Antwortlose Fragen? 2

Noch eine Frage, die mich beschäftigt – eigentlich schon seit einer geraumen Weile:

Wieviele Quadratmeter Getreide sind notwendig, um ein Brot herzustellen?

Mit dieser Frage belästigte ich schon unzählige Menschen, doch erhielt nie eine Antwort, die anders klang als das übliche „Kommt drauf an…“

Mir ist klar, daß es abhängig ist, welche Getreidesorte man verwendet. Mir ist klar, daß es vom Boden abhängt, vom Wetter, wie gut die Ernte ausfiel und so weiter.
Mir ist klar, daß es davon abhängt, wie groß das Brot ist und was der Bäcker für eine Laune hatte.

Doch wünsche ich keine konkrete Antwort, keine, die vierhudnert Nachkommastellen beinhaltet, sondern nur eine ungefähre:

Braucht man für ein Brot einen, zwei, zehn oder gar Hundert Quadratmeter Weizen/Roggen/wasweißich?

Antwortlose Fragen?

Wie heißt eigentlich das evangelische Gegenstück zu einem Katholik?
Wie heißt ein einzelner Anhänger des evangelischen Glaubens?

Evangelist?
Evangele?

Tatsächlich befragte ich mittlerweile mehrere Freunde und Bekannte, darunter auch diverse evangelistisch Angehauchte, ohne eine zufriedenstellende Antwort zu erhalten, eine Antwort, die keinerlei Unsicherheit in sich barg, keinerlei Wunsch, lieber noch einmal irgendwo nachzusehen.

Ich befürchte ja, daß „Evangele“ richtig ist, obgleich ich der Ansicht bin, daß dieses Wort furchtbar klingt.

Doch glaube ich nicht, der erste zu sein, den diese Frage beschäftigt.
Irgendwo muß es eine Antwort geben…

Neue Wähler braucht das Land

Vielleicht wäre es das Einfachste, man ließe nur noch die Besitzer einigermaßen einflußreicher Medienunternehmen als Wähler zu. Dann sparte die Regierung eine Menge Aufwand mit Wahlbüros und Wahlzetteln, und die entprechenden Unternehmen könnten darauf verzichten, das Volk mit manipulativen Beiträgen in eine bestimmte Gesinnungsrichtung zu drängen.

grau

grau grau und grau. ein grauer brei. tage, stunden, wochen. grau. zuweilen ein blitz. erhellend. erhellt mein leben. zerreißend. zerreißt das grau. zerreißt mich.

Bahnbrechende Erkenntnis

Die Kinderlieder „Mein Hut, der hat drei Ecken“

Mein Hut, der hat drei Ecken,
drei Ecken hat mein Hut.
Und hätt‘ er nicht drei Ecken,
so wär‘ er nicht mein Hut!

und „Ein Mops kam in die Küche“

Ein Mops kam in die Küche
und stahl dem Koch ein Ei,
da nahm der Koch den Löffel
und schlug den Mops entzwei.

Da kamen viele Möpse
und gruben ihm ein Grab.
Und setzten ihm ein`Grabstein,
worauf geschrieben stand:

Ein Mops kam in die Küche…

haben dieselbe Melodie.

glauben

Erstaunlich, daß das Wort glauben sowohl Unsicherheit als auch Sicherheit zugleich auszudrücken vermag.

Denn benutzt man glauben mit Dativ, teilt man also mit, wem man glaubt, strahlt man Sicherheit und Zuversicht aus. Jegliche Ungewißheit weicht.

Ähnlich verhält es sich, wenn man an jemanden glaubt, an Gott, beispielsweise. Die Zweifel werden reduziert, minimiert.

Beginnt man aber einen Satz mit diesem Verb und einem darauf folgenden Nebensatz [„Ich glaube, daß …“], vermag man unkompliziert seine Unsicherheiten zusammenzufassen und auf ein Wort zu reduzieren – egal, woher die Unsicherheiten rühren.

Substantiviert man also das Verb „glauben“ zu „der Glaube“, so erscheint mir keineswegs gegeben, daß der Glaube eine Sicherheit ausdrückt, die unzerstörbar ist.

Den Glauben zu vernichten, soll angeblich schwierig sein.
Das bezweifle ich, steckt doch in diesem winzigen Wort nicht nur Sicherheit, nicht nur Zuversicht, sondern auch Unsicherheit, Zweifel.

Es ist, als hätte man versucht, aus Morast und Stein ein festes Haus zu bauen…

Das Wort des Tages 20

Das heutige Wort des Tages erfand ich schon vor einer kleinen Weile. Doch als ich vorhin darauf stieß, war ich von meiner Erfindung so begeistert, daß ich es gleich in diese Rubrik aufnehmen mußte.

Es gab also einen Tag, an dem ich meine Existenz nicht sondelrich gutheißen konnte, sie beschimpfte als „Drecks-Existenz“. Noch bevor ich das Wort ausgesprochen oder niedergschrieben hatte, verknüpfte ich es zu einem Neologismus.

Das Wort des heutigen Tages lautet also
Drecksistenz.

Es gewittert.

Es gewittert.

Ich weiß nicht, ob es gestattet ist, dieses Verb in Benutzung zu ziehen, doch weiß, daß es mir gefällt – sowohl das Verb als auch dessen Inhalt. Ich liebe es, wenn der grummelnde Donner durch die Wolken rollt, grelle Blitze vor sich her treibt, wenn der Himmel zerreißt, für Sekundenbruchteile von weißen Fäden beleuchtet wird, wenn Menschen die Straßen verlassen, fliehend Schutz suchen, als gälte es, unbezwingbaren Urgewalten zu entkommen. Ich liebe es, allein auf dem Asphalt zu stehen, auf vereinsamten Plätzen darauf zu warten, daß der Regen fällt, daß die schweren Wolken sich entladen, sich befreien.

Menschenmünder, die eben noch über die schwüle Hitze schimpften, die angewidert ihre eigenen Schweißgerinnsel abwischten, verstummen für einen Augenblick, zucken zusammen, als unmittelbar auf den Blitz ein überwältigendes Donnern folgt. Regen klatscht machtvoll an die geschlossenen Fenster, und die Münder öffnen sich wieder: „Scheiß Regen! Ich hasse Gewitter!“

Ich gehe raus. Der Altkleidersack wartet seit mehreren Tagen darauf, heruntergebracht zu werden. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen: Es gewittert.

Mich stört es nicht, naß zu werden. Ich freue mich darüber, freue mich, mit durchweichten Klamotten im Regen zu stehen und nicht nässer werden zu können. Über mir grummelt es noch immer.

„Auf dem Weg zum Müllcontainer vom Blitz getroffen!“
Die Schlagzeile des morgigen Tages. Zack! Ein Blitz erwischte mich direkt vor dem Altkleidercontainer. 50 Meter Fußweg – und auf ihnen lauerte der Tod.
Der Gedanke amüsiert mich.

„Er wollte nur seine alten Klamotten entsorgen und das Gewitter erleben.“, würde es heißen, „Er liebte Gewitter, hatte seinen Mitbewohnern begeistert davon vorgeschwärmt. Gerade wollte er den Müllsack in den Container werfen, als der tödliche Blitz auf ihn herabzuckte. Er hatte keine Chance. Sein Herz setzte innerhalb von Sekundenbruchteilen aus. Als der Rettungswagen eintraf, schwelte der Altkleidersack in seiner Hand noch immer vor sich hin …“

Sie und ich

Vielleicht ist diese Beziehung eine befremdliche, eine unmögliche. Vielleicht sind aber Beziehungen stets das Gegenteil von einfach, stets verworren, für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Vielleicht.

Ich versuche mir darüber klar zu werden, wer ich bin, was ich will, was ich empfinde, ja auch, was sie empfindet. Die Antwort auf die letzte Frage ist vielleicht die schwerste. Vielleicht auch die einfachste, bedenkt man, daß ich nach mehr als zwei Jahren noch immer nicht imstande zu sein scheine, Antworten zu finden, mir Antworten zu geben, mir selbst zuzugeben, was ist.

Dabei kann es nicht allzu schwierig sein, das Gegenwärtige auszudrücken. Ich liebe sie. Sie liebt mich nicht. Vermutlich. Ich weiß es nicht, will es mir nicht eingestehen.

Und damit beginnt die Misere. ‚Vielleicht…‘ denke ich, immer wieder, und hoffe.
„Die Hoffnung ist mein Untergang.“, schrieb ich einst und glaube es noch immer. Hoffnung birgt Trost, doch auch Unmengen von Schmerz.

Ich versuche, mich zu verstehen, zu erfassen, was ich fühle.

Manchmal zweifle ich an mir, an meiner Liebe zu ihr. Dann wieder scheint alles klar, einfach, gesichert: Ich liebe sie, tiefer und inniger denn je. Zuweilen bedarf es nur eines Blickes, eines Wortes, und ich weiß, was ich empfinde, fange mich selbst mit meiner Liebe, sperre mich in einen Käfig aus Unerreichbarkeit.

Unerreichbarkeit? Ja, Unerreichbarkeit. Denn ich kann sie nicht erreichen. Sie weiß, weiß um meine Gefühle, um meine Liebe, kann sie nicht ignorieren – und schafft es doch. Ich weiß nicht, ob es ihr schmerzt. Wenn ja, tut es mir leid, ist es doch nicht mein Wunsch, ihr Schmerz zuzufügen. Wort für Wort, Blick für Blick, reihe ich aneinander, doch erreiche sie nicht.

‚Vielleicht ja doch.‘, denke ich und hoffe schon wieder.

Unerreichbarkeit gilt aber auch in umgekehrtem Sinne. Ich will nicht erreicht werden, unsichtbar sein, nur für sie existieren. Sicherlich, das ist dumm und weltfremd. Zuweilen unterbreche ich mich, um zu leben. Doch immer wieder flüchte ich aus dem Dasein und suhle mich in meiner Liebe, die Schmerz und Trost heißt, die Sehnsucht und Verzweiflung birgt.

Ja, ich liebe sie. Es ist einfach, das zu denken, zu schreiben. Doch ich kann es ihr nicht sagen. Ich will nicht ihre Tränen sehen, nicht ihre Verzweiflung. Und erst recht will ich nichts von der Unmöglichkeit hören, will ich nicht meine Hoffnungen begraben wissen.

Denn ich weiß, daß da etwas ist. Vielleicht ist es keine Liebe, doch ist es mehr als nur schlichte Freundschaft, mehr als nur ein Einanderkennen und -mögen. Und ich kralle mich an den Gedanken, daß dieses „mehr“ vielleicht wachsen wird, vielleicht zurückkehren kann zu der Liebe, die es einst hätte sein sollen.

Die Beziehung hat vor mehr als zwei Jahren ihr Ende gefunden. Ist beendet worden. Von ihr. Nach nur drei Monaten.

Vielleicht, wahrscheinlich, hatten wir einander nur zu einem falschen Zeitpunkt gefunden. Vielleicht, wahrscheinlich, waren äußere Faktoren nicht unschuldig an der Trennung. Vielleicht lebten wir auch ein Mißverständnis. Vielleicht.

Ich glaube, daß es vorbei ist, was immer es genau war, was immer uns damals auseinanderzerrte [Denn mit Sicherheit gab es keinen präzise zu beziffernden, einzelnen Punkt, der alle Schuld auf sich laden konnte.]. Ich glaube, daß es jetzt funktionieren würde. Mit uns. Noch einmal. Doch dieses Mal „mehr“. „Richtig“. Länger.

Und an diesem Glauben, an dieser Hoffnung halte ich fest. Vielleicht warte ich tatsächlich auf sie. Vielleicht.
Warum auch nicht? Sie ist es wert. Dessen bin, war ich mir stets sicher.

Doch ich erreiche sie nicht. Sie sieht mit nicht, will mich nicht sehen, stöbert durch die Welt und findet. Vielleicht nicht das, was sie sucht, doch Trost, Halt, Wärme, Nähe, das Gefühl, zuweilen geliebt zu werden, ausreichenden Ersatz für mich. Ich weiß noch nicht einmal, ob sie jemals mit den Gedanken spielte zurückzukehren, weiß nicht, was sie wirklich für mich empfindet, weiß nicht, ob sie jenes „mehr“ auch verspürt oder einfach nur Freundin zu sein glaubt, einfach nur jemand, der mich kennt, schätzt und versteht.

Sie versteht mich. Vielleicht ist es das. Nur drei Monate waren ausreichend, um mich geborgen, verstanden zu fühlen wie noch nie, um zu wissen, daß sie vielleicht die Ewigkeit für mich bedeuten konnte, daß sie mich vielleicht mehr begriff, als ich es je könnte.

Die Frage, die bleibt, ist die, was sie empfindet, was sie von mir hält. Es ist immer das gleiche Spiel: Was denkt sie? Was geht in ihrem kopf, ihrem Herzen vor? Was bedeute ich ihr? Was sieht sie in mir?

Und diese Fragen sind wichtig, bergen sie doch die Antwort auf alles weitere. Wenn ich ihr nichts geben könnte, wenn ich sie nur ausnutzte, aussaugte, ihr kein Leuchten, keinen Gewinn brächte, würde sie mich wohl meiden, würde sie sich niemals derart in meine Nähe begeben, wie sie es noch immer tut.

Ich bedeute ihr etwas. Doch was? Warum betrübt es sie, wenn ich sie „vergessen“, vernachlässigt zu haben scheine? Warum betrübt es sie, als wäre meine Liebe die Basis unserer Beziehung, unserer „Freundschaft“? Geht sie davon aus, daß meine Liebe ewig verweilen wird, auf sie wartet, sonnt sie sich im Glanz meiner Gefühle? Genießt sie vielleicht mein Sehnen und denkt hin und wieder daran zurückzukehren, Träume zu erfüllen, die unerfüllbar zu sein scheinen?

Doch warum kommt sie dann nicht zurück? Warum weilt sie dann in der Ferne, in fremden Armen, die ihr – trotz allem – nicht ausreichen, nicht all das geben können, was sie ersehnt?

Kann ich es? Vielleicht. Ich weiß es nicht. Wie könnte ich?

Doch tatsächlich bin ich mir ziemlich sicher. Ich weiß, was ich anders, besser, machen würde, könnte, daß Eigenschaften in mir wohnen, die sie ersehnt. Ich weiß, daß ich sie liebe, daß ich es ihr mit jedem Lidschlag, mit jedem Atemzug, zeigen würde.

Zwei Jahre sind eine lange Zeit. Sie hätte längst zurückkommen können, sollen. Warum tat sie es nicht? Warum? Sinkt nicht mit jedem vergehenden Tag die Wahrscheinlichkeit, daß sie zurückkehrt? Ich weiß es nicht. Ich weiß es mal wieder nicht.

Warum sollte sie nicht – ebenso wie ich zu Kurzschlußhandlungen neigend – eines Tages spontan feststellen, daß ab nun ich, nur ich, der Richtige, der Einzige, ihre wahre Liebe, sei? Warum nicht? Die Welt ist wirr und albern.

Vielleicht sollte ich mich „bessern“. Bodenständiger werden. Nur abhängig von mir selber, mich stärken, Willen und Körper. Voranschreiten, eigene Wege schaffen. Vielleicht sollte ich in meinem Leben weitergehen, aufsteigen und der Welt zeigen, daß ich es schaffe, daß ich es kann, daß ich bin, was ich bin, daß ich mag, wie ich bin, meinen Unsicherheiten begegnend, mich meinen Ängsten stellend. Vielleicht.

Vielleicht wäre ich dann attraktiver, anziehender, nicht mehr der kleine Junge, dessen einziger Sinn im Leben die Liebe zu sein scheint. Vielleicht wäre ich dann weniger anhänglich, weniger sehnend. Vielleicht.

Vielleicht wäre ich mir dann aber fremd, ein anderer, vielleicht auch ihr fremd, noch ferner. Wer weiß.

Vielleicht sollte ich mich lösen. Vielleicht hätte ich mich längst lösen sollen. Ich versuchte es. Durchaus. Damals war es zu früh. Heute wäre ich dazu bereit. Glaube ich.

Kann man zwei Menschen lieben? Ja, durchaus. Ich bin mir sicher.

Die Situation ist also nicht ausweglos. Nur unendlich verworren.

Ich wüßte nicht, was ich ohne sie täte. Allein der Gedanke, sie irgendwann nicht mehr sehen, nicht mehr mit ihr reden zu können, schmerzt. Ich verdränge ihn, vergesse ihn. Warum soll ich mir Schmerz aufbürden, der nicht zu vergehen vermag?

Ist meine Liebe zu ihr vergänglich? Ich weiß es nicht. Vielleicht. Bisher verging sie nicht. Ich will es nicht wissen. Erst recht vermag ich nicht zu vergleichen. Liebe ich sie mehr/weniger als „damals“? Ich weiß es nicht.

Kann man, kann ich, zwei Menschen lieben? Könnte ich einem Wesen in meinem Herz so viel Platz schaffen, daß ich nicht ständig sehnsüchtig ihr hinterhersehne, die mich längst verließ? Vielleicht. Wahrscheinlich. Ja.

Und was wäre dann mit ihr? Wie empfände sie? Freute sie sich? Weil ich endlich aufhörte, sie mit meiner Liebe zu belasten? Freute sie sich für mich, weil ich es endlich „geschafft“ zu haben scheine? Letzteres ist wahrscheinlich.
Wäre sie betrübt, weil ich nun für sie verloren wäre, weil nun nicht länger all meine Liebe ihr gelten würde? Vielleicht.

Die Schwierigkeit meiner Situation liegt nicht in ihrer Unklärbarkeit, sondern in ihrere Stagnation. In freien Augenblicken denke ich nach, sinniere, stürze mich in Hoffnung, in Licht und Leid. Ich vermag keine Antworten zu finden. Vermutlich wüßte auch sie keine.

Und so verbleibt mir nichts weiter, als Schritt für Schritt der Zukunft entgegenzuschlendern, als hielte sie Gutes bereit, als klärte sich mein Fühlen, meine Liebe, in künftigen Tagen, als wäre die Liebe in mir nicht vergebens.