Monat: Juli 2006
FFFfF: Eis
FFFfF: Gehört
Das ist wieder einer dieser Comics, deren Titel etwas über meine eindrucksvolle Fähigkeit aussagt, Dingen namen zu vergeben. Ich fühle mich ein wenig an Terry Pratchetts Leonardo da Quirm erinnert, der seine Erfindungen stets Gerät-mit-schnell -drehendem-Propeller-zur-vertikeln-Fortbewegung oder ähnlich nennt.
Nun ja.
Originale
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß jede größere Stadt ihre Originale hat. In Kleinstädten und Dörfern ist es ohnehin üblich, daß jeder jeden kennt, daß also über jeden einzelnen Geschichten und Gerüchte im Umlauf sind, deren Wahrheitsgehalt mitunter vernachlässigbar gering ausfällt.
In größeren Städten dagegen greift die Anonymität um sich. Ich weiß tatsächlich nicht, wer die beiden anderen Wohnungen auf meiner Etage behaust bzw ob dort überhaupt jemand einzog. Dementsprechend wenig vermag ich über Peter Schmidt zu sagen, der mir am McDonalds zum ersten und einzigen Mal begegnet – ohne daß ich ihn überhaupt bemerke, geschweige denn seinen Namen und die über ihn kursierenden Absurditäten kenne.
Doch es gibt Menschen, die jeder kennt, der ausreichend lange eine Stadt bewohnt; ich nenne sie Originale, obgleich ich nicht weiß, wer sie kopieren wollen würde. Denn ihre Schicksale sind nicht selten abstrus und sonderbar, zuweilen gar traurig – zumindest wenn man den Gerüchten Glauben schenkt.
In Halle (Saale) gab es den Klatscher. Insbesondere in Halle-Neustadt bekannt wußte doch kaum jemand, wer oder wie alt er wirklich war. 18 Jahre vielleicht. Oder zwanzig.
Er lächelte immer, und immer bewegte er sich im Hopserlauf fort. Hin und wieder klatschte er ausgelassen in die Hände, zuweilen gar rhythmisch. Und wenn er besonders guter Laune war, jauchzte er kurz. „Wuh!“, tönte es dann zwischen den Plattenbauten hindurch.
Der Klatscher trug immer gute Klamotten, war gepflegt, hatte – wie meine Großeltern wußten – sorgende, liebende Eltern. Diese sah ich nie.
Der Klatscher ließ mich immer lächeln. Seine gute Laune war ansteckend. Und doch zündete er Mülltonnen an. Es dauerte eine Weile, bis man herausfand, daß er es war, und als es soweit war, wollte es keiner glauben.
Unser Klatscher?, fragten die Leute. Niemals!
Irgendwann beging der Klatscher Selbstmord. Ich weiß nichts Genaueres, doch hin und wieder entsinne ich mich seines erheiternden Hopserlaufs.
Ein weiteres Hallenser Original ist der Schreier. Der Schreier ist ein älterer Mann, vielleicht fünfzig, der immer mit Anzug und Krawatte umherläuft. Doch benimmt er sich seltsamerweise nicht seinem Äußeren entsprechend.
Er schreit. Na gut, er schimpft. Er redet laut. Mitten auf dem Marktplatz, vor Kaufhof oder dem Rathaus steht er und füllt seine Umgebung mit wüsten Beleidigungen, mit extremen Beschimpfungen. Es ist schwer zu verstehen, wen er beleidigt, doch es sind nicht die Passanten.
Angeblich mußte er einst zusehen, wie seine Frau und seine Kinder bei einem Hausbrand in den Flammen ums Leben kamen. Dieser Anblick raubte ihm die Sinne und führte zu seinem derzeitigen Verhalten.
Ich weiß nicht, inwieweit man dieser Geschichte Glauben schenken darf und hoffe, daß es sich nicht so verhielt.
In den letzten Tagen begegnete ich hin und wieder dem bekanntesten Magdeburger Original: Fidel Castro. Ein älterer Mann mit Rauschebart, der bevorzugt in Armeeklamotten, mit Armeerucksack, unterwegs ist. Er gesellt sich zu den Trinkern am Bahnhof ebenso wie zu den Punks. Selbst in glühender Hitze trägt er seine Armeeweste, die allerdings zuweilen in Beigetönen gehalten ist. Niemals sah ich ihn ohne sein Army-Cap.
Sein Gesicht besteht nur aus dem grausweißen Bart, der wohl zu seiner Namensgebung beitrug. Vorhin saß er auf einer Bank im Schatten, zusammen mit ein paar Punks, die ihn einem älteren Ehepaar vorstellten, das sich eigentlich nur ausruhen wollte: „Das hier ist Fidel Castro.“ Leider konnte ich deren Gesichter nicht sehen.
Fidel Castro ist erstaunlicherweise überall beliebt und willkommen. In seiner Nähe wird getrunken und diskutiert, und mehr als einmal hörte ich davon, daß jemand intelligente Gespräche mit ihm führte. Ich beobachtete, wie er in einem Jugendclub freudig begrüßt wurde, obgleich er den Altersdurchschnitt nicht unwesentlich hob.
Ich redete noch nie mit ihm, doch bezweifle nicht, daß Fidel – wie ihn alle nennen – ein Mensch ist, den kennenzulernen sich lohnen würde. Allerdings nicht im Umfeld von betrunkenen Punks.
Vielleicht weniger stadtbekannt, dennoch aber relaitv häufig zu beobachten ist der Bildleser. Mein Freundeskreis taufte ihn so, weil er – man glaubt es kaum – Bild liest. Immer.
Er ist ein kleiner Mann, vielleicht 1,50 Meter groß, und verfügt über eine beschauliche Halbglatze, die eigentlich nur noch aus einem Haarkranz besteht. Typisch für sein Äußeres ist eine dicke Hornbrille mit Aschenbechergläsern. Einmal sah ich ihn ohne diese Sehhilfe, und er wirkte hilflos, fast blind.
Man begegnet ihm nur in der Straßenbahn. Kaum hat er einen Sitzplatz gefunden, klappt er seinen Aktenkoffer auf und entnimmt ihm eine Bildzeitung, die er gewissenhaft entfaltet und genauestens studiert. Niemals sah ich jemanden mit ihm reden – noch nicht einmal Fahrkartenkontrolleure.
Unlängst fragte ich mich nach längerer Nichtsichtung, ob es ihn denn noch gäbe. Nur wenige Tage darauf sah ich ihn, in altbekannter Haltung mit der Bildzeitung auf seinem Schoß.
Die Welt war noch in Ordnung.
Mir fallen noch mehr Gestalten ein. Der dicke Fahrkartenkontrolleur beispielsweise bzw seine Begleiterin, die „Mutti“. Oder den Bettler in Halle, von dem gesagt wird, er sei eigentlich weiblich – und ich frage mich bei jeder Begegnung, ob das stimmen kann. Oder den Fliegenmann, der modebewußt – meist in Schwarz – und glatzköpfig durch Stadtfeld wandelt, nicht selten bestückt mit einer weißen Fliege…
Doch wie sieht es mit Originalen in eurer Stadt aus. Gibt es welche, und was macht sie aus?
[Im Hintergrund: Grabnebelfürsten – „Von Schemen und Trugbildern“]
FFFfF: Langweilig
Gestern war ich erstmals in diesem Sommer baden. Dieses „erstmals“ zählt sogar, wenn man die Badewanne mitzählt, die ohnehin recht selten genutzt wird.
Das Wasser war warm, und sowohl Sonnenintensität als auch die menschliche Ausstattung des Umfelds waren annehmbar. Das ist der Vorteil, wenn man in den Abendstunden baden geht.
Und natürlich lag ich nicht auf meienr faulen Haut, sondern zeichnete, darauf bedacht, daß mein tropfendes Haar nicht meine Linien versaut. [Das reimt sich. Juchhu!]
Und so.

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[Im Hintergrund: Gojira – „From Mars To Sirius“]
FFFfF: Ein Zeichen
Es ist warm. Soviel habe ich auch begriffen. Allerdings gehöre ich nicht zu den Leuten, die das unbedingt erwähnen müssen, die die Hitze immer wieder in die Gesprächsthematik einbauen und sich darüber beschweren, wieviel sie schwitzen würden.
Ich schwitze auch. Wenn ich mal wieder nach der Straßenbahn rannte und sich der Schweiß zu Tropfen formt, nehme ich mir ein Taschentuch und wische ihn weg. Meine schwarze Kleidung sorgt auch nicht unbedingt für Sonnenreflektion.
Doch es ist mir egal. Ich akzeptiere die Wärme, die Hitze, den Schweiß. Aber ich habe nicht das Bedürfnis, jedem davon zu erzählen [außer natürlich in diesem Text], ständig zu erwähnen, was offensichtlich ist.
Ja, es ist warm. Ja, ich schwitze auch. Das ist in Ordnung. Fertig.
Und so.
Spontan
„Vielleicht komm ich dich heute noch spontan besuchen.“
„Wann denn?“
Y’know w’t I mean?
„… wenn du verstehst, was ich meine…“
gehört vielleicht zu den verachtenswertesten, weil unnötigsten Halbsätzen, die ich in der letzten Zeit vernahm…
[Im Hintergrund: Dementi – „Für heute reicht’s“]
FFFfF: Warme Luft
Ein derart früher Veröffentlichungszeitpunkt erinnert mich an Anfangstage, in denen ich überhaupt nicht abwarten konnte, daß es endlich Null Uhr sein würde, damit ich den neuesten Comic veröffentlichen und endlich ins Bett gehen konnte.
Naja, und irgendwann hing ich dnan einen Tag hinterher, so daß ich Mühe hatte, es bis Null Uhr, also bis zum Ende des Tages zu schaffen.
Dennoch zeichnete ich jeden Tag [Durchschnittlich] einen Comic. Und dabei wird es noch ne Weile bleiben, denke ich.
Und so.
FFFfF: Pizza
Zwei Sachen fielen mir heute auf:
Zum einen hat mein Mitbewohner recht, wenn er sich fragt, was Zahnpasta mit Pasta zu tun hat. Ich verwende ab sofort konsequent das Wort „Zahncreme“.
Zum anderen bemerkte ich, es zu mögen, wenn ein ruhiger Song das Album einer Band ausklingen läßt. Noch mehr mag ich es allerdings, wenn nach dem ruhigen Song ein weiterer kommt. Asl wäre es ein Bonus-Track.
Und so.

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[Im Hintergrund: My Dying Bride – „Songs Of Darkness Words Of Light“]




