atme

atme! alles, was zählt. atme!

mit tiefen lungenstößen kämpfe ich mich aus der flut, reiße mich aus dem schwarzen wirbel, der meinen kopf verschlingt. atme!, denke ich, und ich atme, pumpe sauerstoff durch meinen körper, kalte winterklarheit, die mich meinen aufbegehrenden gedanken verweigert, jene keime töten, die finster lodernd in meinem geist erblühten. atme!, denke ich, und ich atme, höre meine zähne jede erinnerung zerknirschen, zerquetsche sie in geballten fäusten. atme!

dann nehme ich wieder wahr, sehe die menschen, die mich umgeben, fliehe ihre fragenden blicke, bekleide mich mit normalität. die wangenknochen kehren zurück in ihren hautigen käfig, meine finger werfen ihre krämpfe fort, lösen sich voneinander. mein blick entzieht sich dem innen.

und doch: unter dem leder meiner schuhe wölben sich die zehen, birgen in angespannter bewegung ein knirschen, ein quetschen, tilgen jede spür düsterster gedanken, die mich soeben noch umwoben hatte.

und noch immer atme ich, raube luft aus dem äther und presse sie in meinen körper, stoße sie aus, als könnte sie mich mitnehmen, jedes ich aus mir zerren und im außen zerstreuen, auf wegen und straßen, irgendwo zwischen wolken und löschendem regen.

atme!, denke ich noch schwach, stehe neben mir und sehe mich matt pulsieren, mich in mich selbst zurückfinden, einen ersten schritt wagen, die mundwinkel vorsichtig heben.

atme., nicke ich und gehe meiner wege.