Wuhuu! Zehn Jahre Fred!

Fred feiert Geburtstag, und plötzlich ist es Zeit für ein paar Wörter.

Wie alles begann, habe ich bereits so oft erzählt, dass ich spüre, wie kleine fredcomicige Zs über meinem Kopf aufploppen, während die Wörter meinen Mund verlassen.
Und doch:

Als ich 2005 ein Interview mit Flix über dessen Comictagebuch las, das zwei Jahre lang Tag für Tag aktualisiert worden war, dachte ich kurz: Das kann ich auch. Natürlich nicht als Tagebuch und nicht mit mir als Hauptfigur. Sondern mit einer kleinen dicken Fledermaus, die wenige Tage zuvor auf meinem Papier aufgetaucht war und sich zu einem knuffeligen Käferchen gesellt hatte. Und nicht mit tatsächlichen Ereignissen, sondern mit Albernheiten und Optimistitäten – und natürlich mit Wortspielen. Vielen Wortspielen.

Zwei Jahre, dachte ich, und begann.
Am 20.09.2005 erschien der erste Fredcomic, mit Bleistift und Finelinern gezeichnet, der Hintergrund mit dickem Filzstift geschwärzt.
Am nächsten Tag erschien der zweite Comic, dann einen Tag später der dritte.
Mein Verbrauch an Filzstiften war enorm.

Mit der Zeit wurde alles besser. Ich lernte, dass ein Rechner schneller und schöner hintergrundschwärzte als ein Bastian, Fred wurde runder und runder, bekam noch eine Handvoll Freunde dazu, aß immer mehr Kekse und entwickelte nach und nach ein Eigenleben.

Ich zeichnete jeden Tag, veröffentlichte oft genug pünktlich, um eine Regelmäßigkeit erkennen zu lassen, bekam treue Leser, die manchmal verschwanden, manchmal blieben, kreierte Kalender und Fredventskalender, schließlich sogar ein Buch und ein Ebook, erhielt technische Unterstützung und Aufwertung, verkaufte fredige Textilprodukte, war auf Comicmessen plötzlich Künstler statt Besucher und widmete mich mehr und mehr dem knuddligen Flattermann, dessen Fredfater ich geworden war.

Zwei Jahre vergingen, doch ich hörte nicht auf, zeichnete täglich, veröffentlichte täglich, arbeitete wochenlang vor, um auch während urlaubiger Abwesenheit jeden Tag einen Comic in das weltweite Netz stopfen und irgendwo ein Schmunzeln erzeugen zu können, beendete mein Studium, begann zu arbeiten und heiratete schließlich sogar, ohne auch nur einen Atemzug lang innezuhalten.

Ich erhielt Ablehnungen von Verlagen, schlief zu oft zu wenig, warf an Jahresenden jede freie Minute in Richtung frediger Kalender, krakelte in Bahnen und Bussen, legte mir Tag für Tag neuen Druck auf die Schultern, wieder einen wundervollen Comic zu erstellen.

Und das tat ich gern, tue ich gern.
Wenn der Stift einen lächelnden Fred formt, dann lächle auch ich, und ich weiß nicht, wer von uns beiden den anderen mit seiner Zuversicht angesteckt hat. Ich liebe es, Albernheiten in Bilder zu wandeln, liebe es, inmitten von Gesprächen plötzlich ein Wort zu entdecken, das ideal für einen Comic geeignet wäre, liebe es, für einen Moment der Ruhe in irgendeinem Zimmer zu verschwinden und wenige Minuten später stolz grinsend wieder herauszukommen – mit einer neuen Idee im Kopf, einer Idee, die ich trotz über 3000 Comics noch nicht hatte.

Ich liebe es, dass es so viele Nettmenschen gibt, die meine Comics lesen, die Fredshirts bestellen, die das Fredbuch mögen. Noch mehr liebe ich es, dass ich viele von euch traf und dass ihr so wundervoll seid, dass ihr täglich kommentiert, den Comic mit weitere Wortspiele, weitere Quatschitäten vergrößert, das ihr transkribiert und unterstützt, dass ihr irgendwo da draußen und zugleich unglaublich wundervoll seid.

Ich liebe es, Fredfater zu sein.

Und doch: Alles hat ein Ende.

Lange zögerte ich, den Fredcomic zu beenden, mir und euch einfach so etwas zu nehmen, das mir so sehr am Herzen liegt. Lange dachte ich nach, weigerte mich, wollte doch, wusste nicht.
Aber seit einer Weile steht mein Entschluss fest:

Nach 10 Jahren Fred, nach zehn Jahren, in denen Tag für Tag ein Comic aus meinem Köpfchen in das weltweite Netz sprang, höre ich auf. Nicht mit Fred, nicht mit dem Webcomic, nicht mit dem Fredkalender oder dem Shop. Nein, ich höre auf, jeden Tag für Fred zu zeichnen, jeden Tag einen Fredcomic zu ersinnen, jeden Tag auf fonflatter.de etwas zu veröffentlichen.

Fortan wird Fred 3 mal wöchentlich erscheinen: montags, mittwochs und freitags.
Vielleicht werde ich an Donnerstagen hin und wieder einen alten Fredcomic aus dem Archiv dazwischen mogeln, doch im Grunde ist es das:
Drei Fredcomics pro Woche. Kostenlos, fetzig und voller Kekse.

Die plötzlich gewonnene Zeit jedoch soll nicht weggeworfen sein, sondern fließt in größere Projekte. Statt kleiner Täglichkeiten will ich mich Langfristigerem widmen.
Eine Graphic Novel wuselt seit geraumer Weile durch meinen Schädel und möchte endlich verwirklicht werden. Kinderbücher wären schön, ebenso andere Shops mit unfredigigen, aber nicht minder niedlichen Motiven. Es gibt so viel Mögliches, und ich freue mich darauf, ahnend, dass auch die plötzlich freigewordenen Sekunden nicht ansatzweise ausreichen werden, um alle Wege begehen zu können.

Zunächst jedch beginnen wir klein:
Mit einem Comic am Montag, einem weiteren am Mittwoch, einem weiteren am Freitag.
Und mit zehn neuen Motiven im Fredshop, extra für den Fredgeburtstag angefertigt, jeden Tag eins mehr.
Und mit dem Fredkalender 2016, den fortzuführen mir in den Fingerchen kribbelt.
Und mit der Vorfreude auf die ComicCon 2016 in Stuttgart, auf der ich einen eigenen Zeichnerstand haben werde.

Und mit einem dicken Danke:
Ich danke euch allen für die wundervollen zehn Jahre und freue mich grinsend, kichernd, hüpfend auf alles, was kommt.

Ihr fetzt!
<3

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Volle Kanne Weltruhm

Hier ist der Youtube-Link zum Artikelinhalt.

Weltruhm – das sind anscheinend fünf neue Freundesanfragen auf Facebook.

Ich sitze im Zug und fahre zurück. Nach Hause. Mein Gesicht ist ungeschminkt, und niemand erkennt mich. Oder alle tun so, als wüssten sie nicht, dass ich vor wenigen Augenblicken noch live im ZDF zu sehen war. Für sieben Minuten. Immerhin.

Diesen sieben Minuten gingen Telefonate voraus. Mindestens eine halbe Stunde lang erklärte ich der beeindruckend freundlichen Redakteurin, wer ich bin, was ich tue und warum eigentlich. Diverse Emails flossen, teilweise sogar mit Anhängen. Die Reise wurde gebucht, irgendwo auf der anderen Seite, und plötzlich saß ich in einem ICE nach Düsseldorf. Drei Stunden Fahrt in erster Klasse für das Zweite Deutsche Fernsehen. Es gab Kitkats für alle, die nicht wussten, dass man als ErsteKlasseFahrer auf die Kitkats verzichtet, weil sie beweisen, dass man normalerweise nicht erstklassig fährt. Und ich rannte mit offenem Hosenstall durch die Abteile, als wäre ich die neue Britney Spears.

Dann ein Taxi, in dem ich, ohne irgendeine Ahnung zu haben, mit dem Fahrer über Fußball diskutierte. Kalter Rauch hing in der Luft, und ich fragte mich, ob das der Geruch zukünftigen Ruhms war.

Für die sieben Fernsehstudiominuten war es nötig, dass ich vor Ort übernachtete. „Volle Kanne“ lief schließlich am Morgen, und die Kamera addiert bekanntlich zehn Kilo zu jedem Augenring. Die vorgebuchte Luxussuite sah aus wie ein Hotelzimmer. Doch es hatte Fernsehlautsprecher in Badnähe, und allein das qualifizierte es als gut. Beziehungsweise als angemessen für einen zukünftigen Kurzauftrittsfernsehstar.

Leider schaffte sämtliche Erstklassigkeit und aller Zukunftsruhm es nicht, das Fernsehprogramm zu ästhetisieren. Also besuchte ich das Premium-Internet, das man mir tatsächlich gegeben hatte. Die Wellen, auf denen ich surfte, waren aus digitalem Gold. Glaube ich.

Schlaf mündete in zu viel Schlaf mündete in Zeitknappheit. Ich panikte ein professionell herum, stopfte innerhalb von wenigen Minuten erst den Teller und dann mein Gesicht voll mit Leckerfrühstück und eilte mit divenhafter Verspätung zu meinem Fahrer. Der in der S-Klasse auf mich wartete. Ab hier beginnt wohl der Weltruhm, dachte ich, stieg hinten ein und redete kein einziges Wort mit dem Chauffeur, um das Gefühl der eigenen Wichtigkeit nicht zu verringern.

Studio und sämtliche Hinterräume waren winzig und vollgestopft mit Menschen. Anscheinend verbot es ihnen ihre eigene Beschäftigtheit, mich um Autogramme oder Audienzen zu bitten. Selbst wenn sie einfach nur auf dem schnuckligen Sofa rumsaßen und quatschten.

Die dramatischen Flugzeugabsturzereignisse in Frankreich waren in aller Munde, und der ZDF zeigende Fernseher in der Ecke des Wartezimmerchens trug seinen dramatischen Teil dazu bei. Der Sendungsablauf wurde fleißig umgeworfen, doch noch immer war ich geplant. Der Kommende Weltruhm zitterte kurz, dann lächelte er wieder.

Johannes Oerding, der eigentliche Gast der Sendung, war mit Sympathie um sich und traf auch mich. Danach traf mich ein wenig Schminke mitten ins Gesicht, und jeder einzelne Anwesende lullte mich in Nettigkeit. So wollte ich leben.

Dann wurde ich verkabelt. Ab sofort musste ich auf meine Wörter achten. Dass vielleicht nicht alle Nazis schlecht seien, hatte ich zu verschweigen. Doch auch Schweigen war falsch, war ja mein ganzer Zweck heute ein kleines Interview, etwas, bei dem es schlau wäre, auch zu reden.

Der Volle-Kanne-Gärtner und der Volle-Kanne-Arzt saßen mit uns rum, wenn sie nicht gerade vor Kameras standen, und halfen damit, das Gefühl kuschliger Enge zu vergrößern. Wir sollten alle mehr GEZ bezahlen, legte ich fest. Zukünftige TV-Stars brauchen Paläste! Oder zumindest Palästchen!
Ich nuckelte an meiner Wasserflasche und verzichtete auf den ständig ausgehenden Kaffee. Die Sendung begann, Johannes Oerding und Andrea Ballschuh machten ihr Ding und legten feinsäuberlich den Pfad zu meinem Miniaturauftritt. Natürlich mit holprigen Umwegen über tragische Berichterstattung und oerdingscher Albumserwähnung. Dennoch: mit jedem einzelnen Zittern meiner Finger kroch mein Weltruhm näher.

Die Uhr an der Wand meinte, es sei noch Zeit. Die Redakteurin Eva war bei uns und malte gute Laune in den Raum. Ich nervöste noch ein wenig herum, denn das gehörte sich einfach so. Der Fernseher zeigte, was im Studio entstand, und es war befremdlich, Johannes im ZDF zu erblicken, und wenige Augenblicke neben mir an der fast leeren Kaffeedarreichungsstation. Von wegen volle Kanne.

Meine Gedanken üben Eloquenz. Gleichgleichgleich schreien sie permanent. Dann bewegen sich Evas und meine Füße zum Studio. Es ist wirklich klein, und abgesehen davon, dass tausend Leute hinter Kameras stehen, und ich nicht weiß, wohin ich schauen soll, ist alles super. Immerhin weiß ich, wo ich sitzen soll. Vor mir tauchen Kaffee und Wasser auf. Schließlich ist das ein Frühstückstisch.

Ein Einspieler wird gezeigt, amüsiert alle Anwesenden. Guter Anfang denke ich erfreut und erinnere mich nicht mehr daran, welche der gezeigten Kalendertage von mir erfunden worden waren. Macht ja nichts, denke ich und knirsche nicht mit den Zähnen. Meine Hände, meine Arme, sind im Weg, Andrea und Johannes wirken offen und freundlich, und es gibt keinen Grund, Angst zu haben, und dann sind es nur noch zehn Sekunden, bis die Kamera auf uns zeigt und eine zukünftige Weltberühmtheit, ein Comiczeichner und Kalendertageerfinder, vorgestellt wird. Das bin dann wohl ich.

Ich höre mich Dinge sagen und mich mindestens zwei mal verhaspeln. Denken funktioniert nicht so richtig. Mein Mund arbeitet von alleine, findet irgendwo in mir noch ein paar Kalendertage, die er nennen kann, reagiert auf Johannes, reagiert auf Andrea, pustet sogar das von mir geschätzte Wort Positivität in die Welt, trocknet aus, findet Glaswasserfeuche, antwortet noch, formt vielleicht sogar ein Lächeln, ich weiß es nicht, trägt mich durch sieben Minuten Fernsehaufnahme, und dann ist es vorbei.

Eine Dame mit Mikro weist mich in ungefähre Richtung des Draußen, Eva empfängt mich und freut sich, dass alles super lief. Ich freue mich, dass ich keine Nazis erwähnte, und dann bin ich schon beim Abschminken.
Ob ich weiß, wie man sich eincremt, fragt mich die nette Dame, und ich überlege, ob man als Weltfernsehstar das üblicherweise von jemandem erledigen lässt. Kommt auf jeden Fall auf meine ToDoList. Beziehungsweise auf die ToBeDoneBySomeoneList.

Ich bin noch immer verkabelt, als Johannes Oerding live mit Gitarre einen seiner Songs singt und mich damit beeindruckt, wie er das einfach so kann: charmant und professionell auf alle Fragen antwortend nebenbei noch ein Liedchen trällern und dabei auch noch gut zu klingen.

Abspann. Er kommt rein, alle reden durcheinander, Andrea kommt dazu, irgendwann wird meine Kabelei entfernt, ich danke, freue mich, Johannes singt Andrea noch ein Liedchen, gibt mir eine signierte CD, ich signiere ihm einen Kalender. Allgemeiner Aufbruch, mit Händeschütteln und allem. Der Fahrdienst steht bereit.

Ich smalltalke auf dem Weg zum Bahnhof, diesmal über Comics. Die Schweigeminute erwischt uns mittendrin, und wir schweigen. Gefällt mir auch.
Dann stehe ich am Bahnhof und stelle fest, dass mich niemand erkennt. Wie lange es wohl dauert, bis der Weltruhm einsetzt?

Als der ICE einfährt, steige ich in die 2.Klasse. Meine Bahncard gilt nur für die zweite, mein Ticket für die erste Klasse. Vermutlich sollte ich in der Trenntür stehen.
Ich setze mich. In das gemeine Volk. Will trotz nahendem Weltruhm den Kontakt zum Normalmenschen halten. Allerdings mit Kopfhörern. Selbst die Schaffnerin ist von meiner Bahncard-Ticket-Situation verwirrt. So macht man sich unsterblich, denke ich und grinse wie eine Zelebrität.

Neben mir handyfilmen drei Touristen ihre Urlaubsreise. Es ist unvermeidbar, dass ich ebenfalls im Bild bin. Das kann kein Zufall sein, denke ich und spüre, wie mein Ruhm die Landesgrenzen überquert. Währenddessen lasse ich mich durch Deutschland tragen, höre ich Musik und beantworte das Internet.

Fünf neue Freundschaftsanfragen warten auf Facebook auf mich. So fühlt sich also Weltruhm an, denke ich.
„Muss man die Person neben dir eigentlich kennen?“, fragt Twitter, und ich weiß, ich habe es geschafft.

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Neun Jahre

„Alles Gute, Fred!“, denke ich und weiß gar nicht genau, wem ich gratuliere.

„Egal.“, denke ich und freue mich darüber, dass die fetzige Fledermaus mit ihren Weis- und Albernheiten seit neun Jahren jeden Tag durch das weltweite Netz flattert und irgendwo in irgendwem ein Lächeln erzaubert.

Ich freue mich, weil allein die Zahl – neun Jahre! – so überdimensional groß und unfassbar absurd klingt, dass ich sie kaum begreifen kann. Ich freue mich, weil mir Fred und seine Freunde heute noch immer wieder Freude bereiten, weil ich es noch immer liebe, mich Tag für Tag für ein kleines Weilchen in meinen Kopf zurückzuziehen und den Spinnereien zu folgen, die dort herumwuseln.

Natürlich strengt es manchmal an. Viele Male gingen meine Gedanken bereits dieselben Pfade, und zuweilen wird es schwer, dort noch etwas Neues zu finden. Und hin und wieder fehlt es an Zeit, und ich erkläre die S-Bahn zu meinem Atelier, in dem ich zu früher Morgenstunde Linien auf Papier zaubere.

Doch noch immer lächle ich zusammen mit Fred, wenn sein Grinsegesicht auf dem Weiß erscheint, noch immer freue ich mich über jeden neuen Grund, der mir einfällt, Kekse, Regen und das ganze Leben zu lieben, noch immer erheitern mich die Wortspiele, die ich dem fluffigen Flatterwesen in den Mund lege.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Ursprünglich hatte ich vielleicht zwei Jahre im Sinn, doch hielt nie daran fest. Auch Herrn Watterson zu folgen und eine runde Zehn als obere Grenze festzulegen, plane ich nicht.

Statt dessen zeichne ich Tag für Tag, freue mich über Fred und seine Welt, freue mich über euch Leser, eure Herzlichkeit und eure Kreativität, über eure Freude, die mich streichelt und antreibt, freue mich darüber, Tag für Tag wieder die Stifte in die Hand zu nehmen und ein paar Linien zu einem Comic und vielleicht sogar zu einem Lächeln zu verbinden.

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Frederick fon Flatter – live auf der Leipziger Buchmesse

Fredkrakelei vor BuchmessepublikumNur sieben Jahre und 2700 Comics waren nötig, um hier anzukommen. „Hier“ – das war der Lesetreff, Stand E313 in Halle 2 der Leipziger Buchmesse, der Halle, die dank Cosplayerbefüllung zu Verstopfung neigte. „Hier“- das war eine Bühne, die keine Bühne war, weil es ihr zwar an Erhöhung fehlte, aber nicht an Sitzgelegenheiten für ein Publikum, das nicht wundervoller hätte sein können. „Hier“ – das war 17 Uhr am Samstag, 16. März 2013.
 
Und so saß ich an einem Tisch, der eigentlich dem Buchverkaufsstand gehörte, breitete Zeichenutensilien vor mir aus, trank einen Schluck Wasser und spürte die Nervosität in mir brodeln. Meine Hände zitterten ein wenig, und ich befürchtete, keine einzige Linie aufs Papier bringen zu können. Aber ich war zuversichtlich: So vieles hätte schief gehen können bis zu diesem Moment, und doch saß ich hier, blickte auf gut gefüllte quaderformige Sitzgelegenheiten und war bereit, eine halbe Stunde Buchmessenzeit mit meinem Gekrakel zu verschönern.
 
Stefan Gemmel, Kinder- und Jugenbuchautor und gleichzeitig euphorischer Ideenmensch, hatte den intitialen Gedanken: Bastian sitzt auf der Bühne, lässt sich vom Publikum Stichworte zuwerfen und verarbeitet diese zu amüsanten cartoonesken Zeichnungen, in denen Fred, die fetzige Fledermaus, nicht fehlen sollte. Und weil es gut ist, Gutes zu tun, werden die für einen guten Zweck versteigert.
Dass nebenbei Fredbücher herumliegen und erwerbbar sein werden, war selbstverständlich.
 
Fredbücher am Stand der Edition ZweihornAus dem Gedanken wurden Mails, wurde ein Plan. Die Buchkinder Leipzig, eine wundervolle Buch- und Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche, sollten den Erlös erhalten. Ein Beamer sollte meine Linienführung auf eine Leinwand werfen, und Stefan sollte anekdotesk moderieren.

Und so saß ich an dem Tisch, der im letzten Moment herbeiorganisiert worden war, und atmete ein und aus. Versuchte, nicht an das Wirrwarr in mir zu denken. Daran, dass die Kamera sich auch erst vor kurzem zu uns gesellt hatte. Daran, dass sie auf der falschen Seite stand und mehr Hand als Bild zeigte. Daran, dass jede einzelne Bewegung meines Stiftes beobachtet werden würde. Daran, dass Stefan zeitbedingt abgesagt und die Moderation an Andreas Dietz, selber kinderbuchiger Autor und Illustrator, abgegeben hatte. Daran, dass der Buchmessetag sich dem Ende neigte und mir theoretisch nur lächerliche 30 Minuten zustanden, um meine Werke zu kreieren.

Einatmen. Ausatmen.

Ich schaute in die erwartungsfrohen Gesichter im Publikum. Freunde, Familie, Fremde. Alle wirkten ungemein sympathisch. Auch Andreas strahlte Ruhe aus, und selbst mein Gesicht besaß ein Lächeln. Nur meine Finger zitterten, wussten nicht, dass alles gut werden würde.

Einatmen. Ausatmen.

Ich zeichnete ein Testbild. Kamera, Beamer, alles funktionierte. Die ersten Linien waren holprig, aber wenn ich mir Mühe gab, würde meine Hand das machen, was sie sollte.

Einatmen. Ausatmen.
Anfangen.

Andreas moderierte, begrüßte, stellte mich vor, stellte Fred vor, stellte das Buch vor. Erklärte das Prozedere.

Und schon erreichte mich der erste Wortvorschlag.
Mauer.

Meine Gedanken rasten.
Mau. Katze. Kartenspiel. Mauer als Komparativ von mau. Berlin. Pink Floyd.
Das Publikum lieferte ein weiteres Wort:
Straßenbahn.

Ich war verwirrt. Zwei Wörter? Wirklich?
Meine Erstgedanken plumpsten zu Boden, ich dachte an Tatra-Bahnen, an die gestrige Reise von der Buchmesse zur Hauptbahnhof, an das ungünstige Größenverhältnis von Straßenbahn zu Fred.

Ein weiterer Publikumseinwurf.
Das letzte Abendmahl.
Was?

Bastian krakeltDie Welt versank hinter einem Schleier und ich begann zu zeichnen.
Fred mit einem überdimensionalen Stift in der Hand. Auf eine Mauer ein Stück Kuchen malend.
Der Untertitel kam zuletzt: „Freds letztes Abendmahl. Gemalt.“
„Die Straßenbahn ist hinter der Mauer.“, sagte ich. Lächelte. Erntete Applaus.

Andreas fing die nächsten Vorschläge ein.
Baum. Toast. Heidi, das schielende Opossum.
Was?
Ich wusste noch nicht einmal, wie ein Opossum aussah!

Meine Finger griffen sich den Bleistift. Vorsichtshalber hatte ich von allen wichtigen Stiften zwei Exemplare bereitgelegt. Man konnte ja nie wissen.
Linien entstanden. Die Leinwand zeigte alles. Dennoch war war kaum erkennbar, was ich beabsichtigte.
Dann der Fineliner. Ich wurde konkreter.

Unterdessen versteigerte Andreas das erste Bild. Zehn Euro waren das Einstiegsgebot und wurden schnell überboten. Der Preis wuchs in die Höhe, doch ich hatte keine Zeit für Erstaunen, sondern versuchte, gleichzeitig sauber und rasch zu zeichnen, liebevoll, so wie ich es immer tat – nur schneller.

Das zweite Bild war ein Bilderrätsel. Erst zum Schluss beschriftete ich die einzelnen Elemente.
„Baum“ stand am Baum.
„Aß“ stand am Toast.
„Name“ stand am faul herumliegenden Fred, der ein Schild mit seinem Namen in die Höhe hielt.
Baumaßnahme.

Ein leises Ah! durchs Publikum, gefolgt von einem Applaus. Ich war es nicht gewohnt, für Zeichnungen oder Wortspielkonstruktionen beklatscht zu werden und senkte den Kopf. Trank einen Schluck Wasser.
Kam langsam zur Ruhe.

Zwischendurch hörte ich zu. Lächelte, beantwortete Andreas‘ Fragen zu Fred. Stellte fest, nicht gleichzeitig reden und zeichnen zu können. Fühlte mich wohl.

Die nächsten Stichwörter.
Fahrrad.
Buchmesse.
Das war fast einfach. Wenn man davon absah, dass Fahrräder nicht eben leicht zu zeichnen waren.

Bild Nummer 2 wurde versteigert. Und ich zeichnete. Fred mit einem riesigen Lineal. Neben einem Buch stehend. „Fahrräder fetzen“, stand auf dem Buch.
Und ganz am Ende ergänzte ich die Pointe. Kündigte sie großspurig an. Freute mich über die kleine Dramaturgie, die sich ergeben hatte.
„Ich bin ein Buchmesser!“, lachte Fred, und das Publikum war zufrieden.

„Schaffen wir noch eins?“, fragte Andreas, und ich nickte. Ich hatte keine Ahnung, wie spät es war, doch wusste, dass wir überziehen durften. Wir waren die letzten hier am Lesetreff.

Muskelkater.
Das Stichwort brachte mich zum Grübeln. Apfelmus. Gestreifte Katze. Alice im Wunderland. Durchzechte Nacht.
Eine Idee fand mich:
Muskelkater. Katze. Maus. Fledermaus.

„Fleder-Mäuse haben es ja nicht so mit Muskel-Katern.“, sagte Andreas, und die Idee erlosch.
Meine Gedanken rannten davon, blieben bei Sport hängen.

Was ich nun zeichnete, war ein Comicstrip. Aus drei Paneln bestehend.
In denen Fred verkündete, dass er gerne Sport treibt, dabei aber stets ein wenig tranig ist.
Transport, eben.

Auch hier zögerte ich die Pointe heraus. Erwartete, dass das Publikum längst Bescheid wusste. Aber das tat es nicht
Ich färbte Freds Zunge rot, damit sich das Farbbild rentierte.
Freute mich über das abermalige Raunen, als die Pointe ankam.

Wieder wurde das Werk versteigert. Und wieder war der Preis höher, als ich anfangs erwartet hätte. Zwischen 30 und 50 Euro hatte jedes einzelne der Bilder eingebracht.
Und ich lehnte mich zurück. Versuchte, mich ein wenig zu entspannen.

Die Veranstaltung endete mit Applaus. Ich war geschafft, dankte Andreas, dankte dem Publikum.

Doch es war noch nicht vorbei. Denn zur Freude von Herrn Kälberer, dem Mann hinter meinem dem Fredbuchverlag Edition Zweihorn , waren inzwischen allerlei Bücher verkauft worden.
Und ich durfte sie nun signieren. Inklusive Zeichnungen nach Wunsch.

Und wieder zeichnete ich im Akkord. Plauderte nebenbei mit den Leuten. Freute mich.

Die Lautsprecher verkündeten das Ende des Buchmessentages. Ich war noch lange nicht fertig.
Der Wachmann kam vorbei und jagte uns raus. ich war noch immer nicht fertig.
Wir zogen zum Messestand der Edition Zweihorn um. Ich signierte weitere Exemplare des fetzigen Fredbuchs. Sah nun allmählich ein Ende. Sah den Wachmann, der uns erneut herausschmiss. Diesmal endgültig.

Der geschrumpfte Rest packte seine Sachen zusammen und suchte den Weg nach draußen. Verabschiedete sich voneinander.

Und erst als der Abend in geselliger Runde ausklang, als Pizza vor meiner Nase stand und dann auch meinen Magen füllte, spürte ich, wie die Hektik meinen Körper verließ. Wie der Schleier vor meinen Augen sich lüftete.
Wie glücklich ich war.

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Das Fredbuch braucht einen Namen!

Bald ist es soweit: Im Herbst 2012 kommt das erste und somit allerbeste Fredbuch auf den Markt. Und es braucht einen Namen. Da ich selber nicht so gut darin bin, Namen zu vergeben [Unglaublich viele Charaktere in meinen Geschichten heißen Peter], hast du die Ehre, deine genialen Ideen zu präsentieren.

Schreib einfach in die Kommentare oder mir per Mail [fonflatter@gmail.com], wie das fetzige Fredbuch heißen soll – und wenn ich deinen Vorschlag übernehme, ist dir ein liebevoll handbekrakeltes und signiertes Fredbuch als Belohnung gewiss.

Du hast Zeit bis Mittwoch Abend 23.05 Uhr, deine unumstrittene Genialität unter Beweis zu stellen.

Ich freue mich auf deine Namensvorschläge.
Und so.

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Fredbuch-Zwischenstatus, Teil 02


Ich bin schwanger! Mit einem Buch.
Was?

Naja, wenn man die Veröffentlichung eines Buchs als Geburt betrachtet, befinde ich mich inmitten der Schwangerschaft. Und bisher sieht alles recht unkompliziert aus. Anstrengend, aber ohne Komplikationen.
Wie das Kleine heißen wird, wenn es erst einmal das Licht der Welt erblick, weiß ich noch nicht genau. Doch ich weiß, dass es ein Fredbuch werden wird. Immerhin.

Ich kann auch voraussagen, dass es stolze 132 Seiten groß sein und 14,90 Euro wiegen wird. Außerdem kann ich mit Stolz berichten, dass haufenweise Liebe notwendig gewesen sein wird, um das Buch zu berichten. Und Zeit. Und Anstrengung. Und natürlich Liebe. Viel viel Liebe.

In den letzten Wochen hielt ich mich an mein Versprechen, täglich etwas für das Fredbuch zu tun. Und so fülle ich meine freizeitigen Abende und Wochenenden zusätzlich zum täglichen Comic mit allerlei Fredbuchfleiß.
Vorgestern zum Beispiels scannte ich mal eben 37 Blätter voller frediger Krakeleien. Und heute, während mich stählerne Gleise durch Deutschland trugen, bearbeitete ich umpfzig Zeichnungen, sortierte und wählte aus, bis mir die Augen zufielen.

Was nun noch fehlt, sind ein weitere Zeichnungen, eine Handvoll Exklusivcomics, die nur der geneigte Buchkäufer erleben können wird, das gesamte Layout inklusive der einführenden Seiten und natürlich der Buchumschlag. Und vielleicht auch noch mehr, doch so genau will ich da erst einmal nicht drüber nachdenken. Schließlich liegt noch genug Arbeit vor mir, und es bleiben nur noch zwei Monate, um sie zu vollbringen.

Doch ich bin guter Dinge, voll von jener Zuversicht, die auch Fred zueigen ist.
Denn so viel steht bereits fest: Das Fredbuch wird hyperfetzig!

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Fredbuch-Zwischenstatus, Teil 01

Ich bin fleißig. In weniger als drei Monaten muss mein Teil für das Fredbuch abgeschlossen sein, und ich bemühe mich, zusätzlich zum täglichen Comic an jedem einzelnen Tag etwas zu schaffen, das dem Buch zugute kommt. Bisher funktioniert es.
An müdigkeitsschwangeren Abenden scanne ich nur oder zeichne ich nur ein bisschen, erledige nur das Notwendigste. An Wochenenden hingegen, wenn eigentlich Entspannung und zeitliche Freiheit mein Dasein bestimmen sollten, dränge ich mich dazu, mehr zu schaffen als sonst, ersinne und denke fortwährend und zeichne wie ein sich recht gut unter Kontrolle habender Berserker, sobald mir etwas Hübsches einfällt.
Heute beispielsweise besuchte ich die Wilhelma, ein Stuttgarter Lokalität, in der sich botanischer und zoologischer Garten vereinen. Und dort, inmitten wundervoll blühender Magnolien, kreativierte ich herum.



Hätte man sämtliche Menschen durch Kekse und Erfrischungsgetränke ersetzt und die Notwendigkeit des Arbeitens mit angenehmen musikalischen Klängen, hätte mein Dasein kaum besser verlaufen können. Doch immerhin saß ich auf einer Bank im Sonnenschein, umgeben von erwachenden Blüten und zahlreichen Ideen, die immer wieder die Freundlichkeit besaßen, meinen Schädel zu besuchen.



Und während das Wochenende langsam ausklingt und ausklangt, freue mich darüber, dass mir Zuversicht auf den Lippen liegt:
Es geht voran.

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Das Fredbuch kommt!

Für alle, die nicht so viel lesen möchten:

– Wuhuu!
– Es wird ein Fredbuch geben.
– BestOf mit diversem Neuzeug
– Herbst 2012
– Und so.

Umfangreiche Version:

Im September 2005 erblickte der erste Fredcomic [beziehungsweise der erste „Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter“-Comic] das Licht der Welt und zugleich das Internet. Nur anderthalb Jahre und über 500 Comics später wagte ich es, mich auf die Leipziger Buchmesse zu begeben und die dort herumpräsentierenden Comicverlage mit meiner Existenz zu behelligen. Die Gespräche waren kurz und ernüchternd: Comicstrips waren nicht gewünscht. Cartoons wurden gesucht – oder gleich ganze Comics, bei denen eine einzelne Geschichte sich über mehrere Bände erstreckte. Oder man war ein berühmter amerikanischer DC- oder Marvelcomic, der nur in Deutschland Verbreitung finden wollte. Der Vergleich mit Joschau Sauer von nichtlustig.de fiel oft, hatten doch er und ich etwas gemeinsam: Wir kreierten Amüsantes im Netz, sammelten Anhänger und potentielle Käufer eines ebenso potentiellen Buches. Allerdings war Joscha längst bei Carlsen unter Vertrag, während ich noch durch die überfüllten Buchmessegänge schlich und nichts weiter besaß als eine dünne Präsentationsmappe und ein bisschen Hoffnung.

Beim Carlsen-Stand herrschte Ordnung. Zu einer bestimmten Uhrzeit an einem bestimmten Tag durfte man sich in die Masse der Wartenden einreihen und nach langem Ausharren seine Mappe vorzeigen. Um mich herum sammelten sich Menschen mit Mappen, die eigentlich Menschen mit prall gefüllten Ordnern waren, die wiederum derart gute und viele Werke beinhalteten, dass sich mein schlichtes, unbuntes, achtseitiges Heftchen mit simplen Kugelfiguren und flachen Wortwitzen am liebsten im Boden verkrochen hätte. Doch ich redete ihm zu. Schließlich war es hochglänzend gedruckt. Und schließlich war es bewusst kurz gehalten, um die gestressten Anschauenden nicht allzu sehr zu belasten. Und schließlich waren die Figuren absichtlich simpel und in schwarzweiß gekrakelt, nicht nur weil es thematisch gut zu nachtaktiven Fledemaus passte, sondern auch, weil ich dadurch die Täglichkeit des Comics garantieren konnte. Und das war etwas, das mich mit Mut erfüllte. Inmitten unzähliger, oft beeindruckend guter Mangazeichnungen war mein kleiner Knuddelfred etwas Besonderes. Und nicht nur das: Er war niedlich, die Comics gefielen mir, amüsierten mich – und ich war nicht der einzige. Zudem war allein die schiere Masse des bisher Veröffentlichten genug, um Eindruck zu schinden.
Die Carlsen-Dame war nett, wusste aber nicht weiter. Dennoch spürte ich aufrichtiges Interesse – und erhielt als Lohn und als Bezahlung für meine Hochglanzmappe eine Visitenkarte. Meine Hoffnung wuchs.

Sie sollte noch weiter wachsen, denn nach dem Ablauf von einer Woche meldete ich mich und erwirkte eine Reihe von Telefonaten, die allesamt vorsichtige Zuversicht in mir erweckten. Doch dann war Schluss. Man rief nicht mehr zurück, beantwortete keine Fragen zum Fortschritt des interenen Prüfprozesses, und obgleich ich nie ein Nein vernahm, war die Idee des Fredbuchs im Carlsen-Verlag gestorben.
Andere Verlage gab es auch, doch die Resonanz war hier minimal. Das Beste, was ich erhoffen konnte, war die Beteiligung an irgendeinem Comicprojekt, von dem ein Szenefremder niemals hören würde.

Die Buchidee starb nie, doch meine Motivation, sie weiter zu verfolgen, war klein. Andere Projekte wartete, die Fredwelt wuchs und nahm mich immer mehr ein – so sehr, dass ich eine Sekretärin gebraucht hätte, um nebenbei noch Anfragen an Verlage, Zeitungen und Magazine zu senden.
Und dennoch sandte ich. Nicht oft, doch hin und wieder. Nebenbei kreierte ich Adventskalender und Jahreskalender, schuf Hintergrundbilder und allerlei Krimskramereien, hielt den Shop am Leben und bastelte zwischendurch noch an der Software der Homepage. Und ich zeichnete einen Comic. Täglich.
Tatsächlich wurden meine Werke veröffentlicht. Das Bayerische Jugendrotkreuz begann irgendwann, eigens kreierte Comics von mir abzudrucken, und die erfundenen Feiertage im Fredkalender erregten hin und wieder ein bisschen Fremdaufmerksamkeit.

Zum Comicsalon 2010 in Erlangen erschien mit Panik Elektro 7 „Seelenstrips“ eine wuchtbrummige Anthologie, in der diverse Webocmickünstler 12 Seiten mit hihi!gem Inhalt füllen durften – und ich war einer von ihnen. Ich wuhuu!te nicht wenig, und als ich dann auf dem Comicsalon den fetzigen Fred in diverse erworbene Bücher signativ hineinkritzeln durfte, fühlte ich mich mehr als toll. Mein Ausweis bewies: Ich war jetzt offiziell ein Künstler.
Die 500 verfügbaren Exemplare waren rasch vergriffen, und es war mir eine Freude, im letzten verbliebenen Comicladen Stuttgart irgendwann genau dieses Werk vorzufinden, „mich“ vorzufinden, zu „meinen“ Seiten zu blättern und in mich hineinzukichern. Noch mehr kicherte ich allerdings, als die Anthologie eines Tages nicht mehr im Regal stand. Verkauft.

Die Verlagsbefragungen in Erlangen brachten trotz wirklich hübschem, fast quadratischen, 16-seitigem Präsentationsheftchen, trotz „Künstler“-Ausweis und vorzeigbarer Veröffentlichungen, trotz vierstelliger Comiczahl, trotz liebeswürdigem Lächeln kaum Erfolge. Fred passte nirgendwo hinein – und das lag nicht an seinem Körperumfang.
Mir wurde gar vorgeschlagen, erst einmal mit lokalen Zeitungen bekannt zu werden, weil doch das Internet an sich nichts wert sei. Ich ärgerte mich, knirschte mehrfach mit den Zähnen, doch weigerte mich nachzugeben. Abgesehen davon, dass ich später nachgab und tatsächlich ein paar Zeitungen anschrieb, die mir mit vereintem Schweigen antworteten, und abgesehen von dem in mir wachsenden Wutwunsch, es – was auch immer „es“ war – ihnen allen „zu zeigen“, ließ ich mich davon jedoch nicht beeindrucken, sondern speiste den Buchwahrwerdgedanken mit meinen Emotionen.

Und mit Ideen, denn glücklicherweise ist das Erdenrund mit Nettmenschen wie Michaela bevölkert, die begeistert jede Idee weiterspinnen und freudestrahlend vorab jubilieren. Und mit Fredfreunden, die mir unter jedem neuen Comic kommentierend zusätzliche Freude an meinem Schaffen einflößten.

Ich würde ein Buch kreieren, legte ich fest.
Auf eigene Faust.
Kein Problem.

Schließlich gehörte nicht viel dazu. Ich musste nur sämtliche Comics nach jenen durchforsten, die geeignet wären, im Fredbuch aufzutauchen, suchte meine eigenen Favoriten heraus, hörte auf die Gedanken von Freunden, prüfte, welche Comics die meisten Positivreaktionen auf fonflatter.de hervorgerufen hatten [und ob diese sich tatsächlich auf den Comic oder irgendwas anderes, nicht minder Fetziges bezogen] und wählte aus. Außerdem zeichnete ich neu. Alte Comics, die ich eigentlich mochte, aber optisch nicht meinem derzeitigen Stil entsprachen, überarbeitete ich. Damit die internetigen Fredfreunde, die jeden Comic auswendig kennen, Neuwert zu Gesicht bekamen, ersonn ich neu, zeichnete neu. Zusätzlich plumpste mir der absurde Gedanke in den Schädel, zu jedem Comic eine kleine zusätzliche Ergänzungszeichnung zu kreieren, die einerseits ein bisschen niedlich oder amüsant oder beides sein, andererseits auch einigermaßen zum Comic passen sollte. Ich scannte ein, bearbeitete, ersann, zeichnete, scannte…

Zwischendurch erkundigte ich mich, ob ein Books-On-Demand-Verlag überhaupt imstande sein würde, meinen Wünschen zu genügen – und hatte Erfolg. Nebenbei entstanden weitere Comics, jeden Tag ein neuer. Nebenbei entstanden Kalender, Shopmotive und lauter Kleinigkeiten. Nebenbei verfolgte ich zahlreiche weitere Ideen, die Fred betrafen. Nebenbei zeichnete ich noch anderes Knuffelzeug. Nebenbei überarbeitete ich die Heimseite – oder ließ das von anderen tun. Nebenbei schrieb ich Texte, räumte den dazu passenden Blog um, beendete meinen Roman „Donnerstag“ und veröffentlichte ihn als Ebook. Nebenbei warf ich noch ein zweites Ebook hinterher. Nebenbei arbeitete ich in meinem „echten“ Job. Nebenbei führte ich auch noch ein Leben, das Menschen beinhaltete.

Die Erstellung des Buches streckte sich ein bisschen.

Doch als der 31.12.2011 sich langsam einem Ende näherte, war ich einer Sache gewiss: Im kommenden Jahr würde es ein Fredbuch geben. Auf jeden Fall!
Und auch wenn die Jahresanfangsmotivation rasch nachließ, blieb der Gedanke in meinem Schädel haften, sorgte für schlechtes Gewissen, wenn wieder ein Zeitraum durch mein Dasein gewandert war, ohne sich mit dem zukünftigen Buch befasst zu haben.

Und dann gab es noch Christine. Christine, deren Hochzeitseinladungskarte ich kreierte und die zum Dank eine mich lobpreisenden Email an einen ihr eigentlich unbekannten Verwandten irgendwo in den Tiefen des Verlagswesens schrieb, mich in aller Herzlichkeit empfahl – und einen Kontakt herstellte. Der Kontakt wuchs und mit ihr die Realisierungschance meiner Idee. Diese hatte in meinem Kopf längst konkrete Formen angenommen, so dass ich bereits mit Zahlen und Fakten, mit Formaten und Inhalten um mich werfen konnte, ohne dass auch nur eine Seite tatsächlich erstellt war.

Aber auch das sollte sich ändern. Rasch schuf ich ein paar Probeseiten, und mit begeisternswerter Geschwindigkeit kam ein Vertrag zustande. Ein Vertrag mit einem Verlag. Ein echter Verlagsvertrag. Über ein Fredbuch. Ein Fredbuch!

Ich war außer mir vor Freude. Abgesehen davon, dass nun noch mehr Arbeit auf mich wartete, abgesehen davon, dass ich nur wenige Monate Zeit hatte, um das Angefangene endlich Wirklichkeit werden zu lassen, abgesehen davon, dass ich mich nun zwang, jeden Tag, unabhängig von Laune, Zeitplan oder Müdigkeitsstatus, etwas Fredbuchiges zu erledigen, abgesehen davon, dass am Ende der Mühen keineswegs ein Palast unerschöpflicher Reichtümer auf mich wartete – abgesehen von diesen vernachlässigbar-winzigen Kleinigkeiten, von diesen unbedeutenden Nichtigkeiten, die noch nicht einmal eines Gedankens würdig waren, abgesehen von diesen albernen Lächerlichkeiten also war alles hyperübersuperfetzig. Mindestens!

Und so begann ich zu arbeiten. Und so arbeitete ich auch heute. Und so werde ich auch morgen arbeiten.

Hin und wieder werde ich aufschreien, begeistert oder entnervt, werde den Fortschritt meines Schaffens in die Welt schreiben, werde mit beränderten Augen schlafarm durch die Welt wanken. Doch meine Begeisterung wird bleiben, mein Lächeln wird in jeder Linie stecken, meine Freude wird mich vorantragen.
Bis dann im Herbst 2012 das Fredbuch die Welt erblicken wird. Im Zweihorn-Verlag, dem ich schon jetzt unendlich dankbar bin. In überschaubarer Erstauflage, doch mit Option auf Weiteres. Und mit haufenweise Hihi!, mit Fred, Käfer und all seinen Freunden, mit albernen Wortwitzen und überschlauen Filosofien, mit Wuhuu! und Keksen, mit Regen und Zuversicht, mit Krawatten und Steinen, mit der Essenz von allem, was seit über 2000 Comics durch die Netzwelt wuselt.

Ihr habt also hiermit meine offizielle Erlaubnis, euch vorzufreuen. Und grinsend durch die Gegend zu hüpfen.
Denn das Fredbuch kommt.
Bald.

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Zufrieden

Ich bin zufrieden. Warum auch nicht?
Bereits zum zweiten Mal existiert eine Ausstellung, in der Werke dargeboten werden, die ich fabrizierte, Werke, die mir Tag für Tag Freude bereiten und mit denen ich – dies darf nicht vernachlässigt werden – auch anderen täglich Freude bringe, Werke, die also schon für sich allein positive Resonanz erwirken, genug jedenfalls, um Gründe zu finden, jeden Tag froh gesonnen zu sein.

Die Ausstellung befindet sich im Lesecafé der Magdeburger Stadtbiblitohek und es ist ein Leichtes, sie zu entdecken, sie für sich zu entdecken, während man eigentlich zu einem Automatenkaffee in der aktuellen Tagepresse blättern wollte. Es ist leicht für mich, Freunde und Bekannte darauf zu verweisen, mit einem Lächeln, das besagt, dass es schön wäre, aber nicht dringend nötig ist, und dann die Versicherung zugesprochen bekommen, dass man ja sowieso eigentlich zur Ausstellungseröffnung kommen wollte, dass man es irgendwie verpasst habe, aber bei nächster Gelegenheit die Bibliothek und somit die Ausstellung aufsuchen wolle, das Lesecafé sei doch da rechts im Erdgeschoss, auch für Nichtbibliotheksnutzer ereichbar, oder?

Ich bin zufrieden, und gerne opfere ich ein paar Minuten meiner Zeit, um Bekannten, Halbbekannten und Fremden die Bedeutsamkeiten der Ausstellung zu erläutern, die Höhepunkte sozusagen, die einem vielleicht nicht bewusst werden, wenn man der Aneinanderreihung comicbefüllter Bilderrahmen gegenübersteht. Die Vitrine, sage ich dann, schaut euch die Vitrine an. Die Vitrine steht, ein wenig versteckt, um die Ecke, und enthält nicht nur Produkte des durchaus gut genutzten Fredshops [Auch ein Grund, stolz zu sein, auch wenn ich nicht auf mich, sondern auf jene stolz bin, die diesen Shop wie so vieles andere ermöglichte.], nicht nur Arbeitsutensilien und Kleinigkeiten, sondern auch ein paar Originalzeichnungen enthält. Und hier, rufe ich verzückt aus, befindet sich ein Rahmen mit Comics der Anfangsstunde, der die Entwicklung der Figur verdeutlichen soll. Und hier, meine Stimme überträgt hörbar das innere Lächeln, hängen vier Comics, die ich eigens für die Ausstellung produzierte, vier Comics, die nie zuvor an anderer Stelle Erwähnung fanden.

Dann setze ich mich für gewöhnlich und erfreue mich am leisen Kichern der Betrachtenden, an den Gästebucheinträgen, an den schweigenden Visitenkarten-Mitnehmern. Ich versuche wegzusehen, wegzuhören, erscheint es mir doch als Eindringen in ihre Privatssphäre, sie beim Betrachten der Comics zu beobachten, und doch labe ich mich an ihren Reaktionen, an ihren unmittelbaren Reaktionen. Sonst, denke ich dann, habe ich nur selten Gelegenheit, die Reaktionen zu beobachten. Ich lese Kommentare, zumeist positiv und selbstverständlich erquickend. doch wurden diese zuvor gefiltert durch die Maske des Niederschreiben-Müssens, sind nicht direkt, nicht unmittelbar. Und doch machen mich die Kommentare stolz, ebenso wie die Reaktionen der Ausstellungsbeschauenden, stolz auf das, was ich geleistet habe, weil ich mir selbst sonst nur selten darüber klar werde, was es ist, was ich schaffe:

Jeden Tag ein Comic, bereits über mehr als zwei Jahre hinweg, vier Aktenordner voller Zeichnungen, voller Optimismus, voller Lächeln. Das ist viel, begreife ich, und auch wenn ich die Bilder an den Wänden aufgrund der umfangreichen Ausstellungsvorbereitungen längst nicht mehr betrachten möchte, nicht mehr wahrnehme, weiß ich doch, dass sie Symbole sind für eine größere Menge an Nicht-Ausgestelltem, die dahinter steht. Und so sitze ich für ein Moment auf dem Berg des Erreichten wie auf einem Thron und erfreue mich daran, mit ein wenig Krakelei, mit ein wenig Albernheit, derartiges erreicht zu haben.
Ich streife durch das Netz und finde Seiten von Leuten, die ich nicht kenne, die auf meine Seite, auf meinen Comic verlinken, oft voller Begeisterung darüber schreiben, und kann es nicht begreifen. Ich bin nicht berühmt, werde auf keiner Straße von Fremden erkannt oder mit Zeichnungswünschen überhäuft. Und doch geht die Bekanntheit meiner Werke längst weit über den Kreis meiner Freunde und Bekannten hinaus. Darüber freue ich mich, denn nicht ich stehe im Mittelpunkt, sondern der Comic, die Figuren und ihr tägliches Treiben.

Täglich schaffe ich und täglich heimse ich Lohn dafür ein, nicht Materielles, Greifbares, sondern Worte. Fred wird gelobt ob seiner Einfälle und ich schmunzle, weiß ich doch, dass nicht er es war, der diesen Einfall ersonn, nicht die erfundene Figur, die längst ihr Eigenleben zu entwickeln begann. Nie war es geplant, dass er Krawatten mögen sollte – insbesondere weil ich selbst das Tragen solcher vermeide. Nie war es geplant, dass er sich derart kindlich über jeden einzelnen Regentropfen zu freuen pflegt – und doch schwirrt immer wieder ein „Regen fetzt!“ über die Münder der Lesenden. Wie einfach es ist, Menschen zu Unsinnigkeiten anzustiften, denke ich dann zumeist und lächle.

Wenig von dem, was heute das Fred-Universum ausmacht, war geplant gewesen, doch vermutlich hätte ich gar nicht erst begonnen, wäre mein Schädel mit zukunftsorientiertem Denken befüllt gewesen. Nein, die Figuren entwickelten sich von Comic zu Comic, bekommen reichlich Gelegenheit, immer neue Eigenschaften von sich zu offenbaren. Auch dass zusätzlich zu Käfer und Fred noch eine Spinne und eine Schnecke auftauchen sollten, war niemals so ersonnen gewesen. Doch ihre sporadische Anwesenheit eröffnet weitere Möglichkeiten, und so ist es nicht verwunderlich, wenn ich hin und wieder darum gebeten werde, einer Randfigur, die nur zwei oder drei Auftritte hatte, zusätzliche Bedeutung zukommen zu lassen, indem ich ihr Wiederkehr schenke.

Doch ich versuche, mich zu beschränken. Schließlich gibt es neben Fred und Käfer, neben Schnecke und Spinne auch noch zahlreiche Würmer, einen immer seltener erscheinenden Batman, einen Weihnachtsmann und natürlich Freds Alter Ego Batfred. Und hin und wieder greift sogar der Schöpfer selbst in die Handlung ein. Diese Figuren bieten genug Potential, und ich wundere mich täglich ein wenig darüber, dass dem so ist, dass es tatsächlich so einfach sein kann.

Ich bin zufrieden. Ein Adventskalender offerierte mir die Möglichkeit, mich zusammen mit Fred in neuen Bereichen zu versuchen, Freds Welt etwas Farbe zu schenken – und zugleich auf einen Cartoon anstelle eines Vier-Panel-Comicstrips umzusteigen.

Ich bin zufrieden, weil sich Fred entwickelt, weil aus dem simplen Comic so viel mehr geworden ist – und weil ich mit ihm wachse. Ich verbessere meine Zeichenfähigkeiten durch tägliche Übung, scheue mich nicht länger vor kurzfristigen oder komplexen Projekten. Ich entdecke neue Felder, auf denen ich mich betätigen, die ich mit Fred verknüpfen kann – und versuche zugleich, den Comic Hauptsache bleiben zu lassen, nicht zu viel Ablenkendes zu generieren, auf dem Boden zu bleiben. Sozusagen.

Ich bin zufrieden, auch wenn weniger Leute die Ausstellungseröffnung besuchten als gedacht. Mühsames Flyerverteilen und Plakatekleben hätte eigentlich mehr fruchten sollen, denke ich manchmal. Flyer bringen gar nichts!, grummle ich zuweilen. Und doch: Ich bin zufrieden.
Der Bibliotheksmitarbeiter hielt eine kurze Rede, die mich in überhohe Sphären lobpries, ich ließ ein paar Worte zum Comic und dessen Entwicklung und natürlich zur Ausstellung fallen – und zog mich dann zurück. Die Besucher schauten und schmunzelten. Das Gästebuch erfreut sich eifriger Benutzung und auch jetzt, da sich die Ausstellung allmählich ihrem Ende nähert, kommen noch neue Einträge hinzu. Sogar Visitenkarten musste ich bereits nachlegen, weil der eigentlich umfangreiche Stapel nahezu vollständig entschwunden war.

Ich bin zufrieden, lese vergnügt die freundlich-begeisterten Zeilen der Ausstellungsbenutzer und wundere mich, wie das alles passieren konnte, wie das alles möglich wurde. Kein großer Schritt ward getan und doch…

In Gedanken versunken gehe ich die Straße entlang. Ein Freund sieht mich, grüßt mich laut: „Herr Künstler!“
Ich bin zufrieden.

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