Begegnungen 32: Käfer

Auf einem Grashalm saß ein klitzekleiner Käfer. Ich hätte ihn fast übersehen, doch er lachte so laut, dass ich beinahe vom Fahrrad gefallen wäre. Ich hatte noch nie einen lachenden Käfer gesehen und hielt an.
Der Käfer war klein, blau und schwarze Streifen zogen sich wie willkürlich über seinen winzigen Rücken. Der Käfer lachte, dass der Grashalm wankte, und als ich ihm eine Weile zugehört hatte, begann auch ich zu lachen.
Nach ein paar Minuten hielt er inne, offensichtlich erschöpft, doch immer noch über das ganze Käfergesicht grinsend.
„Warum lachst du denn?“, fragte ich neugierig.
„Weil ich ein Käfer bin.“, sagte der Käfer und gluckste vergnügt.
„Das sehe ich.“, sagte ich verwirrt.
„Nun ja. es ist so.“, begann der Käfer zu erklären. „Ich bin ein Käfer und mag es, ein Käfer zu sein.“
„Ein hübscher Käfer!“, korrigierte ich.
„Danke.“, kicherte der Käfer und fuhr fort. „Leider passiert es häufiger, dass ich unruhig träume, und wenn ich dann erwache, bin ich ein Mensch und heiße Gregor.“
„Wie bitte?“
„Ja.“; nickte der Käfer. „Es ist erst drei oder vier Mal geschehen, doch jedesmal war ich derselbe Gregor, der aufstehen, Zähne putzen und arbeiten gehen musste, der nicht fliegen, nicht herumkrabbeln, ja noch nicht einmal ordentlich lachen konnte. Und dann, am nächsten Morgen, war ich jedesmal wieder der Käfer,der ich bin.“
„Ein hübscher Käfer!“, sagte ich.
„Danke.“, kicherte der Käfer, offensichtlich etwas verlegen.
„Und darum lachst du? Weil du ein Käfer bist?“
„Weil ich ein Käfer bin!“, rief der Käfer vergnügt und begann wieder zu lachen. Sein blauer Rücken funkelte fröhlich.
„Ein hübscher Käfer.“, murmelte ich, stieg auf mein Fahrrad und fuhr zur Arbeit.

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