Es war einmal

Ich entsinne mich meiner selbst als lieben und zurückhaltenden Jungen, als jemand, der gute Noten heimbrachte, ohne sich um diese bemühen zu müssen, einer, der mit nicht minder netten Menschen befreundet war, kein Interesse an den berauschenden Torheiten hatte, die konsumiert zu haben Jugendliche sich gerne brüsten. Ich entsinne mich meiner selbst als jemanden, der sich ständig für zu jung hielt, der der körperlichen und freigeistigen Entwicklung seiner Mitschüler und Freunde hinterherhing und dies zuweilen bedauerte – und sich noch heute fragt, ob es gut war, erst mit 18 Jahren, mit dem Ende meiner ersten großen Liebe, inmitten meiner Zivildienstzeit, das Gefühl zu erfahren, was es heißt, einen eigenen Weg gehen zu wollen.

Zuweilen vernehme ich Erinnerungen andere, Diskobesuche zu Schulzeiten betreffend, Alkoholräusche und Zigarettenzüge im Kindesalter erwähnend, sie zuweilen verherrlichend, als wäre allein das Auflehnen gegen elterlich-staatliche Bestimmungen Grund genug, nachträglichen Glanz auf eigentlich magenverstimmende Ereignisse zu legen. Und dann frage ich mich, warum ich nicht anders war, warum ich nie einen Bedarf sah, meinen sich entwickelnden Geist zu berauschen, zu „erweitern“, mich mit Qualm zu umwölken, warum ich nicht „sündigen“ wollte, ja noch nicht einmal daran dachte – und warum ich mir dieser Frage erst bewußt wurde, als die übliche Zeit des Probierens längst ungenutzt hinter mir lag.

Ich entsinne mich meiner als braven Jungen, als brillentragender Streber, obgleich es mir fern lag, tatsächlich strebsam zu sein, als spangenverunzierter Hänfling, der sich hinter Büchern verkroch und einst nächtelang Albträume bekam, weil mich ein älterer Junge dabei erwischt hatte, als ich sinnloserweise billigste Vanillezuckertütchen aus der Kaufhalle entwendet und deren eigentlich gar nicht so schmackhaften Inhalt verzehrt hatte.

Natürlich hatte ich Geheimnisse vor meinen Eltern, doch beschränkten diese sich auf Bravo-Magazinen hinter meinem Bett [Ich wußte nicht, ob meine Eltern akzeptieren würden, daß ich zuweilen derartiges las, und sah mich lieber vor – bis zu dem Tag, an dem mich mein Vater liebevoll diesbezüglich ansprach und ich plötzlich keinen Bedarf mehr darin sah, diese alberne Zeitschrift zu erwerben, auch wenn mir so ein Teil der Mitsprache am Pausengespräch verweigert wurde…], auf Schokoladentafeln im Schrank [Irgendwie gab es bei uns immer viel zu wenig Süßigkeiten…], tagebuchartige Schreibversuche und ein oder zwei talentlose Zeichnungen unbekleideter Damen.

Irgendwann besaß ich sogar mal ein Butterfly-Messer, das mein bester Freund stets „Buttermesser“ nannte. Sein eigenes war verhältnismäßig groß und chromglänzend; meines dagegen war eher kleiner, dafür jedoch schwarz [frühe Tendenzen?] – inklusive der Klinge. Wir waren zu jung dafür – eine Waffe mit stehender Klinge durfte man erst ab 18 besitzen – und das bildete den Großteil des Reizes, dieses Messer sein Eigen nennen zu dürfen und vor den Eltern verstecken zu müssen. Nicht minder bedeutsam war jedoch die richtige Technik des Auf- und Einklappens, die mich mehrere Tage begeisterter Übung kostete.
Doch alsbald wurde ich des Messers überdrüssig, als mir bewußt wurde, daß ich niemals, selbst wenn ich überfallen werden würde, willens wäre, die Klinge in den Leib eines anderen zu rammen. Ich verkaufte es, ohne mich des Verlusts meiner Wagemutigkeit zu grämen.

Mit Freunden suchte ich gerne nach sogenannten „Buden“. Das konnten dichte Büsche sein, in deren Inneren wir uns trafen und quatschten oder Süßigkeiten vertilgten, aber auch leerstehende Altbauten, von denen es in unserer Nähe einige gab. Ich entsinne mich einer Bude, in die wir irgendwoher Sessel und Stühle schleppten, um Tage später festzustellen, daß auch andere dieses leerstehende Gebäude – inklusive „unserer“ Möbel – benutzten. Diese anderen, wir dachten, es wären Zigeuner, hinterließen unzählige Zigarettenkippen – und Zimmer voller Kot und Pisse.
Wir zogen um, in eine Baracke auf dem Hof einer leerstehenden Scheune. Ich weiß kaum noch, was wir dort taten, doch erinnere mich daran, daß hin und wieder auch ein paar Mädchen dabei waren, die Poster von Jonathan Brandis und Chesney Hawks aufhängten.
Irgendwann zogen wir dann in die Scheune. Zu dritt bauten wir im Dachgeschoß einen Grill und rösteten Brotscheiben. Als ich am nächsten Tag meinem Bruder unsere neue Behausung zeigen wollte, war der Holzfußboden durchgeschmort, und drei Meter tiefer lag das, was unser Grill gewesen war. Wir versuchten die schwelende Glut der staubigen Holzbalken mit der restlichen Limonade vom Vorabend zu löschen; dabei brach ich ein und hing plötzlich in dem Loch, unter mir mehrere Meter Luft und dann die wenig weichen Steine unseres improvisierten Grills. Nach einem langen Moment der Angst half mir mein Bruder hinaus, und wir eilten zum nahegelegenen Teich, um die Limonadenflaschen mit Wasser zu befüllen und die restliche Glut zu löschen.
Wir zogen erneut um, in einen Raum mit steinernem Boden. Auch hier entzündeten wir ein kleines Feuer, luden wieder Mädchen ein. Der Raum war voller Stahlwolle, die noch Wochen später in unseren Klamotten juckte. Als der neugefundene Raum inklusive des Dachs der restlichen Scheune ohne unser Zutun [Wir waren vorsichtig geworden.] abbrannte, suchten wir nur noch halbherzig nach einem Ersatz. Ein Speicher wurde inspiziert, aber dieser war der Schule viel zu nah – und außerdem über und über mit Taubenmist bestückt.

Feuer jedoch spielte auch in einem anderen Bereich meiner Jugend eine Rolle: auf dem Schulhof. Irgendwann nämlich erlernten wir die coolste Art, ein Streichholz zu entzünden. Dazu mußte man dieses nur im rechten Winkel an die Reibfläche halten und es anschließend wegschnipsen. Zur gleichen Zeit fanden wir Gefallen daran, Taschentücher zu entzünden. Wir brannten sie an, warfen sie auf den Boden und ergötzten uns am Ausufern und Vergehen der Flammen.
Einmal entzündete ich ein Taschentuch auf dem Nachhauseweg. In der Ferne sah ich eine Omi sich nähern und schämte mich plötzlich dieser albernen Tat. Kurzentschlossen warf ich das Taschentuch in den nächsten Mülleimer, nicht bedenkend, daß sich der Taschentuchbrand auf das Mülleimerinnere ausweiten würde. Doch es war zu spät; der Müllbehälter, glücklicherweise aus Metall bestehend, rauchte bereits, und als ich wenige Stunden später wieder vorbeiging, war er längst ausgebrannt. Noch heute bedaure ich dieses gedankenlose Tun, unabhängig davon, daß nichts und niemand zu schaden kam.

Was ich ebenso bedaure, ist die wohl unangenehmste Eigenschaft meiner Pubertät: Jähzorn.
Ich kannte einen Jungen aus meiner Schule, der die Klasse 6b besuchte, eine Klasse, die von uns, 9a, ohnehin nicht sehr geschätzt wurde, weil sie unseren Hofplatz einschränkte, weil ihre Mädchen nervten usw. Der fragliche Junge hieß Ken und hatte rotes Haar im längst aus der Mode geratenen VoKuHiLa*-Stil. Ich weiß nicht, was genau mich an dem Jungen störte, daß ich ihn ärgerte, aber ich tat es. Wir teilten eine Halle im Sportunterricht, und einmal stellte ich ihm ein Bein.
Eine Tages befanden sich mein bester Freund und ich auf dem Heimweg. Etwa zweihundert Meter entfernt von uns lief Ken zusammen mit seinem Freund. Höhnisch rief ich „Hallo!“, eine Begrüßung, die mir später als „Arschloch!“ ausgelegt wurde. Als Antwort erhielt ich ein forderndes „Komm doch her, wenn du dich traust!“, was meinen Jähzorn aufwallen ließ. Der blöde Kerl war mindestens zwei Jahre jünger als ich und wagte es, sich derart mir gegenüber zu äußern!
Ich rannte los, mit meinem Rucksack auf dem Rücken, holte Ken ein, ließ den Rucksack fallen und begann zu treten. Ken trat zurück, wir trafen einander kaum. Irgendwann traf ich doch – mitten in seinen Genitalbereich. Er stürzte. Ich hatte nicht realisiert, was geschehen war, sah nur, daß Ken auf dem Boden lag. Bis heute bin ich froh, daß ich nicht so blöd war, weiterhin zuzutreten. Ich schnappte meine Sachen und ging nach Hause.
Abends unterhielt ich mich mit meinem Bruder, gestand, was für einen Mist ich gemacht hatte, teilte ihm meine Absicht mit, mich am nächsten Morgen bei Ken zu entschuldigen und ihn fortan in Ruhe zu lassen. Doch der nächste Tag brachte Unheil. In der ersten Stunde, Latein, stand die stellvertretende Direktorin in der Tür, zeigte mit dem Finger auf mich und sagte nur: „Du! Du warst das!“
Ken hatte die Geschichte des Vortages zu seinen Gunsten etwas geschönt und seiner Mutter erzählt, die wiederum in die Schule gekommen war, um sich zu beschweren und den Schuldigen, mich, zu stellen. So saß ich im Zimmer der stellvertretenden Direktorin und bekam keine Gelegenheit zu verteidigenden Worten. Was sollte ein gerade 14-Jähriger, der sich zudem durchaus schuldig fühlte, gegen eine Mutter und eine stellvertretende Direktorin auch ausrichten?
Bis heute ärgere ich mich darüber, daß die Schmerzen Kens als extrem schlimm beschrieben wurden – aber Ken noch nicht beim Arzt gewesen war.
Ich wurde angezeigt, mußte bei der Polizei das Geschehene wiedergeben. Kens Mutter war schon dagewesen, und unzählige Male wurde bei Stellen nachgefragt, die sich von ihrer Version unterschieden. Doch ich sagte die Wahrheit, war viel zu verschüchtert, um irgendetwas anderes ersinnen zu wollen. Immerhin: Der Schuh zählte als Waffe, so daß ich nicht nur der Körperverletzung, sondern der schweren Körperverletzung angeklagt war. Auf mich warteten im schlimmsten Fall fünf Jahre Jugendknast!
Doch die Sache ging gut aus. Unter der Voraussetzung, daß dies eine einmalige Sache gewesen war, ließ mich die Staatsanwaltschaft straffrei. Noch nicht einmal das polizeiliche Führungszeugnis wurde behelligt.
Danach wurde ich ruhiger. Jahre später teilte mir mein Bruder mit, daß er Leute kenne, die Ken liebend gerne verprügeln würde, sollte ich das Bedürfnis verspüren. Ken war ein Arschloch, doch es interessierte mich nicht länger.

Rückblickend erstaunt es mich, daß ich heimliches Fernsehen noch immer als jugendliche Verfehlung betrachte. Denn in unserer Familie war es nicht üblich, viel fernzusehen. Der samstägliche „Disneyclub war“ ein Ereignis für uns, ebenso wie das sonntägliche „Siebenstein“. Strafen für schlechte Noten oder Unartigkeiten äußerten sich zumeist in Taschengeldkürzungen – oder Fernsehverbot. Dementsprechend versessen war ich, als ich zum Jugendlichen heranreifte, das Verbot zu brechen und nachmittags heimlich fernzusehen. Ohne mir die Mühe zu machen, die Schuhe auszuziehen, ging ich oft direkt ins Wohnzimmer und erfreute mich an „California Clan“ [das zu schauen ich abbrach, als eine über mehrere Folgen angekündigte Überraschung sich als reichlich uninteressant erwies] und ähnlich Niveaulosem. Wenn ich meinen Vater an der Tür hörte, beeilte ich mich, in mein Zimmer zu stürmen und so zu tun, als wäre ich dort die ganze Zeit über fleißig gewesen.
Natürlich wußte mein Vater davon; hin und wieder ertappte er mich, und der Schmach der Erkenntnis, meine Zeit mit Sinnlosem verplempert zu haben, war groß genug, um mir eine Bestrafung zu ersparen.

Ich wurde ohnehin selten bestraft. Meine Verfehlungen bestanden zumeist darin, mit unsauberen Klamotten heimzukommen, weil ich wieder durch den Südpark gestrolcht oder in Kellern Abwasserleitungen gefolgt war. Oder ich erhielt Ermahnungen, weil ich nach der Schlafenszeit noch mit meinem Bruder quatschte oder weil ich heimlich, ohne Licht oder mit Taschenlampe, las.
Den größten Ärger erhielt ich vermutlich in der zweiten Klasse, als aufgedeckt wurde, daß ich in einer Musikkurzkontrolle betrogen hatte und unter die daraus resultierende 5 [Damals gab es noch keine 6.] die Unterschrift meiner Mutter gekrakelt hatte. Die Fälschung war gut – aber mit Filzstift geschrieben. Sie, und nicht der Betrugsversuch, war übrigens auch der Hauptgrund für den elterlichen Ärger.

Die Kindheit verlassend nahmen meine sowieso nicht sehr zahlreichen Verfehlungen erstaunlicherweise immer mehr ab. Ich bemühte mich, pünktlich heimzukehren, und wenn ich fünf Minuten zu spät kam, so war das akzeptabel. Ich probierte Alkohol, doch ohne großes Interesse, ohne Begeisterung finden zu können, überraschte meine Eltern nicht mit der Bekenntnis zu rauchen, weil ich diesbezüglich niemals meinem Vater folgen wollte, feierte keine orgiastischen Partys an Tagen elterlichen Abwesenheit, weil ich überhaupt nicht auf den Gedanken kam, derartiges zu tun. Ich kannte keine zwielichtigen Gestalten [bzw kannte welche, ohne sie erst nehmen zu können. Es fällt schwer jemandem, den man seit der ersten Klasse kennt und als albernes Kind in Erinnerung hat, abzunehmen, daß er mit Drogen handelt und auf den Chaostagen in Hannover verhaftet wurde.], und selbst meine erste Freundin, im Alter von 17, bildete keinen Nährboden für Konflikte.

Es liegt mir wenig daran, die wenigen Jugendsünden, die ich beging, zu glorifizieren, gibt es doch an diesen Aspekte, die mir bis heute unangenehm sind und an die zu denken ich mir häufig verweigere. Anderes habe ich längst in einer Geistesschublade verstaut, die ich nur hin und wieder aufziehe, um über meine damalige Unwissenheit zu schmunzeln – ebenso, wie ich in wenigen Jahren gewiß über meine heutige Unwissenheit schmunzeln werde…

[*] Vorne kurz, hinten lang

Notizbucheinweihungstext

Nachdem ich Saturn innerhalb einer einzigen Scorpions-Ballade durchforstet und kauflos verlassen hatte, trug es mich über einen Max-Goldt-Buchkauf-Umweg direkt zum Altmarkt-McDonalds, wo ich mich der Nahrungsmittelimitatsaufnahme hinzugeben beabsichtigte. Zuvor jedoch besichtigte ich die Toilette, ein teures Nicht-Vergnügen, da dort ein mit Kittelschürze bekleideter und dadurch einigermaßen professionell wirkender Türke saß und nichts Besseres mit sich anzufangen wußte, als jeden, der in die verliesartigen Tiefen der Toilettenetage hinabstieg, mit einem flüchtigen Gruß an die Bezahlunsgpflicht zu erinnern und jedes Geldstück, das auf seinen Teller gelegt wurde, sofort in der Kitteltasche verschwinden zu lassen, sobald es das Porzellan klangvoll berührt hatte.

50 Cent verlangte der sicherlich irgendwann putzende, doch im Augenblick untätige Mann für das Verrichten der Notdurft. 50 Cent war auch der Wert der Münze, die stets einsam auf seinem Münzsammelteller zurückblieb und einen offensiven Hinweis an alle Klonutzenden darstellte. Vielleicht, und ich hielt dies nicht für sonderlich unwahrscheinlich, war sie festgeklebt.

Die Lokalität, die sich selbst befremdlicherweise als „Restaurant“ bezeichnet, war laut und voll. Nach meiner Bestellung fanden das Tablett uund ich einen freien Platz und nahmen diesen zugleich einem Vater-Tochter-Gespann weg, das selbigen auserkoren hatte. Bereitwillig bot ich an, mich umzusetzen, was aber abgelehnt wurde. Die beiden ließen sich mir gegenüber nieder, so daß ich gezwungen war, in den durchaus ansehnlichen Ausschnitt der Tochter zu blicken, sobald ich mal von meinem Max-Goldt-Buch aufsah. Selbiges geschah jedoch nicht sehr oft, das das McD-Futter glücklicherweise verspeist werden konnte, ohne daß man es betrachten mußte – was vermutlich ohnehin ratsam war.

Im Hintergrund liefen 80er- und Beginn-90er- Liebesliedklassiker wie „Nothing Compares“, das ich bekanntermaßen durchaus mag und mich zur Überprüfung der Behauptung, das Video sei ohne einen einzigen Schnitt entstanden [Ist es nicht. Aber es wäre durchaus vorstellbar, daß Nahaufnahmen des Gesichts der Sinead O’Connor ohne Unterbrechung erfolgte.] veranlaßte; wie das wenig begeisternswerte „Eternal Flame“ von den Bangles, „Total Eclipse Of The Heart“ von Bonnie Tyler, „Voyage Voyage“ von irgendwem und andere Lieder, die ich durchaus kannte und zuweilen sogar mochte, obgleich sie dem Gedudel der typischen „Das Beste der 80er! Das Beste der 90er! Und das Beste von Heute!“-Radiosender entsprachen.
[Als ich Terence Trent D’Arby mit „Sign your name“ vernahm, fragte ich mich, woher ich den Namen des Interpreten kannte.]

Neben mir saßen zwei Mädels, deren Alter ich nicht zu schätzen vermochte, die jedoch wie ich die Hintergrundmusikmischung mit Interesse verfolgten, obgleich sie nicht lange bei diesem Thema verweilten und zu Gesprächen über youtube.com und dortige geile Videos wanderten, um letztlich wieder bei Musik anzugelangen, genauer: bei Nirvana und ihrem von allen gutgefundenem Klassiker „Smells Like Teen Spirit“, einem Lied, das ja so geil sei. Mit so geil wurde dann auch das dazugehörige Album „Nevermind“ klassifiziert, das die eine der beiden am heutigen Tag bereits einmal, die andere sogar schon fünf Mal in ihrem Musikabspielgerät rotieren lassen hatte. So geil war dann auch noch anderes, das ich provokativ überhörte.
[Ich weiß, daß das Attribut „provokatov“ an dieser Stelle wenig Sinn ergibt, doch klang es gut genug, um es stehenlassen zu wollen.]
So geil war zusätzlich auch noch ein Gitarrenpart in einem Nirvanalied, den die beiden Mädels mit albernen „Dsch-dsch“-Geräuschen imitierten. Ich schmunzelte, weil es so aussah, als hielten sie Nivana für heftig [so geil], ja „evil“, während sich in meinem Rucksack eine Schwarzmetallscheibe befand, die vermutlich tatsächlich „evil“ war.

Als dann „Wind Of Change“zu hören war, dachte ich: ‚Oh no! Das ist überhaupt nicht geil! Schon wieder Scorpions! Sollte ich vielleicht gehen?‘ und blieb sitzen. Denn anstatt das „Restaurant“ zu verlassen, entschied ich mich dafür, mein neues Notizbuch einzuweihen, das endlich wieder als „Kleines Schwarzes Buch“ bezeichnet werden durfte, ohne daß ich deswegen mißtrauische Blicke ob des offensichtlich grünen Notizbuch-Äußeren zu ernten befürchten mußte.

„Would I lie to you?“ fragten Charles & Eddie nach einer Weile [Wieso kannte ich auch hier den Namen des Interpreten?], und ich stellte fest, daß dies einer der vielen richtigen Augenblicke war, die Lokalität zu verlassen.

[Rednex mit „Wish You Were Here“ bestätigten mich in meinem Entschluß.]

[Als ich aufstand, löste ich sich der einstmals nur notdürftig befestige Träger meines Rucksacks, den aufzuheben ich gerade in Begriff war. Aufmerksamkeit erheischend plauzte er auf den Boden und entlockte mir einen gelassenen „MUß ich das schon wieder reparieren?“-Seufzer.]

FFFfF: Allgemein bekannt

Ich besitze ein neues Notizbuch und ein neues Buch von Max Goldt. Die Kombination aus beiden lädt mich dazu ein, seitenweise zu schwafeln, zuweilen mit einem inkludierten Augenzwinkern. Erstaunlicherweise ist der heutige Fred-Comic davon aber in keinster Weise betroffen. Nein, vielmehr sieht es so aus, als würde er, Fred, sich allmählich auf seinen geburtstag vorbereiten…

Und so..


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FFFfF: Älterwerden

Aufgrund heutiger Unternehmungen hätte ich mich innerhalb des Comics vermutlich mit Fahrrädern, Flüssen und gebärenden Kühen auseinandersetzen sollen – doch statt dessen beschäftigte ich mich, weil Freds erster Geburtstag immer näher rückt, mit einer anderen Problematik…

Und so..


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Zahnpastaproblematik

Unlängst war mir einen Probepackung Aronal/Elmex verabreicht worden, die mir gestern Abend, als ich feststellte, daß meine normalerweise benutzte Zahncreme seine Existenz in meinem Bad nur noch auf eine leere Plastikpackung beschränkte, wirklich gute Dienste erwies, indem sie aushalf, wo sie gebraucht wurde.

„Morgens: Aronal. Abends: Elmex“ entsann ich mich und putzte fleißig mit der roten Tube. Auch heute morgen folgte ich der Regel und nahm Aronal, die blaue Tube, zur Hand.

Als ich jedoch soeben das Bedürfnis verspürte, meine Zähne erneut zu bürsten, stand ich ratlos vor einem Problem.

Morgens: Aronal. Abends: Elmex. Doch was genau soll ich zur Mittagsstunde nutzen? Bin ich der erste, der sich mit dieser wahrlich schwerwiegenden Problematik auseinandersetzen muß. Ist denn noch niemand auf die Idee gekommen, eine dritte Marke einzuführen, die besonders den in der Mittagszeit aufkommenden Putzansprüchen genügt? Was soll ich nur tun…?

Kompromißbereit entschied ich mich für eine Aronal-Elmex-Mischung.

P.S: Was hat Zahnpasta eigentlich mit Pasta zu tun?

Gott nervt

Ich bin mir dessen durchaus bewußt, daß ich eine ziemlich profane, undurchdachte und vielleicht gar unsinnige Behauptung von mir gebe, wenn ich bekunde, von Gott, besser: von seinen Vertretern auf Erden, von seinen Anhängern – und auch Gegnern, genervt zu sein.

Es vergeht kein Tag ohne Nachrichten mit Gottbezug, sei es der seit Jahrzehnten währende Israelkrieg, sei es die Frage nach Trennung von Staat und Kirche in der US-amerikanischen Regierung, sei es die Überlegung Kreationismus vs. Evolution, sei die ewige Schuld der Deutschen gegenüber den Juden, sei es der Terrorismus und die mit ihm aufkommende Islamfurcht, sei es der uralte Gedanke, im Namen einer überirdischen Macht Ziele zu verfolgen, sei es die Frage nach der Anzahl der Lügen in der Bibel, sei es die Rede eines Papstes und der daraus entstehende Tumult, seien es dänische Karikaturen und der Diskurs, was Karikaturen denn überhaupt dürfen, sei es die Kritik an der Verfilmung der letzten Tage Jesu, seien es von der Kirche auferlegte Regeln und das absichtlich-provokative Brechen dieser, seien es weltweit entdeckte Toastbrotmarias und weinende Madonnas, sei es das sonntägliche 10-Uhr-Gebimmel unweit meiner Wohnung erbauter Glaubensgebäude, das mich zu kritischen Lärmbelästigungsbemerkungen veranlaßt.

Ich, der sich als Heide bezeichnen würde, weil er nicht keinem Glauben frönt, weil er nicht dem Glauben an sich abzusagen gedenkt, sondern eher pantheistische Ansätze in sich erahnt und Göttliches in allem, auch in sich selbst, sucht, ich, der als Kind nur einem einzigen Krippenspiel beiwohnte, der seiner Erinnerung nach noch nie an einem Sonntagsgottesdienst teilnahm, ich, der Kirchen als kunsthistorisch bedeutsame Objekte aber nicht als Gotteshäuser betrachtet, ich, der all jene Nachrichten aufnimmt, bin genervt.

Mich berühren Gott und Glauben nicht; es erscheint mir absurd, jahrhundertlang Diskussionen über die Echtheit eines Stückes Stoff zu führen, auf dem angeblich das Antlitz Jesu zu sehen sei, absurd, einer Idee folgend unzählige andere als falschgläubig zu bezeichnen und in den Tod [oder auch „nur“ in die Verdammnis] schicken zu wollen, absurd, einer kruden Unsichtbarkeit Tempel zu erbauen, Schriften zu widmen, um welche sich Kriege und Dispute entflammen.

Ich begreife Gottesglaube nicht, kann mich ihm nicht nähern. Und doch ist die Welt getränkt davon, übersättigt von etwas, das ich mit meiner nüchternen Theologie-Unkenntnis nur als „Wahn“ bezeichnen kann.

Ich bin mir dessen bewußt, daß die Mehrheit der auf diesem Planeten Lebenden an höhere Mächte glauben, denen sie ihr Leben anzuvertrauen bereit sind, daß ich kein Recht habe, mich gegen all diese zu stellen und zu behaupten, daß sie falsch liegen, einem Irrsinn aufgesessen sind, der vermutlich unheilbar ist. Und ich möchte mich auch nicht gegen sie stellen, denn tatsächlich ist es eine Art Toleranz, die ich begehre. Ich begreife Gott nicht, den Glauben daran – und daher fühle ich mich außerstande, jene, die Götter suchen und finden, mit herbster Kritik bedecken zu wollen.

Dennoch kann ich mich dem Wunsch nicht entziehen, daß ich allen Gläubigen für einen Moment die Augen öffnen, ihnen für einen Augenblick meine nüchterne Betrachtungsweise ins Herz pflanzen könnte.

Normalerweise ist es ein Leichtes für mich, die Mehrheit zu tolerieren, mich geduldig zu zeigen, selbst wenn das Andersdenkende, Andersglaubende mich Kopfschütteln macht. Ich weiß zu wenig, begreife zu wenig, um mir anmaßen zu können, die totale Richtigkeit gefunden zu haben.

Dennoch gärt es in mir, und jedesmal, wenn Medienvertreter eine neue Konfliktsituation aufdecken, künstlich erweitern, die einem Gottesdisput, einer unbedachten Äußerung, einer unbegabten Zeichnung, entspringt, jedesmal wenn Nachrichten die Folgen dessen zeigen, was angeblich Glaube sein soll, möchte ich aufstehen, die bornierten Schädel gegen Mauern schlagen, auf daß die in ihrer Lächerlichkeit traurigen Gedanken, die albernen Wahnvorstellungen aus ihnen herauspurzeln und im Staub der Nichtigkeit verlorengehen mögen.

Ich begreife, daß Götter eine bedeutende Rolle spielen, doch sind sie nicht Teil meines Denkens. Dementsprechend erachte ich es für durchaus gerecht, mich hin und wieder von allem, was Kirche und Glauben, was Jihad und Religion ist, zurückziehen zu wollen, mein Denken, Wissen, Sehen von all jenem zu befreien, das ich für absurd halte.
[„absurd“ ist nichts Abwertendes, sondern nur ein Ausdruck meines Nichtbegreifens, nahezu gleichbedeutend mit „abstrakt“.]

Doch dergleichen gelingt nicht; die Welt ist voll von Gott und aus Ihm Resultierendem.
„Schweigt!“, möchte ich rufen, „Gott nervt mich!“

Was jedoch wäre eine Welt ohne Gott, ohne den Glauben an Ihn? Unbeachtet dessen, daß ich der festen Überzeugung bin, daß der Mensch den Glauben braucht, daß er diverser Dinge bedarf, um sein Herz, seinen Geist, sein Streben daran orientieren, daran aufhängen zu können, abgesehen davon, daß eine Welt ohne Glauben sicherlich eine trübe wäre: Wäre die Welt ohne Gott ärmer an Konflikten, ärmer an aussichtlosen, ergebnisfernen Disputen, ärmer an Terror, ärmer an Wahn?

Das Traurige ist: Ich bezweifle es. Gott kann mich noch so sehr nerven; sein Fehlen bedeutete nicht, daß die Welt zu einer besseren werden würde. Denn nicht Gott ist es, der Konflikte schafft, Kriege führt, sondern der Mensch, nur er allein in seinem oft blinden Eifer, das vermeintlich einzig Richtige zu tun.

Die Erkenntnis ist nicht neu, war es vermutlich noch nie, doch läßt erahnen, daß eine Welt ohne den mir absurd anmutenden Gotteswahn automatisch einen Ersatz, eine Alternativlegitimation, schaffen würde, um sich weiterhin gesprochenen, geschriebenen oder tatsächlichen Gefechten hinzugeben.

Die vorangegangenen Zeilen klingen in meinen Ohren sehr stark nach Misswahl-Weltfriedenswünschen, nach einer „Seid-Wieder-Llieb-Zueinander“-Mission, nach leider lächerlichem Gutmenschwünschen. Dabei lag mir nichts ferner als ein Traktat zur Weltverbesserung.

Mein Wunsch war es einzig und allein, Ruhe zu haben, Ruhe vor Gott und allem, was mit Ihm zusammenhängt, Ruhe vor einer unsichtbaren Macht, die ich nicht bereifen kann, aber auch nicht begreifen will, Ruhe vor etwas, das in der Form, in der es Religionen weltweit predigen, meiner Ansicht nach unter keinen Umständen existiert, Ruhe vor etwas, das nicht mit meinen Gedanken, mit meinen Überlegungen, mit meinem Weltbild einhergeht – und dennoch omnipräsent jeden Tag meines Daseins bevölkert.

Der Wunsch ist absurd; dessen bin ich mir bewußt. Dennoch wollte ich ihn einmal geäußert haben.

[Im Hintergrund: Dementi – „Zweigefühl“]

FFFfF: Leere

Ich suhle mich gerade in Zufriedenheit, bin erstaunlich sentimental, den Tränen nah, aber im positivsten Sinn. Vielleicht ist es der heutige Comic , der das bewirkte; vielleicht nahm aber auch meine Stimmung Einfluß auf den heutigen Comic. Wer weiß.

Erwähnt sei, daß der heutige Comic der 360. ist. Das Jubiläum [der 366. Comic, am 20. September] rückt näher; und ich habe noch immer keine Ahnung, wie dieser Tag, Freds Geburtstag zelebriert werden wird.

Doch das kümmert mich im Augenblick nicht, denn entweder mir fällt noch etwas ein, oder eben nicht, was auch nicht weiter tragisch wäre, weil allein das Jubiläum der Existenz des Fred-Comics über ein ganzes Jahr hinweg mir genug Freude bringt..

Und so..


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[Im Hintergrund: Empyrium – „A Wintersunset…“]

FFFfF: Astrologie

Eines der besten Konzerte, die ich je erlebte, liegt hinter mir. Es ist durchaus beeindruckend, wenn der Sänger einer Band ein Lied anstimmt und der Publikum den Rest allein zuende singt. Nicht minder beeindruckend ist es mitzugrölen und nicht zu wissen, ob nun Töne den eigenen Mund verlassen oder nicht.
Meinen Stimmbändern geht es heute trotzdem erstaunlich gut.

Und noch etwas will ich der Welt mitteilen: Ich habe gute Laune!

Und so.


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[Im Hintergrund: Stillste Stund – „An das Morgenlicht“]

Saumüde

‚Ich bin saumüde.‘, dachte ich gerade und wunderte mich sogleich:
Saumüde? Wieso denn überhaupt „sau…“?
Über welche Eigenschaften verfügen denn Säue? Sie sind dreckig, zumindest manchmal. Saudreckig, sozusagen. Okay.
Aber sonst: Rosa, gefräßig, dick, schwanger, stinkend, … – saurosa, saugefräßig, saudick, sauschwanger, saustinkend, …
Das sagt doch niemand! Warum also diese alberne Vorsilbe?
Sind feminine Schweine besonders müde? Und wenn ja: Sind sie nur müder als maskukine Schweine, oder sogar müder als alle anderen Säugetiere?
Fragen über Fragen – für deren Beantwortung ich jetzt eindeutig zu müde bin.

FFFfF: Astronomie

Heute erscheint aufgrund diverser terminlicher Dingslichkeiten der Fred-Comic schon ein paar Sekündchen früher als gewohnt. Doch keine Sorge: Dies wird nicht zu einer [schlechten] Angewohnheit werden.

Ich habe gute Laune, nicht nur wegen des anstehenden Blind-Guardian-Konzerts, sondern auch wegen eines Briefes, den ich heute erhielt, wegen des Essens, das gleich fertig sein wird, wegen des Schlafs, den ich mir heute noch gönnte und wegen mir selbst, der ja dazu neigt, gerne mal gute Laune zu haben.

Es sei erwähnt, daß der heutige Comic einer von jenen ist, die ich schon lange mal realisieren wollte, ohne daß sie je funktionierten. Aber heute Nacht dann fiel mir ein, wie der Comic auszusehen habe……

Und so.


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[Im Hintergrund: Blind Guardian – Wer hätte das gedacht!?]