und dann der tag, an dem ich zu atmen begann, an dem ich meine lungenflügel dem himmel entgegenstreckte und umarmte, was mich sanfter stille enthob. lass mich fliegen!, drang es aus mir, und ich sprang in alle höhen, entflammte mich mit gleißendem jetzt, schoss aus meiner brust hinaus in gellendes ich. lass mich fliegen!, rief ich und zerbarst zu lachen.
Kategorie: seelensplitter
Wirbelweiß
Weit ragt meine Neugierzunge
in den kalten Wolkenwind
und ein Jauchz harrt in der Lunge
tanzt mit meinem Innenkind
als aus grauem Nebel-Oben
Flock um Flock darniederstürmen
weiße Wirbel fröhlich toben
sich zu weichen Betten türmen
meine Schritte Löcher graben
die sogleich ein Schneekuss füllt
und in Winters kühle Gaben
sich mein wollbeflauschter Mantel hüllt.
Und ich spring dem Schnee entgegen
lächle, singe, rufe gar
fang den Tausendflockensegen
mit vom Sturm zerformten Haar
Auf emporgestreckten Händen
schmelz ich Eiskristall zu Tau
lass von weißem Glanz mich blenden
nehm mir Holles Maid zur Frau.
Meine Pfade knirschen leise
und ein Kugelwesen lacht
als ich lächelnd mir entreise
durch des Winters Flockenpracht.
—
PS:
Das ist natürlich nicht das erste Schneegedicht, das ich schrieb. Ein schönes entstand vor fast sieben Jahren:
schneespaziergang
Turm
An Wellen fand ich keinen Halt
und keinen Weg im Meer
Doch brandete ich durch den Sturm
an rettende Gestade
War doch dein Lächeln Leuchten mir
und jedes Wort ein Turm.
Winterwogen
In wallend weißen Winterwogen
hört ich knisterklein frohlocken:
tausend flüsterweiche Flocken
die mein Wollmützohr umflogen
zum Ballsaal ward mein Kichermund
die Nasenspitze wild beküsst.
O wenn ich wie es ginge wüsst
dann schneit‘ auch ich aufs Erdenrund.
Zwei Schneegedichte
Schnee, der sich an Wangen kuschelt
mein Lächeln winterweiß umwuschelt
flockt zauberzart auf mein Gewand
und küsst im Schmelz mir sanft die Hand.
—
Damit der Herbst alsbald ermatte
[Er beginnt bereits zu stinken.]
grüß ich Schnee, die Wuselwatte
mit Kuss und Grins und Winken.
zwischen deine blicke
glitt ich
wie zwischen welten
dein atem floss in meinen
dein schweigen war ein lächeln
und ich gebar dich aus stürmen
in meinen arm
hielt inne
hielt dich
nackt
wie wild der wind sich zwischen wellen
aus trockenbunten blättern wirft
als gelte es mit schnellen
hastig ins geäst gelachten stößen
und fingern aus geballter watte
dem baum das kleidchen zu entreißen
den rindenkörper zu entblößen
auf dass ein winter ihn begatte.
und deine hand vergaß
die winkel meiner lippen
gen himmel auszurichten
deine namen zu vernehmen
die ihnen entglitten
unbedacht
als wären sie halt
mein augenfeuer neu zu schüren
auf dass es stern dir sei
und richtung
in die stille meines hauptes
dein gelächter zu pflanzen.
und deine hand vergaß
sich mit meinen sehnenden fingern
zu bekleiden.
Oktober
Klingklang aus dem Krachomaten
Verse vor dem Brillenaug
Süßkakao heißt mir die Lippen
während Herbst durchs Draußen stürmt.
sturm
Weil die fetzige @buchmamsell zur Kreation eines Sturmgedichtes in 140 Zeichen aufforderte, schuf ich eines.
wenn regenwilde winde rauschen
und wärme welkt zu fernem wort
dann raunen sie
so will ich glauben
deinen namen immerfort.