FFFfF: Am Ende des Jahres

Hart arbeitende Bürger, wie ich einer bin [Glücklicherweise sieht niemand mein Ohr-zu-Ohr-Grinsen.] halten Weihnachts- und Silvesterpausen für Weichei-Notwendigkeiten und ignorieren sie gepflegt. Zwar weiß ich noch nicht, inwieweit mich die heimatlich-familiären Verpflichtungen einbinden werden, doch erdreiste ich mich anzukündigen, auch an offiziellen Feiertagen meine Arbeit ordnungsgemäß abliefern zu wollen.

Um mich herum zieht es Mitbewohner und Kommilitonen in heimatliche Gefilde. Ferien sind angesagt, oder so etwas in der Art. Doch auf mich darf man zählen; ich bleibe dran – und schwebe gedanklich sogar schon ein paar Tage in die Zukunft…


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Hinter den Worten

Wenn man
Die anderen [mit ihren konservativen, festgefahrenen Vorstellungen] werden das bestimmt nicht mögen…
sagt und
Ich [mit meinen heimlich-konservativen, unbewußt-festgefahrenen Vorstellungen] mag das nicht…
meint…

[Im Hintergrund: Opeth – „The Leper Affinity“]

Nichtraucher

Ich rauche nicht, rauchte noch nie. Ich zog in meinem gesamten Leben noch nie an einer Zigarette, werde wohl irgendwann sterben, ohne daß dergleichen geschehen sein wird. Ich freue mich schon darauf, die Gesichter meiner Kinder und Enkel zu sehen, wenn ich schon wieder mit der alten Leier anfange: „Ich habe noch nie…“

Dieses Verhalten konnte ich nur manchmal bedauern. Zum Beispiel in irgendeinem Traum, in dem ich dazu durchrang, doch zu rauchen und plötzlich verstand, warum das im Allgemeinen unter Jugendlichen als toll erachtet wird. Oder wenn ich mit unbefüllten Händen irgendwo herumstand und nicht wußte, was zu tun, was zu sagen sei. Eine Zigarette hilft weiter; an ihr kann man sich festklammern, sich hinter den Saug- und Blasvorgängen, hinter Qualm und aufgesetzter Lässigkeit verstecken. Mit einer Zigarette kann es gelingen, wildfremde Leute kennenzulernen, einfach nur, weil man um Feuer, um Rauchzeug oder um Unterhaltung in der Raucherecke bittet.

Doch ich rauche nicht. Mein diesbezügliches Bedürfnis ist minimal, fast Null. Und bisher erachtete ich das Dasein als Nichtraucher stets für die richtige Wahl. Nur ein einziges Ereignis in meinem Leben bescherte mir die ernsthaft gestellte Frage, ob ich nicht doch zu den Rauchern wechseln sollte.

Es war längst dunkel, längst nach Mitternacht. Meine Anwesenheit auf der Party war nicht länger vonnöten, und ich beschloß, nach Hause zu fahren. Schließlich hatte ich noch zwanzig Minuten Radfahrt vor mir, und wollte nicht unterwegs meiner Müdigkeit zum Opfer fallen.
Ich entkettete also mein Rad, schwang mich auf den Sattel und radelte in die Dunkelheit. Mein Dynamo war vor zahllosen Tagen abgefallen, lag irgendwo unbenutzt zu Hause, meine beiden Fahrradlampen als unnütz deklarierend.

Ich bemerkte die Stufe erst, als ich schon über den Lenker flog. Sie tauchte plötzlich aus dem Nachtschwarz auf. Mit rasender Geschwindigkeit steuerte ich darauf zu, unfähig, noch rechtzeitig zu bremsen, knallte mit dem Vorderrad dagegen, ruckelte die Kante hinauf, vernahm den Aufprall des Hinterrads auf die Stufe – und fand mich auf schmutzigem Beton wieder. Meine Knie und Ellenbogen waren aufgeschürft, bluteten leicht. Ich stand auf, humpelte. Doch es schien nichts gebrochen, nichts ernsthaft beschädigt zu sein.

Selbst mein Fahrrad hatte nur geringfügig Schaden genommen. Die Vorderlampe, ohnehin unbedeutend, war beim Aufprall zersplittert, hatte ihre Plastikstückchen in graudunkler Nacht verteilt. Wortlos, ohne Fluch auf den Lippen oder Tränen in den Augen, hob ich mein Rad auf und beschloß, es erst einmal ein wenig zu schieben, bis ich mich soweit wieder gefaßt haben würde, um meine restliche Heimreise radelnd vollziehen können.

Ich war keine Hundert Meter weit gehumpelt, als mir ein hübsches Mädchen entgegentrat, mich ansprach. Ich war dergleichen nicht gewohnt und insbesondere aufgrund meines zerschürften, lädierten Äußeren ein wenig verwundert, als sie Worte an mich richtete.

Sie stand vor einem Zigarettenautomaten und deutete darauf. Er sei kaputt, erklärte sie mir, mit Münzgeld klimpernd. Ob ich nicht wüßte, wo der nächste Automat zu finden wäre.

Ich dachte nach. Durch meinen Kopf wirbelten Bilder der Möglichkeiten. Wie leicht war es, ihr mitzuteilen, wo sich der nächste Automat befand, ihr eine mangelhafte Beschreibung zu geben, sich anzubieten, sie zu begleiten, mit ihr ins Gespräch zu kommen, sie kennenzulernen…

Ich rauche nicht. Zigarettenautomatenpositionen gehören nicht zu den Dingen, auf die ich zu achten pflege. Tatsächlich war der einzige Zigarettenautomat, der mir in den Sinn kam, derjenige, vor dem wir standen. Ich sah sie an und schüttelte mit dem Kopf. Nein, tut mir leid… Gern hätte ich mehr gesagt, doch jedes weitere Wort war entschwunden.

Ich sah ihr nach, wie sie sich schulterzuckend von mir entfernte. Sie wirkte nett, nein, mehr als nett. Es würde sich lohnen, sie kennenzulernen, dachte ich. Doch ich stand still, zu Bewegungslosigkeit, Wortlosigkeit, verdammt, krallte mich am Fahrradlenker fest.

Hätte, dröhnte es mir durch die Sinne, hätte ich geraucht, so wüßte ich, wo der nächste Automat stünde, hätte sie dorthin begleiten, mit ihr plaudern können. Hätte.

Für einen Augenblick fühlte ich mich gestraft. Von einer höheren Macht, von Gott, vom Leben, von jedem. Gestraft dafür, meine Leben lang Nichtraucher gewesen zu sein, mein Interesse nicht Zigarettenautomatenstandorten zugewandt zu haben. Das Nachteilige am Nichtraucherdasein kroch durch meine Sinne, verhöhnte mich, trieb mein gesamtes Sein und Wollen für einen Augenblick in die Lächerlichkeit.

Unwillig schwang ich mich aufs Rad, innere und äußere Schmerzen ignorierend, und radelte nach Hause.

Keine Prinzessin

Ich bin keine Prinzessin.

Diese Feststellung setzte sich neulich in meinem Schädel fest und beschloß, mich nicht mehr loszulassen. Glücklicherweise hatte ich mich aufgrund meines maskulinen Geschlechtes und somit ohnehin wenig prinzessinhaften Aussehens und aufgrund der mir nicht bekannten und daher vermutlich inexistenten genetischen Verbindungen zu höhergestellten Blaublutfamilien längst damit abgefunden, keine Prinzessin zu sein, und ersparte mir so Kummerberge und Tränenmeere zuhauf.

Trotzdem hämmerte sich die Erkenntnis fehlender Prinzessinnenhaftigkeit unlängst in mein Bewußtsein, als läge mir etwas daran, von großherzigen Mägden mein güldenes Haar täglich tausendfach gebürstet zu bekommen, in überhohen Türmen auf Rettung zu warten, mich an Spindeln zu stechen oder in vergiftete Äpfel zu beißen.

Ein Indiz für Prinzessinnenhaftigkeit [Gibt es dafür kein besseres Wort?] ist einem Märchen zufolge die Fähigkeit, schlafstörende Kleinstgegenstände auch unter unzähligen Matratzen entdecken zu können, ohne bewußt nach ihnen gesucht zu haben. Eine Erbse scheint gerade klein genug, um sie mit flauschig weißen Decken und Matratzen zu verhüllen und die potentielle Prinzessin auf ihnen zur Ruhe kommen zu lassen. Wälzt sie sich im Schlafe, traumlos, von Unbequemheit in stetig neue Schlafpositionen gedrängt, die ganze Nacht durchwachend und mit rotgeränderten Augen am nächsten Morgen um Kaffee oder ein anderes Bett bettelnd, so handelt es sich bei ihr um eine wahre Prinzessin [oder um jemanden, der auf zu vielen Matratzen wegen Überweichheit des Untergrunds keinen Schlaf zu finden vermag].
Es gibt wohl keine bessere Art, eine Prinzessin auszumachen, als diese Variante. Schließlich ist blaues Blut in Wirklichkeit rot.

Als ich unlängst erwachte und mich von meiner Schlafstelle erhob, vernahm ich ein leises Plastikklacken. Ich schlug die Bettdecke zurück und wurde mehrerer schwarzer Fineliner gewahr, die mit mir die Nacht verbracht hatten. Am Abend zuvor schien ich sie wohl gedankenverloren auf dem bett positioniert und anschließend vergessen zu haben. Doch ich schlief gut. Obgleich die Stifte zweifelsohne unter meinem Leib verweilten, bemerkte ich davon nichts und träumte süß.

Es bedurfte noch nicht einmal der Winzigkeit einer Erbse, geschweige denn unzähliger über ihr gestapelter Matratzen, um meine fehlende Prinzessinnenhaftigkeit aufzudecken. Eine Handvoll Fineliner war genug.

Ich entsinne mich, daß ich schon immer einen guten Schlaf mein eigen nennen konnte, einen Schlaf, der durch nichts zu stören war. Nicht nur, daß ich mich einst rühmte, überall, auch in Diskotheken oder auf dem Rücksitz laut brummender Autos, einschlafen zu können, nein auch im Schlafe selbst vermochte ich durch nichts gestört zu werden.

Nach dem Abitur betätigte ich mich für anderthalb Wochen als Ferienlagerbetreuer für 8- bis 14-Jährige Jungen. Da ich der einzige männliche Betreuer war, stand mir ein eigenes Zimmer zu, das ich nachts zu verschließen pflegte. Denn die Zimmertür zeigte in Richtung des nahen Waldes und war die erste am Orte, so daß potentielle Brandschatzräubermörder mich zwar zuerst aufsuchen würden, aber vor verschlossener Türe stehen und sich unverrichteter Dingen fluchenderweise zurückziehen würden.

Eigentlich weiß ich bis heute nicht, warum ich die Tür verschloß, doch ich tat es. Eines Nachts dann klopfte es wie wild an eben jene Tür. Einer meiner Achtjährigen hatte – wie auch immer – etwas ins Auge bekommen und suchte nun verzweifelt hilfreiche Hände, die ihm das störende Teilchen liebevoll aus dem Auge entfernen und somit ein junges Leben retten würden. Dreimal probierte er es, mit aller Intensität an meine Pforte zu hämmern, dann begab er sich zum Fenster und klopfte erneut viele Male. Erfolglos.

Letztendlich gab er auf und verschied suchte ein anderes Zimmer, eines, in dem die weiblichen Betreuer schliefen. Dort klopfend wurde ihm sogleich Hilfe zuteil, während ich noch immer in seligen Träumen verweilte.
Tatsächlich wurden mir diese Ereignisse erst am nächsten Morgen zugetragen, nicht ohne die unterschwellige Behauptung, ich hätte das hilfesuchende Klopfen bewußt und mit heimtückischer Absicht ignoriert.

Das hatte ich nicht. Ich war und bin nun mal keine Prinzessin, die bei jedem kleinen oder panischen Klopfen oder Erbschen aufschreckt. Mein Schlaf ist fester Natur, und es bedarf weit mehr als dieser Winzigkeiten, um mich zu erwecken. Eines Kusses beispielsweise. Allerdings nicht von einem Prinzen.

FFFfF: Bescherung II

Das ist ja fast wie Weihnachten. Ich habe es geschafft, meinen Rückstand einzuholen und bin mal wieder auf der alten Schiene gelandet. Und schwupps gibt es auch eine Art Fortsetzung des vorangegangenen Comics. Weihnachten läßt grüßen.

Und so.


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FFFfF: Bescherung

Noch immer gelang es nicht, den alten Vorsrpung wieder zurückzuholen. Deswegen gibt es den heutigen Comic erst jetzt. Aber eine neue Idee steht schon bereit und wartet nur darauf, gezeichnet zu werden…


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P.S: Es wurde ja auch langsam mal Zeit, daß der echte Weihnachtsmann hier auftaucht…

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls – „A Is For Accident“]

Dreisilbig

Soeben dachte ich darüber nach, ob es eigentlich dreisilibige Zahlen gibt. Nein, keine dreistelligen, sondern tatsächlich dreisilbige.

Die Zahl Eins hat eine Silbe, wenn man sie ausspricht; Zwei, Drei, Vier, Fünf und Sechs ebenso. Die Sieben hat dagegen schon zwei. Acht bis Zwölf verfügen wiederum nur über eine Silbe. Danach gehts mit zweisilbigen Zahlen: Dreizehn, Vierzehn, Fünfzehn und so weiter. Bis Zwanzig.

Ab Einundzwanzig jedoch folgen keine dreisilibigen, sondern gleich viersilbige Zahlen. Dreißig, Vierzig, usw sind zwar zweisilbige, aber alles, was dazwischen liegt, besitzt vier Silben. Oder mehr. Siebenundvierzig beispielsweise.

Wo sind die Dreisilber hin?

Selbst die Hundert hat nur dann drei Silben, wenn man sie überkorrekt ausspricht: Einhundert..
Bleibt man bei der Überkorrektheit [Heißt das so?], gehen die folgenden Zahlen allerdings nicht als echte Dreisilber durch: Hunderteins, Hundertzwei, Hundertdrei usw heißen ja eigentlich Einhunderteins, Einhundertzwei, Einhundertdrei, … oder noch pingeliger: Einhundertundeins, Einhundertundzwei, Einhundertunddrei…

Das überzeugte mich nicht. Es mußte doch Zahlen geben, die ohne jeden Zweifel dreisilbig sind!

Nach einer Weile dann würde ich endlich fündig:
Eintausend, Zweitausend … bis Zwölftausend – alle diese Zahlen sind tatsächlich dreisilibig.

Ich atmete auf. Na bitte.