FFFfF: Halloween fällt aus

Heute fand ich heraus, warum zuweilen die schwarze Farbe des dicken Eddings über die Grenzen tritt, die ich vorher zeichnete. Ich dachte, es läge an unzureichender Belüftung, da beim letzten Mal, als das geschah, das Blatt die ganze Nacht auf meinem Scanner verbrachte.

Doch heute fand ich die wahre Ursache heraus: Die Grenzen werden von der Farbe ignoriert, wenn sie nur mit Fineliner gezeichnet wurden, nicht – wie sonst – zusätzlich mit Filzstift. Albern, aber akzeptabel.

Gute Nacht.


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Ein abendliches Protokoll

Exakt 22:10 machte ich mich auf den weiten Weg zu J, das funktionstüchtige und mit Superdynamo ausgestattete Fahrrad meines Mitbewohners nutzend. J wartete schon leicht fröstelnd, hatte ich mich doch für ein paar Minuten früher angekündigt. Wir schwangen uns auf die Räder und düsten langsam los. Langsam, weil Js frisch repariertes Rad unganzer war als gedacht und demnach den Fortbewegungszwecken wenig dienliche Macken aufwies. Trotzdem kamen wir voran, und während ich in der Sparkassenfiliale Geld aus der Wand zauberte, versuchte J sich daran, die lockere Fahrradkette richtig zu positionieren.

Aufgrund der damaschkeplatzigen Pozileifreiheit [Js Licht war wesentlich inexistenter als das meinige] aufatmend erreichten wir das Kino, wo wir die Räder sachgemäß vertäuten und uns an der nächstbesten Schlange hintenanstellten. „Hier geht es am Schnellsten.“, wußte ich zu behaupten, doch behielt nicht recht, da die jungen Menschen vor uns Parallelwartereihen bildeten, in die sich immer mehr von ihnen stellten [Der Gesamt-IQ schien trotzdem nicht zunzunehmen.].

Kurzerhand wechselten wir die Schlange, gerade rechtzeitig, um mitzuerleben, daß ein Pärchen seine Unentschlossenheit beseitigt hatte, sich vor uns einreihte und kurz darauf ein weiteres Pärchen begrüßte. Ich grummelte ein wenig, doch J war cleverer und nutzte die Gesprächsbeschäftigkeit der vier zu Vordrängelzwecken aus. Das wurde letztendlich zwar bemerkt, aber nicht geahndet, so daß wir uns in Ruhe überlegen konnten, ob nun „Doom“ oder „Der Fischer und seine Frau“ der angemessenere Film sei. Ich drückte meine Tendenz zu dem Christian-Ulmen-Film überumständlich aus, doch wir verstanden uns und kauften entsprechende Karten. Leider war Js Stempel-Bonus-Super-Checker-Karte schon abgelaufen, so daß sie eine neue bekam. Eigentlich zwei, meine nahm sie auch. Und die Kinokarten. Und zwei Superdupergutscheine für Tortilla Chips.

Nun jedoch war sie verwirrt. Ich zunächst auch, stand doch am Eingang niemand, um die Karten zu zerreißen. Dann aber doch, und ich quitterte die Entwertung mit einem freudigen Lächeln. J verschwand, tauchte wieder auf, besorgte Tortilla Chips mit leckerem Käsesaucendip und stellte betrübt fest, daß der eben erworbene Superdupergutschein nur für große Portionen galt, also im Augenblick nichts nützte. Mist.

Kino 2 wartete auf uns. Es war nahezu leer. Nur acht weitere Personen wollten „Der Fischer und seine Frau“ sehen. Wir plazierten uns trotzdem in die Parkett-Reihe, um einerseits unserer Ehrlichkeit Ausdruck zu verleihen und andererseits Js Vorliebe für vordere Sitzplätze zu befriedigen.
Die Verbraucherinformationen begannen und waren unglaublich schlecht. Nicht minder schlecht waren die Film-Ankündigungen für die Zukunft. „Typischer Frauenfilm.“, wußte J fachgerecht zu attributieren.

Dann ging es los. Der Käsedip war alle, die Chips aber noch nicht. Dafür war der Film schön, barg eine Menge Schmunzler und nicht weniger nachdenkenswerte Momente, erfreute mit angenehmer Leichtigkeit, die sich wohltuend mit berührender Ernsthaftigkeit mischte. [Ich breche die alberne Filmkritik an dieser Stelle ab, bevor ich mich in noch albernere Ausdrucksweisen verliere…]. Kurz: Der Film war schön.

Wir gingen raus zu den Rädern in die Kälte auf den mit klassischer Musik bestreuten Bahnhofsvorplatz und fuhren auf der falschen Straßenseite, partiell ohne Licht, heim, verabschiedeten uns vor meiner Haustür und waren kurz nach Eins in jeweils heimatlichen Gefilden angelangt.

FFFfF: So lonely

Eigentlicht sollte der heutige Comic mitten in der Nacht veröffentlicht werden. Schließlich war er bereits fertig. Doch nachts um drei fehlte mir die Energie, um mich mit anderm beschäftigen zu wollen als mit meinem Bettchen.

Doch das war gut so, entdeckte doch meine liebe Mitbewohnerin, die mir übrigens die Idee für das Liebeslied gab, einen winzigen Fehler, der noch korrigiert werden mußte.

Deswegen präsentiere ich erst jetzt, noch immer müde, aber doch guter Dinge, den 40. „Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter“-Comcistrip. Eine weitere runde Zahl ist erreicht! Toll.

Und so.


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[Im Hintergrund: The Dresden Dolls – „A Is For Accident“]

Tageswort Nr. 29: Klischee-Alternativismus

Soeben sah ich einen Raum, in dem überall Bilder aufgehängt angehängt und angeklebt waren, die in einer schlechten Soap [O, ein Pleonasmus.] zur Verdeutlichung eines alternativen Lebenswandels hätten herhalten können, und das einzige Wort, das mir dazu in den Sinn kam, war
Klischee-Alternativismus.

Paßt perfekt.

[Im Hintergrund: Minas Morgul – „Schwertzeit“]

Verbrüderung

Der Versuch, sich der Wirklichkeit anzupassen, das bereits Falsche zu akzeptieren und trotzdem voranzuschreiten, die gemachten Fehler und unglücklichen Umstände, die sich stets dann zu häufen scheinen, wenn ich ein erreichbares Ziel gefunden zu haben glaube, zu beseitigen oder zu übergehen, aus den Löchern, die ich selbst schaufelte oder in die ich unfreiwillig geriet, herauszuklettern [mühsam stets], scheitert immer wieder an den alten Sorgen, die neu erblühen oder an neuen, die hämisch grinsend den alten die Hände reichen und sich mit ihnen verbrüdern.

[Im Hintergrund: Samsas Traum – „Mater Lagrimarum“ — „Was schmerzt, ist das Wissen, daß es einst anders war…“]

WG-typisch

Will ich die Toilette aufsuchen, so ist diese besetzt. Steige ich jedoch wenige Augenblicke später nackt und klatschnaß aus der Dusche [Wir besitzen zwei Bäder.], so ist niemand mehr anwesend, der auf die stürmisch läutende Klingel reagieren könnte, so daß ich selbst gezwungen bin, mir hektisch irgendwelche Klamotten überzuwerfen und – noch immer tropfend – die Stufen hinunterzustürmen, um ein Paket für meinen Mitbewohner in Empfang zu nehmen.

[Im Hintergrund: Dimmu Borgir -„Death Cult Armageddon“]

Mit uns.

Und plötzlich spricht ein bekannter Mund Worte, die seltsam und normal zugleich anmuten und mich fragen lassen, wie wirklich die Gedankenwelt ist, die ich täglich um mich baue.
„Sie hat ja jetzt einen Freund. Ich dachte immer, daß das mit euch was werden würde.“

Mit uns.
Es gab Zeiten, da vermutete ich ähnlich, da sehnte ich mich danach, da interpretierte ich jede zufällige Berührung, jedes gesprochene Wort, jedes gefundene Lächeln in diese Richtung, in Richtung einer Hoffnung, deren Erfüllung, mir verwehrt wurde. Ich war nicht betrübt, nicht enttäuscht, deswegen, erwartete nahezu nichts anderes. Die Nähe, die ich erträumte, war illusorisch.

Ich interpretierte sie, die Nähe, als allgemeines Bedürfnis nach aktiv und passiv gelebter Liebe, hineinprojeziert in sie, die ein geeignetes Gefäß zu sein schien, akzeptierte ihre Ferne als Teil der Wirklichkeit, derer ich nicht Herr zu werden vermochte. Wenn ich des Nachts in die Behaglichkeit des Schlafes sank, sandte ich zuweilen einen angenehmen Gedanken in ihre Richtung, fast so, als könnte sie ihn ergreifen, in sich aufnehmen und verstehen, fast so, als wäre die Hoffnung berechtigt.

Doch das war sie nie. Ich bin, war und bleibe ein Wesen, das fremd zu sein scheint in dem Element, das ihn umgibt, das sich andere Plätze schafft, Gedanken, die über die Wirklichkeit hinausragen und mir aus weiter Ferne ein Lächeln herbeizaubern. Mein Dasein ist eine Flucht vor mir selbst und dem Heute, und jeder Schritt, den ich im Hier und Jetzt wage, erscheint mir falsch zu sein, ungute Richtungen einzuschlagen.

Sie dagegen hatte die Geradlinigkeit für sich gepachtet, wußte, was sie wollte, wußte, wie dies zu erreichen war, wußte sich nicht mit dem Bekommenen zufrieden zu geben, sondern stets Höheres, Größeres anzustreben, neuerliche Erfolge, die sie aufbauten, weiterbrachten und die Optimalbasis für potentielle Zukünfte schufen.

Wir paßten nicht zusammen. Zu oft redete ich an ihr vorbei. Sie mochte den Klang meiner Stimme, doch schien es mir, als wäre es egal, was deren Inhalt war, was zu berichten, zu bemängeln, zu bewundern ich wußte. Ich hätte ihr Geschichten erzählen können, und sie wäre mit seligem Lippenlächeln ins Land süßer Träume entschlummert. Doch das tat ich nicht.

Und auch sie redete, redete von Dingen, die ich zu oft für fragwürdig hielt, die ich mit kritischen Blicken beäugte wie ein fremdes Tier, dessen Fremdheit ausreichte, mich davon abhielt, es kennenlernen zu wollen. Ich besitze Fantasie, finde immer Gründe, etwas abzulehnen, wenn ich meine Unsicherheit verbergen, irgendeine Meinung äußern will, die ich an einem anderen Tag gekonnt zu widerlegen weiß.
Nicht alles, was sie erzählte, war in meinen Augen falsch oder ohne Belang. Zuweilen glühte ich auf, eiferte mit, fand die Worte, die aus ihrem Munde perlten und vereinigte mich mit ihnen. Ihre Augen leuchteten, und ein Weg schien gefunden zu sein.

Hin und wieder schloß ich meine Lider, um sie besser betrachten, sehen, zu können, um ihren schlanken Leib entlangzustreifen, sie heimlich in Gedanken zu berühren, ihre Haut zu liebkosen, als wäre sie leicht zerbrechlich, ihren warmen Duft einzuatmen, der mich an meine Sehnsucht erinnerte, an Worte, die ich nie sagen, Gesten, die ich nie wagen würde.

Unsere Nähe beängstigte mich. Fanden wir sie, so wollte ich sie nicht verlieren, doch verlor sie wenige Augenblicke darauf. Zuweilen verzehrte ich mich nach ihr, doch kam kein entsprechendes Wort über meine Lippen. Warum sollte ich sprechen, war doch das Mögliche fern, endlos fern. Sie würde nicht verstehen, ein freundliches Wort der Zurückweisung finden und mich meiner Träume berauben. Das wollte ich nicht, schwieg ein trauriges Lächeln in mich hinein.

Ich hatte Angst vor ihrer Nähe, Angst davor, in ihren Augen nur igendwer, einer von vielen zu sein, denen sie die gleiche Nähe zu schenken bereit war. Für mich bedeutete sie etwas; doch was bedeutete sie ihr? Ich wußte es nicht, konnte es nie in Erfahrung bringen, wollte nicht, aus Furcht, den zarten Glanz meiner Sehnsucht für ein zerspittertes Fragment geborstener Gedanken aufgeben zu müssen.
Was konnte schon passieren? Zuviel, das zu ertragen ich nicht bereit war.

Und ich wartete, wartete auf ein Zeichen, irgendetwas, das Gewißheit verkündete, mich einen Schritt aus meinem Versteck hervorwagen ließ. Doch ihre Nähe war flüchtig, kurz nur, wie ein warmer Sommerwind, der vorüberzieht, einen wohligen Geschmack auf der Haut hinerläßt, die Idee von etwas Größeren, das nie geschehen wird. Ihre Worte waren klar und stark, ließen die ersehnte Spur, das ersehnte Zeichen vermissen.

Ich fragte nicht, ließ irgendwann auch meine Träume sterben.

„Ich dachte immer, daß das mit euch was werden würde.“
Wenn andere, Außenstehende, derart dachten, warum wurde es nichts? Lag es an mir? An ihr? An uns? Waren wir einander aus dem Weg gegangen, aus Angst, uns ineinader zu verlieren? War das Schweigen nur ein Warten auf das gegenseitige Zeichen gewesen? Ich weiß es nicht.

„Sie hat ja jetzt einen Freund. „
Ich beruhige mich. Es lohnt nicht, weitere Gedanken über verronnene Möglichkeiten auszugießen, lohnt nicht, das Gewesene zu hinterfragen, auf der Suche nach einer Spur, die genausogut meinem Geist entsprungen sein kann.

Es wäre nichts geworden, versuche ich mir einzureden, doch höre mir nicht zu. Warum auch? Sie ist fern und wird es bleiben. Ich dagegen verweile hier, als wäre ich tief verwurzelt in vergifteter Erde.

FFFfF: Eiskalt

Der Versuch, auf die Erstsemesteranfangsparty der Geisteswissenschaftler zu gehen, scheiterte daran, daß erstaunlich viele Erstsemestler [und andere] sich dazu entschlossen hatten, sich geduldig in die Reihe der vor dem Eingang Wartenden einzugliedern und sich von der Aussicht auf Ausgelassenheit innerhalb der Gemäuer so sehr verlocken ließen, daß sie nicht umhin konnten zu ignorieren, daß sie sich minutenlang keinen Zentimeter nach vorn bewegten. Wir, G und ich, stellten uns ebenfalls an, gaben aber schon bald auf und kehrten in heimatliche Gefilde zurück, so daß ich schon jetzt, zum Anbruch des neuen Tages die Welt mit einem aktuellen Fred-Comic beglücken kann.

Fiel Froide.


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[Im Hintergrund: Samsas Traum – „Nostalgia“]