„Bei dir habe ich immer das Gefühl, ich spreche gegen Wände.“
„Wenn man sonst Selbstgespräche führt, sind doch Wände mal eine gelungene Abwechslung…“
Wieder was gelernt
Das Auge ist eine optische Senke.
umarmung
schließ mit wildem kuß
die augen
tilg mit leben
meinen blick
entgleite schwebend
meinen ängsten
träume fangen dich
ins licht
als die blicke dich ersuchten
als die sehnsucht
dich erfand
schließ mit süßem kuß
die augen
senk dein antlitz
in mein herz.
Straßenbahnerlebnisse 5
Als ich heute zur Mensa fuhr, stiegen zwei Punks hinzu. Einer von ihnen blockierte die Tür, so daß noch drei weitere von ihnen und ebensoviele Riesenhunde die Möglichkeit bekamen, hinterhereilend einzusteigen. Sie trugen die üblichen zerrissenen, verwaschenen Klamotten, Handschellen und Nietengürtel, stanken nach Bier und Schweiß. Die einzige Frau unter ihnen war mit nicht viel mehr als einem Schlüpfer [Ich liebe dieses Wort – es klingt unglaublich eklig.], Strapsen und einem rissigen Top bekleidet, was in Anbetracht der erstaunlich niedrigen Temperaturen etwas unpassend zu sein schien.
Sie plazierten sich wenige Sitze entfernt von mir, fragten nur einmal nach einem Taschentuch, belästigten ansonsten niemanden. Zwei ältere Frauen stiegen in die Bahn, unterhielten sich:
„Hast du die Frau gesehen?“ [flüsternd]
„Nee.“
„Wie die gekleidet war…“ [Kopfschütteln]
„Ich wäre ja allein hier nicht eingestiegen.“
„Nicht?“
„Nee, da hätte ich Angst gehabt.“
„Naja, ich hab die zu spät gesehen…“
Die Punks machten wirklich nicht den freundlichsten Eindruck, aber ich glaube auch nicht, daß sie den vermitteln wollten. Doch beängstigend waren sie keinesfalls. Sie stanken nur und lärmten ein wenig, unterhielten sich über abzuleistende Arbeitsstunden, die noch auf sie warteten, lachten grob und tranken Bier.
Einem von ihnen schien es nicht sonderlich gut zu gehen. Immer wieder hörte man unappetitliche Würgegeräusche, die mich dazu bewogen, nicht genauer hinsehen zu wollen.
Die Punkerin jedoch betrachtete ihn und meinte dann mit krächzender Stimme:
„Hey, du kotzt ja wie ein Anfänger!“
Für einen Moment überlegte ich, ob ich mich in einer freien Minute mal intensiver verschiedenen Kotzübungen widmen sollte…
Straßenbahnerlebnisse 4
Mein Mitbewohner erzählt:
Eines Tages saß er in einer Straßenbahn. Diese hatte bereit ein paar Augenblicke an der Haltestelle gewartet, als drei Kinder angerannt kamen, jeweils mit einem Eis in der Hand. Als sie einsteigen wollten, deutete ihnen der Straßenbahnfahrer, daß sie mit dem Eis nicht in die Bahn hineingelassen werden würden. Verdutzt schauten sich die Kinder an, zögerten kurz, warfen dann ihr Eis vor sich auf den Gehweg und drückten hastig den Türöffnerknopf. Doch zu spät; die Bahn fuhr an und hinterließ drei verblüffte Kinder. Sprachlos standen sie inmitten ihrer zermatschten Eistüten und starrten der verpaßten Straßenbahn hinterher.
Akustische Blicke
Was ist eigentlich das akustische Äquivalent eines Blicks?
Wenn ich irgendwohin schaue, sehe, etwas betrachte, dann richte ich meine Blicke dorthin, auf das Objekt. Doch Blicke existieren nicht wirklich, strahlt doch nichts aus den eigenen Augen heraus. [Oder doch?]
Ich glaube gelernt zu haben, daß das menschliche Auge einfallendes Licht auffängt und „verarbeitet“. Werden also in Comics Blicke mit gestrichelten Linien angedeutet, müßten die Pfeile an den Strichlinienenden, so man geneigt ist, welche hinzuzeichnen, nicht – wie im ersten Augenblick logisch erscheint – auf das Objekt gerichtet sein, sondern von diesem wegzeigen, hin zu den Augen, dem wahrnehmenden Organ.
Worauf ich hinauswollte: Das Wort „Blick“ impliziert, daß von den Augen ausgehend auf ein Objekt irgend etwas „gestrahlt“ wird.
Beim Hören, wissen wir, trifft das nicht zu. Denn die Schallwellen erreichen die Ohrmuschel, dringen ein, produzieren Bewegungen des Trommelfells usw. Wenn man also hört [oder riecht], „strahlt“ nichts vom eigenen Körper weg auf das Objekt.
Trotzdem suche ich ein akustisches/olfaktorisches Äquivalent für „Blick“. Denn schließlich gibt es den Blick im eigentlichen Sinne ja auch nicht. Er entsprang sicherlich irgendeiner menschlichen Vorstellung. Warum sollte es dann nicht auch etwas derartiges für Nase und Ohren geben?
Ich bin für Vorschläge offen.
zwischen den zeiten
zwischen allen zeiten
wie ein schlüpfrig süßer wind
heimlich
flink
hindurchzugleiten
die eigene arme
wie flügel
wie schwingen
wie lächelnde grüße
auszubreiten
umrankend
was des lebens ist
umarmend
was im herze glimmt
das eigenwohlsein zu begleiten
als wäre dies der erste tag
die letzte aller einsamkeiten.
Hypothese
Ich nehme mir mal die Frechheit heraus, eine Hypothese zu fomulieren:
Weblogeinträge, die schon mit Kommentaren versehen sind, werden häufiger kommentiert.
Das scheint im ersten Moment wenig sinnvoll zu sein, insbesondere da ich es nicht unbedingt statistisch untermauern kann. Doch ich glaube recht zu haben, glaube, diesbezügliches Verhalten in meinem eigenen Weblog beobachten zu können.
Begründen ließe sich derlei Verhalten recht einfach:
Wo ein Text steht, der kommentiert wurde, stehen im Grunde mehrere Texte, auf die man Bezug nehmen kann, weswegen die Kommentargebwahrscheinlichkeit eindeutig erhöht wurde. Möglicherweise sorgen aber auch häufig kommentierte Einträge für Neugierde, lenken eher die Blicke der Lesenden auf sich. Immer nach dem Motto: „Was andere gutgefunden haben, kann doch eigentlich nicht schlecht sein.“
Hinzu kommt, daß der Weblog-Autor ja die Möglichkeit hat, sowohl auf seinen eigenen Text als auch auf die Kommentare Bezug zu nehmen, weswegen so etwas wie ein Dialog entsehen kann, der die Kommentarzahlen deutlich erhöht.
Trotzdem würde ich gerne wissen, ob obige Hypothese sich nur in meiner Phantasie bewahrheitet, oder ob ich gar ein allgemein gültiges Gesetz erfand bzw. wiedererfand.
Wenn die Gültigkeit der Hypothese unumstritten wäre, könnte man als publikums- und vor allem kommentarheischender Schreiber sich dazu herablassen, unter falschen Pseudonymen [gibt es eigentlich „richtige“ Pseudonyme] den Text mit lobenden oder kritischen Worten zu bestücken. Das ergäbe sicherlich nicht mehr Sinn als ein Selbstgespräch, doch würde womöglich diejenigen anlocken, die nur das kommentieren, was schon mehrfach kommentiert wurde…
Das Wort des Tages 13
Das Wort des heutigen Tages sei
sinnlos.
Innerhalb der vier Stunden, die ich heute sinnloserweise in der Bibliothek rumsaß, um mich mit meiner Mitbewohnerin zu unterhalten, fiel das Wort dermaßen oft, daß es einfach zum „Wort des Tages“ gekürt werden muß.
Es ist erstaunlich, wieviele Dinge in unserem Dasein das Attribut „sinnlos“ verdienen..
Das Wort des Tages 12
Das Wort des gestrigen bzw. eigentlich des vorgestrigen Tages dürfte
Nachgeburtstag
gewesen sein.
Eigentlich sollte es den Tag benennen, an dem ein Geburtstag nachträglich zelebriert wird.
Doch wenn der „Geburtstag“ der Tag der eigenen Geburt ist, stellt der „Nachgeburtstag“ logischerweise den Tag der Nachgeburt dar.
Ob man diesen jedoch feiern sollte, wage ich zu bezweifeln.
P.S.: Es ist üblich zu sagen: „Zieh dich warm an.“, wenn draußen eisige Temperaturen herrschen und Winterwinde durch die schneebedeckten Gassen pfeifen. Doch erstaunlicherweise gibt es kein frühlingshaftes oder sommerliches Äquivalent.
Man sagt nicht: „Zieh dich kalt an.“
bzw, in abgeschwächter Variante: „Zieh dich kühl an.“, „Zieh dich frisch an.“
Warum nicht?