nicht länger

hinter staubbedeckten milchglasscheiben
lockt ein trübes zerrbild
ein matter abglanz vom leben.

sonnenstrahlen brechen gewaltsam durch das grau
kleben meinen kalten schatten
leblos an die wand.

in jeder ecke des raumes
lauert vergangenheit.

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tagesendlähmung

welch leidiges tagesende, das mir höhnisch entgegengrinst, meine bewegungslosigkeit verlachend, mich in die arme schließt und mit der trägheit einer stille füllt, die ich stets zu vertreiben suchte.

die anzahl der fluchtmöglichkeiten schwindet mit jeder welkenden minute. ich wäge sinnvolles ab mit dem ewig gleichen, das meinem realen dasein nützende mit dem gedanken, einfach die augen zu schließen und den heutigen tag als vergangenheit zu betrachten.

und doch grämt mich das schweigen, grämt mich das verharren in stille, grämt mich der innerne zwang, aufstehen und einem leben begegnen zu wollen, das nirgendwo dort draußen auf mich wartet.

aber was nützt es, suchend durch die straßen zu wandeln, wenn das gelächter anderer die eigenen ohren nicht zu erreichen vermag, wenn die einsamkeit in altem, gleichem zimmer auf meine rückkehr wartet?

einzig der regen lockt mich, singt sein lied auf trübem glas, nennt meinen unseligen namen…

und während ich noch die möglichkeiten einander gegenüberstelle, mir szenarien erstelle, welche situation welcher wahl folgen wird, während ich bedaure, daß jeder pfad sich irgendwie falsch anzufühlen scheint, verrinnt die zeit, vergeht der tag, naht ein neues morgen.

irgendwoher zaubere ich ein lächeln auf meine lippen und schließe meine augen…

wer weiß, welch schöne dinge meiner harren…

… vielleicht …

… tausend möglichkeiten zu ersinnen, tausend wege zu planen, tausend worte zurechtzulegen – und trotzdem etwas anderes zu erleben, einen anderen pfad zu nehmen, anderes zu sagen …
… jeden moment der zukunft detailliert vorauszuplanen, jede variante einzuschließen – und trotzdem überrascht zu werden …
… nichts zu ersehnen, nichts zu ahnen – und trotzdem angefüllt zu werden mit welten und bildern …
… das dasein auszusperren, sich zu verschließen, die tür zur existenz zuzuschmettern und zu verriegeln – und trotzdem tief im innersten bewegt, erweckt, zu werden …
… die gedanken schweifen zu lassen, zuträumen, wegzusehen, zu vergessen – und trotzdem zum ziel zu gelangen, erinnerungen geschenkt, möglichkeiten dargeboten zu bekommen …
… freundschaft und liebe zu suchen, zu verzweifeln, nichts zu finden – und trotzdem zu entdecken, dort, wo sie nicht erwartet werden …
… in dunkelheit zu schwelgen, sich selbst zu verlieren – und trotzdem immer wieder lichtblicke zu entdecken, das eigene dasein lieben zu können …

… vielleicht ist auch das leben …

der neue tag

eigentlich sollte ich längst in den federn liegen und dem leben frönen, das sich abseits des realen abspielt. eigentlich sollte ich regelmäßig atmend durch traumwelten schweifen und die wirklichkeit weit hinter mir zurücklassen. eigentlich sollte ich den tag, der längst in seinem grabe liegt, mit erde bedecken und der ewigen ruhe der vergangenheit übergeben. eigentlich.

doch längst verlor ich den willen, meien augen zu schließen, harrt doch am ende der nacht, am ende meines schlafes, am ende der träume, das morgen, das unweigerliche grauen des nächsten tages, das zu erleben ich nicht wirklich gewillt bin…

und doch sehne ich das vergessen, die stille in meinem kopf, das lächeln eines traumes.

drum komm, o schlaf, bruder des todes…

zerfurcht

der stirn das bügeleisen stehlend
mein lächeln auf den kopf gedreht
preß ich den saft aus meinen augen
und grab ein loch tief in den geist

die augenblicke mir verbiegend
mit tüchern jedes dort verhüllt
gedanken kriechen aus der feder
die ich dem rabenschwarz entriß

den schritt in eigenmauern lenkend
der irre garten ward zum ziel
ich krieche rückwärts durch den nebel
auf halbem weg
verlor ich mich.

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