und wieder begreife ich, daß du blind bist, nicht fähig zu sehen, verstehe, daß meine illusionen mich hinforttrieben, daß ich dachte und dachte, doch niemals an ein ziel gelangte. und doch – war da nicht der moment, bevor ich ging, der augenblick, in dem eine unangenehme stille in der luft hing, als würden wir beide auf etwas warten? hätte ich einfach…? ich kann nicht, konnte nie und werde wohl auch niemals können. zu lange schon kenne ich dich, kann ich hinter deine makse blicken, zu lange, um nicht längst aufgegeben zu haben, um nicht längst erkannt zu haben, daß deine welt meine nur für momente zu berühren imstande ist, daß sie sich dreht, daß sie rotiert und nur hin und wieder, in ergreifend trüben oder außergewöhnlich seligen fetzen gefrorener zeit, innehält und das andere, das ich zu sein glaube, zu erblicken vermag. ich sollte die letzten gedanken töten, den heimlichen wunsch, der nur spinnerei ist, der keine zukunft hat, egal, welchen weg ich wählen, egal welche möglichkeit ich als die meine erachten würde. ich sollte dich sehen als wirkliches wesen, als teil meiner welt, als lichtes objekt, doch zu jedem punkt der zeit unerreichbar fern, auf anderen sphären wandelnd, auf ebenen, die zu erreichen ich nie gewillt sein werde. nicht über mir, nicht unter mir schweifst du durch die universen, sondern irgendwo, irgendwoanders, irgendwo in meiner ferne. meine worte vermögen nicht, dich zu rühren, nicht einmal dich zu erreichen, sind nur hall, leere blasen in der luft, ein schöner klang, des hintergrunds stille verdrängend. ich sollte die augen schließen und endgültig wissen, nicht länger ahnen, nicht länger mir selber in die gedanken reden, nicht länger nur fühlen, sollte erkennen, daß der berg aus möglichkeiten in jeder zukunft ein luftschloß bleiben und zerplatzen wird, sobald sich ein krümel wirklichkeit nähert. der schmerzt sitzt nicht tief, ich verliere nichts, besaß ich doch nicht einen hauch von dir. nur meine gedanken, nur mein denken, das schweigen möge, endlich schweigen…
dürre
meine augen fühlen sich taub an, ausgewrungen, so als hätte ich stunden-, ja vielleicht tagelang ununterbrochen geweint, tränen vergossen wie silbernes blut, als wäre jedes meiner traurigen worte durch die augen in die trübnis der welt geboren. leer und stumm sind sie nun, ihrer kostbaren flüssigkeit, all meiner tränen, beraubt, entsaftet, ausgedörrt.
ich habe nicht geweint.
und doch würde ich gerne gerweint haben, würde gerne weinen, stundenlang, ja vielleicht tagelang.
aber meine augen sind leer und stumm.
(sitz)gelegenheit
ich hatte glück. dein gesicht lugte durch den türspalt und schenkte mir ein lächeln. es war kein stuhl mehr frei. ich hätte aufstehen können, dir meinen platz anbieten, doch hätte dann selber verloren im raum stehen müssen. du zögertest nicht, tratest ein und ließest dich auf meinem schoß nieder. leicht wie eine feder, zart und zerbrechlich.
durch die stoffe unserer kleidung hindurch vermochte ich noch, deine wärme zu spüren. jede kleinste deiner regungen nahm ich wahr. wie du deinen kopf wandtest, um besser sehen zu können, deinen oberkörper wenige zentimeter nach links oder rechts neigtest, wie du dein gewicht verlagertest, um bequemer zu sitzen – ich spürte es. mehr noch, ich spürte, wenn du lachtest, wenn dein leib angenehm auf meine beine drückte, tauchte in den lockenden duft deines körpers, ließ mich von deinen haaren kitzeln.
und doch – ich wagte nichts. dein körper auf meinem, doch berührte ich dich kaum. meine hände suchten halt an den armlehnen des stuhles, mieden deine nähe. mein oberkörper wich von deinem zurück. wie hätte ich es wagen können, dich zu berühren, dich mit vollem bewußtsein, mit genuß, zu berühren? wie hätte ich es wagen können, meine hand auf deine schenkel zu legen, sanft nur, meinen kopf an deinen rücken zu lehnen, mit meinen fingern deine liebevoll zu umschließen? wie hätte ich es wagen können, dich zu umarmen, dich zu halten, dir näher zu sein? wie hätte ich es wagen können…?
ich lächelte leise in mich hinein, als ich die trübe ironie meiner situation erkannte: niemals würde näher bei dir verweilen als in diesen augenblicken – doch war ich nicht imstande, den moment zu nutzen, bis zur vollendung auszukosten.
selbst meine funktion als sitzgelegenheit erfüllte ich nur unzureichend, war zu unbequem für dich. wieder und wieder rücktest du herum, eine andere, bessere, position suchend. ich gebe zu, daß diese bewegungen keineswegs unangenehm für mich waren, gebe zu, daß ich versuchte, wie zufällig meine hand in die nähe deines körpers zu bewegen, über deine kleider streifen zu lassen, gebe zu, daß ich für wenige sekunden meine wange an deinen rücken schmiegte, daß ich dir zärtlich einen kuß auf die schulter hauchte.
irgendwann standest du auf, dir einen tee zu holen, zerbrachst den zauber, den ich mir ersponnen hatte, ließest mich zurück als leeres, unbemerktes möbelstück, dir verträumt hinterhersinnend.
was wäre gewesen, wenn…?
treibgut
vielleicht ist es das fehlen von licht, das fehlen eines halts, das mich willenlos, planlos, durch das weltgefüge treiben läßt.
bedenke ich frühere zeiten, so war in jeder noch so trüben stunde stets ein leuchten, eine flackernde kerze in meinem geiste vorhanden, deren glanz noch so illusorisch, deren wärme noch so sehr erträumt sein konnte – sie gab mir kraft, sie gab mir hoffnung. ich krallte mich an gedanken, die schöner waren als die wirklichkeit, schöpfte aus diesen glauben und den mut, weitergehen, weiterleben zu wollen. irgendwie schien es trotz allem immer einen pfad für mich zu geben, an dessen ende die möglichkeit betsand, alles könnte endlich gut werden.
doch nun treibe ich durch die gezeiten und habe zuweilen das gefühl, nichts und niemand könnte mich noch berühren, mich noch erkennen, glaube, mich selbst zu verlieren, planlos und ohne richtung. im meinem kopf herrscht leere. das letzte leuchten ist verschwunden, entwich, ließ nur ödnis zurück.
erinnerungen bemächtigen sich meiner, wieder und wieder, locken ein lächeln aus den abgründen meines herzens hervor, gedenken dem, was war. doch mit ihnen perlt auch das wissen hervor, das schreckliche wissen um die wahrheit, um die tatsache, daß die erinnerungen solche bleiben werden und eine rückkehr unmöglich ist.
vielleicht ist es dieses wissen, das mich dumpf umhertreiben läßt, vielleicht aber auch die gewißheit, daß ich gar nicht zurück möchte, daß ich die vergangenheit als solche zu betrachten wünsche, mich an ihr lächelnd labe, doch sie nicht länger erneut herbeisehne. vielleicht verlor ich mein licht, als ich aufhörte, mich zurückzusehnen.
die zukunft blickt mich an, scheint mir unendlich leer. zwar flüstern aus allen richtungen leise stimmen von möglichkeiten und vielfalt meiner wege, doch vernehme ich nur ein atemloses gebrummel, ein tonloses geräusch, das mich abstumpfen und das kommende vergessen läßt. was sein wird, interessiert mich nicht, interessierte mich noch nie.
nun, da die vergangenheit unerreichbar in meinem bewußtsein verschwand, nur noch glitzernde schatten auf die gegenwart wirft, nun, da die zukunft brach liegt, doch kein schimmern zu offenbaren weiß, nun, da ich mir weder ein rückwärts noch ein vorwärts verbleibt, ward ich gefangen, gefangen in einem moment, aus dem es kein entrinnen gibt.
wie ein roboter schreite ich voran, nehme atemzug um atemzug, schritt für schritt, lebe im wind des derzeitigen, haltlos, seelenlos. mein lächeln gefror, mein blick weist nach unten, zu boden, betrachtet mein starres verharren im jetzt, den vergeblichen versuch, weiterzueilen, aufzublicken, mir selbst zu entfliehen.
vielleicht bedarf es nur eines neuen lichtes, eines neuen halts, um mich von neuem zu bewegen, anzutreiben, mit willen und kräften zu erfüllen, mir ein lächeln zu schenken, das mich wärmt und tröstet, das mich hoffen läßt und glauben, das die liebe in mir erneut entstaubt und mir die augen öffnet für die schönheit meines lebens. vielleicht…
hörfehler
inmitten der wuselnden menschenmassen, welche die mensa befüllten, drang ein merkwürdiges wort an mein ohr:
„hühnerfickersee“
…
runzelfalte
die runzelfalte kehrt zurück
kein fades lächeln treibt sie fort
mein schädel brummt in tiefstem takt
von innen hämmert furcht
ein schritt nach vor, doch drei zurück
das alte spiel – nur lauter
ein schmerz schließt jedes augenlid
und treibt den atem an
ein blablabla kriecht aus dem mund
verhüllt mein furchtgewitter
reglos, weglos, leblos, stumm
ich treib hinab – ins nichts.
in stillsten stunden
in stillsten stunden überkommt mich der wunsch glücklich zu sein. gerne würde ich dem spiegelbild zulachen und dem ihm sagen, daß alles gut ist. gern würde ich die augen schließen und tief in mir drin wissen, daß ich lebe, daß es schön ist zu leben. gern würde ich mich an der pracht meiner lichtwelt laben, mich an ihr berauschen, mich in ihr verlieren.
in lautlosen augenblicken wünsche ich mir einen frischen frühlingswind, der durch geist und kleidung fährt und mich wohlig schaudern läßt. ich wünsche mir einen regen, der die nebel aus meinem schädel löst und mich befreit, meinem herz einen sonnenstrahl abgewinnt. ich wünsche mir, aufstehen zu können und zu wissen, daß jeder weg, den ich zu beschreiten gedenke, der richtige sein wird.
die sehnsucht nach der erfüllung von liebe ergreift, berührt, mich, verzehrt mich süß, zieht mich hinfort, zu mir, zu dir, irgendwohin. ich wünschte mir, ich könnte dein antlitz erkennen, das funkeln in deinen augen erhaschen. gerne würde ich einfach loslassen, alles loslassen, und fallen, in den wilden lüften tanzen, ohne furcht vor dem kommenden, ohne angst vor dem aufprall. ich würde gen himmel springen und die wolken berühren, würde die feder eines engels fangen und in mein haar stecken. ich würde die augen öffnen und wissen, daß dies kein traum ist.
in stillsten stunden möchte ich … leben.
ich kann dich träumen sehen
warum schweige ich nicht? warum flüstere ich worte in die luft, als könnte sie jemand vernehmen? warum atme ich meine gedanken in die welt, als ahnte ich das wesen, das sie irgendwann mit einem sehnsüchtigen lächeln absorbieren wird? warum schweige ich nicht?
warum drängen sich worte in meinen schädel, bilder durch meinen geist, suchen den weg in die ferne, hinaus aus dem gefängnis meines leibes? warum träume ich? warum träume ich noch immer?
ich kann sie leuchten sehen, spüre ihr glitzern in der fremde, fühle meine sucht, mein beben. ich kann mich lächeln sehen, tanzen ob der möglichkeiten, weinen, verzweifeln ob ihrer vergänglichkeit.
ich kann dich lachen hören, meinen gedankentaumel genießend, mit meinen wortwelten spielend, als wären teile meines daseins auch die deinigen. ich kann dich träumen sehen – irgendwo in mir.
danke.
| ein moment voller stille | abgeschiedenheit im geiste | tränen und trüben gedanken hinterherhängend | einsame seufzer gebärend | das eigene verlorensein begreifend | nahezu zelebrierend | im selben moment verlachend | verachtend | die eigene lächerlichkeit mit tränen segnend |
| worte formend | fetzen des geistes | ausgeblutet | ausgelacht | leer und voller tiefe | wirrwarr des eigenwesens | seelenheil, das in der flucht verborgen liegt | die unmöglich scheint | doch trost | doch hoffnung | … |
| und dann … | zeilen | zarte bilder vor müden augen | ein vages lächeln auf meine lippen zerrend | das leuchten suchend | in mir | im ich | im leben | erweckend | beschenkend | …
danke.
was…?
was, wenn sie mir bereits viel zu nah ist, um mich noch zu bemerken, um mein lächeln richtig deuten zu können? was, wenn jedes flüsternde wort aus meinem mund nur eines von vielen zu sein scheint, ein schwall von nettigkeiten, der das bild des netten wesens, des freundes, komplettiert?
was, wenn ich von ihr träume, ahnend, sie wohl nicht lieben zu können, nicht lieben zu wollen, und mich doch nach ihr verzehre, ihren schönen körper bewundernd, ihre augen suchend, ihr lachen atmend? was, wenn jede berührung, jede zärtliche geste, jeder windhauch ihres vorbeischwebenden leibes die unbestimmte sehnsucht nach mehr in mir erweckt?
was, wenn ich begegnungen suche, zufälle plane, sie zuweilen beobachte und mir nur wünsche, ihr näher sein zu können? was, wenn ich sie entdecke, im geist immer wieder erfinde, um nicht mit der enttäuschung der wirklichkeit leben zu müssen?
was, wenn ich kein wort verlieren kann, keine silbe, weil jedes geräusch, jedes geheimnis, die zukunft zerschmettern könnte? was, wenn ich meine hände nach ihr ausstrecke, sie doch niemals zu berühren wage?
was, wenn sie mich sieht, doch nichts bemerkt, nichts begreift, mir ein lächeln schenkt und wieder von mir weicht? was, wenn sie mich erahnt, doch niemals kennen wird, wenn sie mich berührt, ohne zu wissen, wenn sie mich bewegt, doch niemals verweilt?
was, wenn mein geist von gespenstern zu zerplatzen droht, wenn meine spinnereien unkontrollierbare eigenleben führen, mir entweichen, um mich aus der ferne zu verlachen? was, wenn meine arme auf ewig leer bleiben werden…?