Das Wort des Tages 18

Nachdem ich einen Teil des Nachmittages damit füllte, mir zusammen mit meiner Mitbewohnerin die Jugendmusikveranstaltung „The Dome“ anzuschauen und nicht umhin zu können, als mich über die Schlechtigkeit der musikalisch untermalten Hampeldarbietungen auszulassen, über die Primitivität des Gezeigten und die offensichtliche Kopfleere nicht nur des begeistert jubelnden Publikums, sondern auch der sich selbst als überwichtig erachtenden Moderierenden aufzuregen und derlei unschöne Umstände mit allerhand unnetten, aber amüsanten Kommentaren zu bestücken, bleibt mir resümierend nur, das heutige Wort des Tages zu erwähnen, bei dem es sich ausnahmsweise um eine ganze Wortgruppe handelt, die mich schpon immer störte, mich aber insbesondere im Zusammenhang mit erwähnter Musiksendung negativ berührte:

„… [Hier beliebigen Namen eines pseudoberühmten Deutschlandsternchens einsetzen.] ist die deutsche Antwort auf … [Hier beliebigen Namen einer international anerkannten bekannten Berühmtheit einsetzen.]

zauberwerk

als kostbarkeit dem sinnesgeist
im süßmoment – wie licht – entschlüpft:
ein wandelstern aus innerleuchten
gedenkend jedem augenblick
gefallen sommerregenwarm
aus träumen, die nach innen führten
geboren zitterfunkenhell
im kuß der fernsten wirklichkeit
den nächsten schritt auf wolkend tragend
und weisend jenen wunderweg
durch jenes wirre zauberwerk
das man hier ‚leben‘ nennt.

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[Im Hintergrund: Ashes You Leave – „White Chains“]

Das Wort des Tages 17

Es geschah am gestrigen Tage, daß ich nichtsahnend durch das Institut für Psychologie irrte, versuchend einen Raum bzw dessen Nutzerin ausfindig zu machen, sämtliche Hinweisschilder und -schildchen mit neugierigem Interesse musternd.

Ich bin mir nicht darüber im Klaren, ob die Kapazitäten des Insituts voll ausgeschöpft werden, ob es sich über Studentenmangel beklagt und jeden neuen Psychologiestudenten mit herzlichem Lächeln und unzähligen Dankesworten Willkommen heißt, doch muß ich gestehen, daß ich schon ein wenig verwirrt war, als ich an mehreren Stellen auf das durch Folie geschützte, wegweisende A4-Blatt mit der auffälligen Beschriftung
„Studentenkopierer“
stieß…

Der morgendliche Wurm im Ohr 26

Ich erwache. Der Wecker spielt seine nervtötende Melodie, doch liegt weit genug weg, um nicht erreicht, nicht zur Stille gezwungen werden zu können. Seufzend drehe ich mich auf den Rücken und starre an die Decke.

An die Decke zu starren könnte eine durchaus interessante Beschäftigung sein, wenn man bedenkt, daß die Rauhfasertapete ein steter Quell abwechselnder Muster darstellt. Jedoch ohne Brille sehe ich dort nur Weiß, verschwommenes Weiß.

Ich wollte mich schon zu wundern beginnen, daß irgend etwas in meinem Umfeld nicht stimmte, daß irgend etwas fehlte, als die Baurabeiter zu bohren begannen. ‚Ach ja…‘, stellte ich glücklos fest, während sich die stählerne Maschine lärmintensiv in das Gemäuer fraß. Wieder, wieder und wieder.

Ich weigere mich, mich vorzustellen, wieviele Löcher das Mauerwerk bereits zieren, destabilisieren, wieviel noch vorgesehen sind, weigere mich, mich erneut darüber aufzuregen, daß eine Handvoll zusätzlicher Bauarbeiter den gesamten Bauprozeß beschleunigen und vielleicht sogar irgendwann abschließen würden.

Die Bohrer verstummen. Ich atme auf. Doch auf dem Hof unterhalten sich zwei Frauen, von denen sich keine um das schreiende Kind zu kümmern scheint, das mit immer lauterem Geplärre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken versucht. Meine Aufmerksamkeit hat es – wenn auch unfreiwillig.

Und während ich mich nun doch aus dem Bett erhebe, den Tag anzugehen versuche, bemerke ich zwischen dem von außen hereindringenden Lärm ein Stück guter Musik, einen morgendlichen Ohrwurm in meinm Kopf, der mich zu erfreuen vermag:
System Of A Down mit „Violent Pornography„.

[Im Hintergrund: System Of A Down – „Mezmerize“]

Ruinen

Heißkalte Winde peitschen durch einst prachtvolle Gemäuer, wirbeln den Staub des Gewesenen, des unvergänglich Bebenden, des unbeständig Bestehenden, auf und blasen ihn mir ins Leben, ins Herz, ins Gesicht, bis alle Tausend Augen tränen…

ein flüstern?

blinden blickes brennt ein wille
am ende meiner selbst in fetzen
kein weg und doch ein denken
als wäre ich – noch immer –
am leben.

wenn ich deiner in stille entsinne
im atemzug mein herz verlier
wenn ich vernehme, was flüstert
erlausche, was glimmt
wenn ich entdecke, was wispert
erfinde, was ist.

als wäre der moment
ewig
für mich
geteilt in das los des letzten lächelns
geteilt in die unwegsamkeit meiner fucht
geteilt in das jetzt
das längst verging.

blinden blickes
tief geboren
‚halt mich fest‘ – mein schrei:
dem schweigen längst entwachsen.

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falschgebilde

tränenaugen glimmern schüchtern
bittersehnsucht flackert still
als mein blick den deinen findet
und verstummt zu falschem ich

wortgebilde warten flüsternd
zeilen winden sich im mund
zunge wispert tausend träume
doch verstummt zu leerem klang

zitterfinger schweben träge
zeichnen leben auf die haut
zauberformeln sanfter sinne
doch verstummen starr zu stein

lächeln perlt duch seelenschleier
quetscht sich tapfer in den sturm
führt mein herz zu fernem leuchten
doch verstummt zu falschem bild

als die wirklichkeit dich findet
als dein leib vor mir entsteht
als dein blick den meinen suchend
falschgebilde nur entdeckt.

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