geht’s. Was vorgestern begann, gestern fortgeführt wurde, geht heute in die dritte und letzte Runde.
Und so.


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