Die Theorie von der nötigen Voraussetzung

Immer wieder erstaunlich für mich ist festzustellen, daß das Herunterfahren meines Rechners exakt so viel Zeit benötigt, wie ich brauche, um
– Monitor und Anlage auszuschalten
– aufzustehen
– einen Schritt ins Zimmer zu machen
– zurückzublicken
– mich zu wundern, warum der Rechner immer noch Arbeitsgeräusche von sich gibt
– den Monitor wieder anzuschalten
– darauf zu warten, daß sich allmählich das Bild einstellt
– und in dem Moment, in dem die Monitorschwärze einem sichtbaren Bild weicht, zu vernehmen, daß der Rechner aufgehört hat rumzulärmen und nun endgültig aus ist.

Das läßt die Theorie aufkommen, daß der Rechner erst dann komplett herunterfährt, wenn ich mich dazu bequeme nachzuschauen, warum er noch immer läuft.

Diese Theorie bestätigt sich durch ein anderes Erlebnis, bei dem mein Mitbewohner und ich vor der Mensa auf seine Freundin warteten. 13 Uhr sollte sie eintreffen, und mittlerweile war es zehn Minuten danach.
„Normalerweise würde ich jetzt reingehen.“, meinte mein Mitbewohner. „Jedoch kann ich drauf wetten, daß sie genau dann hier eintrifft, wenn wir in der Mensa verschwunden sind. Also warten wir noch zwei Minuten.“

Das erschien mir logisch, und ich willigte ein. Wir blickten aus dem Fenster, so daß wir den Mensavorplatz gut überschauen und ihre Ankunft frühzeitig bemerken konnten.
Doch sie kam nicht. Die zwei Minuten verstrichen, und auch in der Ferne war nichts von ihr auszumachen.

„Sie kommt erst, wenn wir in die Mensa gehen.“, überlegte ich laut.“Wahrscheinlich ist unser Betreten der Mensa sogar Voraussetzung für ihr Erscheinen.“

Mein Mitbewohner schaute mich erstaunt an, als wäre ich fremden Welten entsprungen, blickte noch einmal kurz und ergebnislos nach draußen, zuckte mit den Shcultern und deutete mir, die Mensa zu betreten.

Es war voll, die Warteschlange lang. Und in dem Moment, da wir uns einreihten, stieß die Freundin meines Mitbewohners zu uns, begrüßte uns freudig. Die Augen meines Mitbewohners wurden groß vor Verwunderung.

„Sag ich ja.“, grinste ich ihn an.

[Im Hintergrund: Janus – „Die Welt Steht Kopf“]

FFFfF: Lektüre

Heute verzichte ich auf ein langes Vorwort.

Und so.


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[Im Hintergrund: Stillste Stund – „Blendwerk Antikunst“]

Menschen 20: Sitzkissenersatz

Und dann war da noch die alte Frau, die auf der Bierkastenreihe vor mir saß, die, Bequemlichkeit suchend, ein Buch zwischen das harte Plastik und ihren breiten, in schwarzen Stoff gehüllten Hintern geklemmt hatte und vergnügt der Lesung lauschte, der auch ich Aufmerksamkeit schenken wollte, wäre da nicht das Buch unter ihrem Hintern gewesen, das mich immer wieder ablenkte, meine Blicke auf sich zog.

Warum mußte sie auch ausgerechnet Mirjam Münteferings Lesbenroman „Das Gegenteil von Schokolade“ auswählen…?

[Im Hintergrund: Depeche Mode – „Playing The Angel“]

Straßenbahnerlebnisse 12: Nicht ein einziges

Ich platziere mich rechts, am Fenster, ein Einzelplatz unweit der Tür. Ich liebe es, hier zu sitzen, aus dem Fenster zu starren und die vorbeigleitende Welt zu beobachten. Nicht minder liebe ich es, hier zu sitzen und meine Gedanken zwischen fesselnden Zeilen zu vergraben, hin und wieder aufzusehen und zu befürchten, die Aussteigehaltestelle zu verpassen.

Das Rumpeln der Straßenbahn gefällt mir, ihr schwerfälliges Anfahren, die beängstigenden Geräusche in den Kurven, welche die Frage nach der Sicherheit der Fahrzeuge öffentlichen Personennahverkehrs mit stetiger Aktualität belegen, die Ziehharmonikatüren und der grüne Knopf an der metallenen Außenseite.

Meine Straßenbahn ist fast immer eine alte; ein klobiges Ungetüm, ein ratterndes Monster, das Fahrgäste verschlingt und ausspeit wie schlechte Nahrung. Ich freue mich darüber, mißfallen mir doch die schrillen Tür-Schließ-Warntöne der neueren Bahnen, die schwarz-drohenden Kameraaugen an der Decke, die an der Glastür angebrachten Ein- und Aussteigeknöpfe, deren fehlende Versenkbarkeit immer wieder Unsicherheit aufkommen läßt, ob man sie nun ausreichend intensiv gedrückt habe oder nicht.

Heute sitze ich in einer neuen Bahn. Das Fenster neben mir ist glaskratzerfrei und erlaubt mir einen Blick auf das sonnige Äußere, auf die vorbeischwebenden Menschen und Fahrzeuge. Für einen Augenblick ersehne ich mir ein Buch auf meinen Schoß, doch dann entsinne ich mich der letzten beiden Tagen, in denen ich mich mit nahezu nichts anderem als mit der Lektüre zweier angenehmer Bücher beschäftigt hatte, deren Geschichtenfetzen mir noch immer durch den Kopf wirbeln und das Gefühl hinterlassen, vorläufig lesegesättigt zu sein und alle Eindrücke und Gedanken erst einmal verarbeiten zu müssen.

Links von mir, auf der anderen Seite des schmalen Ganges, befindet sich ein Vierersitz, erstaunlicherweise nicht von einer Omi und zwei Taschen, sondern tatsächlich von vier Personen besetzt, deren geschätztes Alter ich in den Sechziger-Bereich einordnen würde, sollte mich jemand danach fragen.

Die Vier unterhalten sich. Eine Frau bemängelt die Straßenbahnunpünktlichkeit und die daraus entstehenden Umsteigeprobleme, die ein wiederholtes Zuspätkommen verursachten und auch nicht durch das Nutzen einer früheren Bahn ausgeglichen werden können, da die bisher genutzte die erste am Morgen darstellt [Die schreckliche Vorstellung nachts um Fünf zur Arbeit fahren zu müssen, lasse ich nicht in meine Gedanken eindringen.]. Das Gespräch schweift ab, ich lausche dem unangenehmen Fiepgeräusch, das mit jedem Brems- und Anfahrvorgang entsteht, lenke all meine Sinne in Richtung des Magdeburger Außen, das allein durch die stete Eigenbewegung der Bahn interessant zu sein scheint.
‚Bewegte Bilder fesseln.‘, überlege ich, ‚Egal, wie sinnentleert sie sind.‘

„Sie können es ruhig glauben.“, vernehme ich links von mir. Die andere Frau auf dem Viererplatz hat das Wort ergriffen. Ich sehe nicht viel von ihr; nur ihr strohblond gefärbtes Haar lugt hinter dem fetten Gesicht ihres Nebenmannes hervor.
Doch ihre Stimme ist gut hörbar – sicherlich auch für den Rest der Straßenbahninsassen – und berichtet Nachdenkenswertes.

„Glauben Sie mir,“, wiederholt sie, „ich habe noch nie in meinem Leben ein einziges Buch gelesen.“
Am liebsten wäre ich an dieser Stelle verblüfft verstummt, doch schwieg ich bereits. Im Kopf wimmeln Assoziationen zu den beiden Büchern der vergangenen Tage herum, und ich frage mich kurz und ohne wirkliches Interesse, wieviele Bücher ich in meinem Leben bereits las, ja, wieviele ich davon doppelt genoß.

„Ich habe es probiert, wissen Sie. In der Schule mußten wir ja lesen, doch konnte mich immer drücken.“
„Sie liest ja.“, weiß ihr Mann mit dem Fettgesicht zu ergänzen. „Aber eben keine Bücher.“
„Das glauben Sie nicht, oder? Nicht ein einziges Buch habe ich bisher gelesen. Einmal wünschte ich es mir, hier, dieses Buch von dem Süß… Südmann, «Das Parfüm», Sie wissen schon, dieser Süskind oder wie der heißt, das habe ich mir wirklich gewünscht. Ich habe es wirklich probiert, ich wollte es ja lesen. Doch ich habe es angefangen und dann weggelegt, auf meinen Nachttisch, da lag es dann wochenlang, ohne daß ich es anrührte.
Nicht ein einziges Buch habe ich bisher gelesen.“

Ihre Begleiter schweigen, und ich frage mich, ob ich ihr nicht ein gutes, leichtes Buch empfehlen sollte, etwas, das fesselnd und anspruchslos zugleich ist. Karl Mays „Winnetou“ fällt mir ein, Gerd Prokops „Detektiv Pinky“ und noch ein paar andere Werke, die ich als Kind verschlungen hatte. Ich beschließe zu schweigen und recke meine Lauscher noch einmal in Richtung der Leseunwilligen.

„Nicht ein einziges Buch.“, wiederholt sie gerade. Ungläubig wende ich mich ab und starre abwesend auf die bewegten Bilder hinter der Scheibe.

[Im Hintergrund: EverEve – „The more she knows“]

FFFfF: Schwafel

Bevor ich anfange, ein kleines Loblied auf Corel und seine Existenz auf meinem Rechner zu säuseln, freue ich mich über die 23 [natürlich!] Blätter, die ich soeben ausdruckte und die allesamt mit vorgefertigten Panels [=Kästchen] bedruckt sind, in die ich in naher Zukunft die nächsten Comics zeichnen werde. In den letzten Tagen mußte ich diese selber konstruieren, was mir durchaus mißfiel.

Heute ertappte ich mich dabei, wie ich mir selbst sagte, ich müsse noch den morgigen Fred-Comic zeichnen. Dabei muß ich nicht. Ich will. Das wird mir jedesmal wieder klar, wenn ich einen Comic beendet habe und voller Stolz den Scanner damit füttere:
Ich mag Frederick, die alberne, zuweilen etwas begriffsstutzige Fledermaus.
Ich mag den noch namenlosen Käfer, der so schlau tut und sich gerne reden hört.
Und ich mag natürlich den Wurm, der – man hat es sicher bereits bemerkt – einer der größen Batman-Fans ist, die ich kenne.

Halte ich also nach nach vielen Minuten des Zeichnens, des Falsche-Linien-Bedauerns, des Winzige-Fehler-Durch-Improvisation-Beseitigens, des Sich-Über-Funktionsverweigernde-Stifte-Ärgerns, … den neuen Fred-Comicstrip in meinen Händen, unterzeichne ich ihn mit meinem Namen und dem zugehörigen Datum, schenke ich ihm spontan einen wenig aussagekräftigen Titel, dann weiß ich, warum ich das tue, warum ich mehrere Stunden täglich damit zubringe, ein weißes Blatt mit schwarzen Linien und Flächen zu befüllen, warum ich morgens unter der Dusche an nahezu nichts anderes denke als an mögliche Abenteuer einer Schwarz-Weiß-Fledermaus…

Egal.

Nr. 25: „Schwafel“


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[Im Hintergrund: The Cure – „Bloodflowers“]

Papier

Auf der Suche nach verrottenden Stücken meiner Vergangenheit durchwühle ich alte Zeilen, deren staubige Zusammenhänge der Wind der Zeit längst aus meinem Gedächtnis fegte, um Platz zu schaffen für das Jetzt, das Heutige, für Eindrücke und Bilder, welche die alten Schubladen zu befüllen, neue zu erschaffen haben. Ich versinke tiefer und tiefer in Worten, die nicht mir gehören und doch meine sind, in Buchstabenketten, die fremde Hände einst meinen Blicken anvertrauten, als könnte ich ihre Wahrheit auf ewig bergen.

Zwischen losen Blättern sitze ich und lausche der Vergangenheit, krieche unter ihre warme Decke, mache es mir gemütlich, als wäre ich einen Augenblick lang zu Hause, als wäre ich am Ziel meiner Reise, meiner Suche, angekommen, finde mich wieder in uralten Gedankengebirgen, deren prasselnde Lawinen mich zuweilen zu erdrücken scheinen, deren riesige Schatten bis in den Gegenwart ragen, mich frösteln lassen. Zitternd grabe ich mich tiefer in das Gewesene, kuschle mich fester in die Decke verronnen Daseins. Mit einem glücklichen Lächeln erkenne ich einen Teil meiner Selbst, erkenne ich mich wieder, finde mich in Geborgenheit, gefangen in einem Lächeln, das alle Schatten vertreibt. Hier von der Spitze der Gebirge sehe ich alles, erkenne ich das Gestern, das Heute, erahne das Morgen, irgendwo zwischen undurchdringlichen Nebeln.

Ich bin der lächelnde Meister Zeit, reibe mich an Erinnerungen, entleihe ihnen meinen Halt. Mit lesenden Augen, flackernd, gierig, tränend, sehe ich mich wandern, mich finden, mich fliehen, mich verwelken und erblühen. Eine Silhouette wandelt durch sein Leben, versuchend, sich mit Sein zu füllen. Ich schenke ihm mein Lächeln, tauche auf, werfe die wärmende Decke von meinen Schultern und fange den Gruß des Gestern.

Noch immer benommen sammle ich das alte Papier auf, verwahre es behutsam an seinem Platz, dort, wo es Jahre überdauerte, dort, wo ich es finden kann, wenn ich seiner, wenn ich deiner, bedarf.
Denn irgendwo zwischen den Zeilen, irgendwo am rauhen Gipfel papierner Gedankenberge fand ich dich – und mit dir den bezaubernsten Grund, leben zu wollen.

[Im Hintergrund: Staub – „Treibholz“]

Tageswort Nr. 28: Teeei

Eigentlich ist es das Wort des gestrigen Tages, aber dennoch auch heute und in den nächsten Wochen aktuell [insbesondere aufgrund der sich freundlich nähernden Winterzeit und der damit verbundenden Teekonsumsteigerung], weswegen ich mich nicht scheue, Teeei zum Wort des Tages auszuerwählen.

Warum?, fragt sich der Unwissende und übersieht, daß dieses Wort genial ist. Von fünf Buchstaben sind vier [80%] Vokale, davon allein drei [60%] ein E. Nicht midner erstaunlich ist natürlich, daß die drei Es hintereinander folgen. Ein tolles Wort.

[Gibt es eigentlich noch andere Worter, die nur aus Vokalen bestehen, außer „Ei“?]

[Im Hintergrund: Paradise Lost – „Lydia“]

FFFfF: Süsses oder Saures

Wer hätte das gedacht: Ich bin mal wieder müde und in Begriff, mein Bettchen aufzusuchen. Vielleicht sollte ich den Veröffentlichungzeitpunkt des täglichen Comics auf eine andere Uhrzeit legen. Schließlich gehört 23:59 Uhr immer noch zum aktuellen Tag…
Nun ja.

Heute gibt es nichts wirklich Dramatisches zu berichten. Tatsächlich freue ich mich sehr, die Halloween-Sache fortgeführt zu haben, denn eigentlich wollte ich heute morgen noch damit beginnen, einen anderen Comic zu zeichnen. Doch der folgt später, bevorzugte ich lieber den nun sichtbaren, 24. „Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter„-Comicstrip, der mich durchaus erheitert…

Gute Nacht und so.


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P.S: Die Namenssuche gilt noch immer, ist noch nicht abgeshclossen. Wer also einen einigermaßen passenden Namen für den zuweilen besserwisserischen oder schwafelnden Krabbelkäfer kennt, möge sich nicht scheuen, mir diesen mitzuteilen.
P.P.S: Ich hoffe, die Anspielung auf die Comcistrips Nr.1 und Nr.2 ist bemerkbar…

[Im Hintergrund: EverEve – „Untergehen Und Auferstehen“]

FFFfF: Robin

Der 23. „Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter„-Comicstrip.
Eigentlich müßte diese Zahl ausgiebig zelebriert werden. Aber ich bin dafür – mal wieder – zu müde. Auch sagte ich mir, daß ich mich wegen irgendwelcher Zahlennarreteien nicht unter irgendwelchen Druck setzen lassen möchte.
Deswegen gibt es „nur“ die ohnehin geplante Fortsetzung des gestrigen Comics.

Als Super-23-Sonder-Special habe ich mir allerdings erdacht, daß es langsam an der Zeit sei, dem schlauen Käfer einen Namen zu verpassen. Daher sind alle Willigen aufgerufen, mir ihre Namensvorschläge zu präsentieren.

Einen Vorschlag gibt es bereits [von mir]: Peter [war ja klar]. Dieser Vorschlag wurde allerdings von der Jury [also von mir] schon kopfschüttelnd abgelehnt.
Also steht noch alles offen. Über Namenseinsendungen würde ich mich freuen.

Über ein Preisgeld oder ähnliches habe ich noch nicht nachgedacht, bin ich doch derzeit zum Denken nicht mehr fähig. Aber ich versuche, mir eine geeignete Belohnung für denjenigen oder diejenige auszudenken, der/die mir den besten Käfernamen zukommen läßt.
Großes Pionier- und Indianerehrenwort.

Nun aber fiel Spaß mit dem aktuellen Fred-Comic.

Nr 23: „Robin“


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