spuren im schnee

weniger ein erinnern, als ein erahnen des gewesenen, eine spurensuche im eigenen schädel, als wäre ich zeuge gewesen im damals, mitbewohner im eigenen leib.

ich folge den spuren im schnee, lasse keinen winter mich finden, wo mein sehnen bereits in der ferne weilt und mein schritt mich wärmend dem vielleicht entgegenlenkt, halte nicht inne und folge, folge mir.

manchmal, wenn mein müdes lid das unten sucht und meine blicke tief nach innen schweifen, finde ich ein lächeln, zwischen den zeiten gleitend, als wollte es noch immer auf mir blühen. welten tanzen dort um mich herum, und dein name spiegelt mir den blassen mond.

meine finger tasten sich ins uns, und wäre ich teil, so verweilte ich noch immer dort.

vom himmel fällt weiß, das gestern schwindet, als entbehrte es jeder bedeutung.

dein lächeln glimmt auf meinem mund, als ich mich ins ja erwecke, als ich schritt um schritt zurück ins hier entweiche. einen moment noch will ich mich leuchten sehen, will ich stehenbleiben und meine gedanken entzünden. dann verwische ich die spur, winke ein adieu ins nichts, winke der leere zwischen den sternen und schreite voran.

wachen geistes zeichne ich gleißende pfade in den schnee.

 

Morgendlicher Ohrwurm 51: I remain

Das Erwachen erwies sich als schwierig. Der Wecker gab sein Bestes, dudelte alle paar Minuten eine unspektakuläre Melodie, die mich immerhin meine Hand bewegen und ihn vorübergehender Stille zuführen ließ. Die Wärme des Bettes umarmte mich liebevoll, als wollte sie mich niemals gehen lassen wollen.

„Draußen ist es kalt.“, schien sie zu sagen. „Eiskalt.“

Ich öffnete die Augen. Der Wecker hatte bereits ein paar Minuten lang geschwiegen und würde sicherlich alsbald einen neuen Versuch wagen. Ich kam ihm zuvor, entriss mich der wohl weichen Bett-Tentakeln und sprang dem Tag entgegen. Das Bett hatte recht: Draußen war es kalt. Eiskalt.

Der gestrige Schnee verweilt noch immer auf Wegen und Wiesen, und das Thermometer präsentierte mir mit unübersehbarem Stolz ein dickes Minus vor der Acht. Ich öffnete die Terrassentür. Draußen war es kalt.

Unter der Dusche fand mich die wohlige Wärme erneut. „Bleib noch ein bisschen.“, schien sie zu plätschern. „Draußen ist es kalt.“ ‚Eiskalt‘ ergänzte ich in Gedanken, entschlüpfte den flüssigen Tentakeln, streifte kurz das Handtuch und warf mich in die Kleidungsstücke, die bereits auf mich warteten. ‚Danke, gestriges Ich.‘, dachte ich, und in Sekundenschnelle war ich der Kälte entflohen, die allmählich das Schlafzimmer befüllte.

Frühstück und ein heißer Tee fanden meinen Magen und trieben den letzten Rest Kälte aus mir heraus. Mit dem Föhn entriss ich meinen Haaren die Nässe, und dann war ich bereit. Bereit für die Kälte.

Die längst abgelaufene Monatskarte startete einen letzten Versuch. „Draußen ist es kalt.“, meinte sie und wollte erneuert werden. Ich schüttelte mit dem Kopf.

Wenige Minuten später saß ich auf dem Fahrrad, preschte über festgefahrenen Schnee und gestreute Fußwege, in funktionaler Kleidung verborgen. Eiskalter Wind peitschte mir ins Gesicht. ‚Draußen ist es kalt'“, dachte und grinste.

Und währenddessen klang mir ein Lied in den Ohren, das mir gefiel: Paradise Lost mit „I remain„. Ich wunderte mich wenig, hatte ich doch dem dazugehörigen Album erst am Vortag mehrfach gelauscht.

 

Von damals bis hier

Als ich das Bloggen für mich fand, als ich erste Blogger entdeckte und feststellte, dass genug Wörter in mir brodelten, um hier ein höchst willkommenes Ventil gefunden zu haben, als ich also im Januar des 2005ten Jahres zum ersten Mal tatsächlich bloggte [vorher hatte ich nur einfach ins Internet geschrieben], hieß die gewählte Plattform noch blogger.de. Wie ich heißen wollte, wusste ich nicht, doch da ich zu diesem Zeitpunkt exakt drei Lieblingswörter besaß, „Geifer“, „nichtsdestotrotz“ und „Morast“, wählte ich eines, dem ich ausreichend symbolische Bedeutung beimaß, um das, was ich erschaffen wollte, in all seiner Unbestimmbarkeit zu vereinen: Morast.

Doch mich hielt es nicht lange, nicht nur weil ich mich auf der Plattform selbst und in ihrem ganzen Umfeld unwohl fühlte. Auch die technischen Möglichkeiten waren beschränkt, und da ich weit davon entfernt war, mich mit WordPress und ähnlichem auseinandergesetzt zu haben, zog ich wenige Monate später einfach auf die nächste Plattform um. Twoday.net hieß sie – und so sollte sie bis zum Anfang dieses Jahres heißen. Unter morast.twoday.net bot ich Texte und Gedichte dar, Krimskramereien und Albernheiten, Geschichten und Fundstücke – eben alles, was mir durch den Kopf hüpfte und Begehr hatte, nach außen gelassen zu werden.

Twoday meint, ich sei mittlerweile seit 2476 Tagen Mitglied ihrer kleinen Familie, und eine kurze Überschlagsrechnung bestätigt dies absurd hohe Zahl. Dementsprechend ist auch die Zahl der Wortaneinanderreihungen keine kleine. Und nicht nur das: Im September 2005 kreierte ich einer spontanen Laune folgend eine Comicfigur namens Fred. Diese fand ebenfalls ihre Heimat auf morast.twoday.net, war eine willkommene Abwechslung zu den ansonsten durchaus bildarmen Beiträgen. Doch Fred wuchs, wurde dicker und dicker und wünschte sich bald ein eigenes Zuhause. Das schuf ich ihm, abermals bei Twoday. Hier kannte ich mich aus, und über einen großen Zeitraum hinweg veröffentlichte ich den täglichen Fredcomic auf zwei Blogs.

Dann zog Fred um. Er bekam eine eigene Domain, fonflatter.de, inklusive textpatterniger Blogsoftware dahinter. Die Einrichtung und Pflege des neuen fredschen Zuhauses kostete mich diverse Mühen, und so war ich froh, dass sich bei morast.twoday.net nichts änderte. Nur Fred war nicht mehr da, war flügge geworden. Und während fonflatter.de immer mehr wuchs, kehrte morast.twoday.net zu bescheideneren Anfängen zurück. Ich atmete auf. Meinen täglichen Egoschub holte ich mir bei Fred und der schier immensen Zahl an Besuchern und Kommentierenden. Morast hingegen besaß für mich einen eher privaten Charakter. Ich schrieb vorwiegend für mich. Wenn jemand kommentierte, so freute ich mich, doch frönte ich keiner Trauer, wenn die eigentlich wunderschönsten Texte mehr oder minder unbemerkt im Netz verhallten.

Für mich war alles getrennt. Fred war Fred, Morast war Morast, und als ich mich als @morast bei Twitter anmeldete, so war dies eben ein dritter Weg, mich zu veröffentlichen, einer, der nichts mit den anderen beiden zu tun hatte. Sicherlich hatte ich auf Morast bereits kurze Sentenzen dargeboten, die durchaus twittrigen Charakter besaßen, und sicherlich neigte ich dazu, auf Twitter hin und wieder meine Geschichtchen und Comics anzupreisen. Doch in meinem Kopf war alles getrennt und wusste nichts voneinander.

Hinzu kam, dass immer mehr Freunde, Bekannte und Näherstehende erfuhren, dass ich das weltweite Netz nicht nur mit Comics vollstopfte, sondern auch noch eine Menge Wörter zu vergießen wusste. Und plötzlich lasen auch Menschen, denen ich häufiger über den Weg lief, was ich schrieb. Plötzlich war ich nicht mehr unbekannter Schreiberling für eine mir unbekannte Masse irgendwo in den unergründlichen Weiten des Netzes. Die Konsequenz setzte unbewusst ein und geschah doch: Ich hielt mich fortan zurück, verfasste weniger Privates, offenbarte weniger Innerstes, und wenn, dann verschwurbelt, kryptisiert, auf dass niemand nachfragte, was oder wer mich zu dieser oder jener Zeile bewegt hatte.

Mein Schreibstil sprang häufiger ins Alberne, war eine Art schriftliche Form des Fredcomics, und ich fühlte mich wohl dabei. Geschichten entstanden, Gedichte entstanden, alles begleitet von einem kleinen bastianischen Schmunzeln, das sich jedoch lieber als morastsches Schmunzeln sah. Denn während ich auf fonflatter.de längst dazu übergegangen war, mich nicht mehr mit Fremdnamen zu bestücken und gar ein Impressum besaß, verweigerte ich mich bei Morast noch immer meiner Identität, egal wie rar ich sie darzubieten hatte.

Doch das änderte sich, wie sich alles irgendwie ändert. In mir wuchs der Wunsch, die albernen und seriöseren Geschichten Menschen zu zeigen, die Texte zu verlesen, darauf zu weisen, dass ich es war, der sie verfasste, darauf, dass sie mir gefielen, und die Möglichkeit zu ahnen, dass ich nicht der einzige war, der so empfand. Und so erwähnte ich mein Schaffen häufiger. Auf Twitter, zuweilen auch bei Fred, gegenüber Fremden und Bekannten, schließlich sogar auf Facebook.

Und irgendwann sah ich ein, dass Twoday mir und meinen Zeilenbergen nicht länger Heimat bieten sollte. Mittlerweile war fonflatter.de von Textpattern auf WordPress gewechselt, hatte mir Kenntnisse einer Blogsoftware vermittelt, die mir ermöglichte, eines Abends dem spontanen Entschluss zu folgen, Morast zu befreien und in neues, mir wesentlich mehr behagendes Gewand zu kleiden. morast.twoday.net zog aus.

Als sich dann auch noch die Domain morast.eu als verfügbar präsentierte, war aus dem Entschluss längst Tatsache geworden.

So kam ich hierher. Und hier werde ich bleiben. Es gibt noch ausreichend viele Löcher, die geflickt, Problemchen, die gelöst werden müssen. Doch die Schönheit des Neuen überwältigt mich schon jetzt, drängt mich zu schreiben, zu ersinnen, Sätze zu kreieren, diese Seite mit Inhalten anzureichern, jetzt, sofort, in überwältigender Zahl und Frequenz.

Dazu wird es nicht kommen. Was früher morast.twoday.net war, ist heute morast.eu. Was früher Morast war ist noch immer Morast. In neuem Gewand, doch mit demselben Bastian dahinter, der schmunzelnd seiner Tastatur Buchstabe für Buchstabe entlockt und hoffte, dass dieser Text allmählich ein Ende findet.

Und hier ist es auch schon.

Begegnungen 64: Bogen

Ich hatte gerade den Park hinter mir gelassen, als ich eine Stimme vernahm.
„Hallo.“, sagte sie.
„Hallo.“, antwortete ich verwundert. „Wo bist du?“
„Hier.“, sagte die Stimme. „Hier am Himmel.“
Ich sah nach oben. Ein paar vereinzelte Regentropfen fielen mir ins Gesicht und ließen sich nicht davon stören, dass die Sonne fleißig schien.
„Wo denn?“, fragte ich und blickte in den Himmel. Ich sah nur Blau. Ein dunkles Blau, das auch Grautöne enthielt. Und das in Richtung der Sonne heller wurde.
„Hier.“, sagte die Stimme. „Ich bin der Regenbogen.“
Ich sah mich um. Nirgends gab es einen Regenbogen.
„Was für ein Regenbogen?“, fragte ich. „Ich sehe nur blauen Himmel.“
Der Regenbogen seufzte. „Ich weiß.“
Ein paar Regentropfen plätscherten fröhlich auf mein Haupt. Theoretisch war es tatsächlich möglich, dass irgendwo ein Regenbogen entstand. Doch ich sah keinen.
„Ich bin noch sehr jung.“, sagte der Regenbogen. „Daher bestehe ich bisher nur aus einer Farbe.“
Noch einmal sah ich zum Himmel. Nirgends war ein Regenbogen zu sehen.
„Dummerweise ist diese Farbe auch noch Blau.“, seufzte der Regenbogen.
Und tatsächlich: Jetzt, wo er es sagte, konnte ich ihn sehen, einen schmalen blauen Bogen, der sich über den blauen Himmel erstreckte.
„Du bist sehr hübsch.“, sagte ich, und der Regenbogen errötete ein wenig.

Begegnungen 63: Prinz

Als ich am Teich vorbeikam, sah ich einen kleinen Prinzen. Die Krone saß ihm schief auf dem struppigen Haar, und in seinen Augen schlummerte tiefe Traurigkeit.
„Was ist denn los?“, fragte ich besorgt.
„Ach.“, seufzte der kleine Prinz. „Diese Rose ist so wunderschön.“ Er zeigte auf eine prächtige Seerose, die inmitten des Teichs in voller Blüte stand.
„Sie ist wirklich wunderschön.“, bestätigte ich.
„Wunderwunderschön.“, meinte der kleine Prinz und seufzte erneut. „Aber so weit weg.“
Ich nickte. Die Seerose war wirklich weit weg.
So standen wir da und schwiegen. Dann seufzte der kleine Prinz ein drittes Mal.
„Ich kann dir vielleicht helfen.“, sagte ich, und bevor er wusste, wie ihm geschah, hatte ich den Prinzen geküsst. Es donnerte kurz, und siehe da: Wo eben noch ein trauriger Prinz eine Seerose ersehnt hatte, saß nun ein hübscher kleiner Frosch.
„Quak.“, sagte der Frosch glücklich und sprang in den Teich.

Begegnungen 62: Möwe

Ich stand gerade am Herd, als es plötzlich klopfte.
„Nanu?“, wunderte ich mich, denn es war schon spät, und um diese Uhrzeit besuchte mich normalerweise niemand.
Es klopfte erneut.
„Nanu?“, wunderte ich mich, denn das Klopfen kam nicht von der Wohnungstür, sondern von der Terrasse.
Und tatsächlich: Vor der Terrassentür hockte eine Möwe und war gerade dabei, ein drittes Mal mit ihrem Schnabel gegen die Scheibe zu picken.
„Guten Abend.“, grüßte ich die Möwe.
„Ist hier das Meer?“, fragte sie. Sie hatte es offensichtlich eilig und wollte sich nicht lange mit Begrüßungen aufhalten.
„Was für ein Meer?“, wollte ich wissen.
„Das Meer. Das mit dem salzigen Wasser.“, erklärte die Möwe ungeduldig.
„Hier ist kein Meer.“, antwortete ich verwundert. „Das nächste Meer ist Hunderte Kilometer weit entfernt.“
„Kein Meer? Kein Salzwasser? Nichts?“, hakte die Möwe nach.
Ich schüttelte mit dem Kopf.
„Und was ist das da in der Küche?“
„Ich koche gerade.“, antwortete ich und ergänzte: „Kartoffelsuppe.“
„Die ist versalzen.“, meinte die Möwe und flog davon.

1. Treppenhauslesung der Welt!

1. Treppenhauslesung im Sankt OberholzWeil der Staat viel Geld in mich investierte, indem er dafür sorgte, dass ich lesen lernte, werde ich genau das tun. Denn der berühmte Vergrämer lädt ein zur 1. Treppenhauslesung der Welt am 18.2. im Sankt Oberholz in Berlin.

Mit mir werden unter anderem wunderfetzige Menschen wie der Vergrämer Jan-Uwe Fitz, Frederic Valin, Martin Oetting, Michael Bukowski, Judith Gliesche (@judetta) sowie die Twitterer @germanpsycho, @griesgraemer, @silvestah und @diepebbs Buchstaben in Laute verwandeln.
Nähere Infos gibt es hier.

Ich würde mich sehr freuen, euch dort zu begegnen.

Und so.

und dann der tag, an dem ich zu atmen begann, an dem ich meine lungenflügel dem himmel entgegenstreckte und umarmte, was mich sanfter stille enthob. lass mich fliegen!, drang es aus mir, und ich sprang in alle höhen, entflammte mich mit gleißendem jetzt, schoss aus meiner brust hinaus in gellendes ich. lass mich fliegen!, rief ich und zerbarst zu lachen.

Begegnungen 61: Grashüpfer

Heute nahm ich die Abkürzung über den Rasen. „Hihi.“, kicherte ich und fühlte mich ziemlich verwegen. Dann sah ich den Grashüpfer.
„Hallo Grashüpfer.“, grüßte ich den kleinen Gesellen.
Der Grashüpfer grüßte zurück. „Hallo und guten Morgen.“ Er schaute mich noch kurz an, dann ging er weiter.
„Moment mal.“, sagte ich. „Grashüpfer gehen normalerweise doch nicht. Sie hüpfen!“
Und nach einer kurzen Pause ergänzte ich: „Deswegen heißen Grashüpfer doch so!“
Der Grashüpfer wippte mit dem Kopf, als könnte er sich nicht zwischen Nicken und Kopfschütteln entscheiden.
„Eigentlich sind wir Grashüpfer zugleich Kleegänger, doch Grashüpfer-und-zugleich-Kleegänger ist zu lang und hat sich deswegen nicht durchgesetzt.“, erklärte er.
„Verstehe ich nicht.“, gab ich zu.
„Ist doch ganz einfach.“, meinte der Grashüpfer-und-zugleich-Kleegänger. „Im Gras hüpfen wir, im Klee gehen wir.“
„Aber warum das denn?“
„Um nach einem vierblättrigen Glückskleeblatt zu suchen.“, sagte der Grashüpfer-und-zugleich-Kleegänger und ging weiter durch den Klee.
„So eins wie das hier?“, fragte ich und zeigte auf das vierblättrige Kleeblatt, das direkt vor meiner Schuhspitze wuchs.
„Genau.“, rief der Grashüpfer-und-zugleich-Kleegänger erfreut.
„Ich schenk es dir.“, sagte ich.
Der Grashüpfer-und-zugleich-Kleegänger strahlte vor Begeisterung.
„Wuhuu!“, rief er und sprang vergnügt in die Luft. Wieder und wieder.
Ich lächelte und ging, weiter über den Rasen. ‚Ich bin ein Grasgänger.‘, dachte ich und lächelte noch ein bisschen mehr.

Begegnungen 60: Ratte

Vor meinem Fahrrad saß eine Ratte.
„Guten Morgen, liebe Ratte.“, grüßte ich sie höflich, denn sie sah recht freundlich aus.
Die Ratte schüttelte mit dem Kopf. „Ich bin keine Ratte.“
„Keine Ratte?“, wunderte ich mich.
Die Ratte schüttelte erneut mit dem Kopf. „Keine Ratte.“ Sie dachte kurz nach. „Zumindest keine ganze.“ Sie grinste.
„Aber was bist du dann?“
Die Ratte schwieg und grinste weiter.
„Eine übergroße Maus?“, fragte ich, und ein dicker Klumpen Zweifel lag in meiner Stimme.
Die Ratte schüttelte mit dem Kopf. Mal wieder.
„Ein Biber, der aussieht wie eine Ratte?“
Kopfschütteln.
„Ein verzaubertes Einhorn?“
Erneutes Kopfschütteln.
„Eine Ratte?“
Die Ratte zögerte kurz, schüttelte dann aber erneut mit dem Kopf.
„Aha.“, rief ich triumphierend aus. „Ratte ist richtig!“
„Fast richtig.“, korrigierte die Ratte.
„Dann bist du … eine Matte? Kaffee Latte? Zuckerwatte? Eine Fregatte? Irgendetwas, das ich hatte?“
Mehrfaches Kopfschütteln. Der Ratte wurde sicherlich langsam schlecht.
„Ich gebe dir einen Tipp.“, sagte sie. „Such, was ich verloren habe.“
Ich lief ein wenig herum, fand aber nichts weiter als einen alten Pfefferminzteebeutel.
„Du hast Tee verloren?“, fragte ich die Ratte unsicher.
Die Ratte grinste.
„Eine Ratte, die ein wenig Tee verlor…“, überlegte ich laut. Dann traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz. Nur nicht so stark. Eher wie der Stromschlag eines Weidezauns.
„Du bist eine Rate!“, rief ich begeistert aus.
Die Ratte nickte endlich, grinste noch breiter als zuvor, schnappte sich den Teebeutel und eilte davon.
„Hätte ich gleich drauf kommen können.“, sagte ich und schwang mich auf mein Fahrrad.