Ritzen

Als plötzlich lauthals um Hilfe gerufen wurde und Menschen herbeistürmten, um ihr Möglichstes zu tun, dachte ich, Katastrophales hätte sich ereignet. Selbst als sich die Hilfeschreie in Versuche verwandelten, den Hauptwasserzuleitungshahn zu finden und zuzudrehen, glaubte ich noch, daß eine mittelschwere Überflutung die Gänge befeuchtet hätte. Doch als ich aufstand und nachsah, entdeckte ich nichts. Nur aus der Herrentoilette hörte ich es fröhlich sprudeln. Einen kleineren Wasserrohrbruch erwartend schaute ich nach und entdeckte das Pissoir, das nicht aufhören wollte zu spülen. Unter ihm befand sich eine kleine Wasserlache, doch war sie gefahrlos und nicht bereit, plötzlich zu einer Flutwelle anzuschwellen. Das Pissoir rauschte fröhlich vor sich hin, und ich ging meiner Wege.

Später gab es Grund, die Herrentoilette erneut zu besuchen. Neugierig beschaute ich mir das defekte Pissoir. Man hatte ihm das Rauschen und Sprudeln mittlerweile ausgetrieben und es zu stillstem Schweigen verdonnert. Damit kein Geistesferner auf den Gedanken kam, es dennoch zu benutzen und das funktionsuntüchtige Keramikgefäß mit Nichtwegspülbarem zu füllen, hatte man mehrere Streifen gelb-schwarz-gestreiften Absperrbands über die Pissoiröffnung geklebt.

Nun neige ich ohnehin dazu, die Nutzung von Pissoirs zu vermeiden, so gut es geht. Doch als ich das notdürftig verklebte Gerät sah, überkam mich ein schelmisches Grinsen und der Drang, meiner Pissoir-Meide-Gewohnheit ausnahmsweise nicht nachzugehen. Überall zwischen den Absperrbandstreifen prangten Ritzen und führten mich in Versuchung, meinen Harndrang auszuleben, indem ich sorgfältig in jene Ritzen zielte. Ein uringelber Strahl würde zwischen den Absperrbandstreifen hindurchspritzen und das verklebte Pissoir füllen.
Die Ritzen lockten und grinsten mich an.

Ich widerstand und schloß die Toilettenkabinentür hinter mir. Doch jedesmal, wenn ich an dem gelb-schwarzen Pissoir vorbeilaufe, grinsen mir die Ritzen wieder zu. Und jedesmal halte ich kurz inne und grinse verstohlen zurück.

FFFfF: Solange

Heute möchte ich mal wieder einen kleinen Dank loswerden. Diesmal danke ich jedoch nicht all jenen, die mich unterstützen, jenen, die meine Zeichnungen mögen. Mein Dank gilt heute dem Ohrensessel, einem wahrlich erquickenden DVD-Podcast, dem ich hin und wieder während des Zeichnens lausche – verzückt, wohlgemerkt.

Und so.


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Neujahrsjogger, die

Alljährlich in den ersten Januartagen anzutreffende Spezies, die der Kälte trotzend den in mehr oder minder trunkenem Zustand gefaßten Vorsatz, im neuen Jahr endlich wieder mehr Sport zu treiben, durch laufartige Bewegungen im morgendlichen oder abendlichen Halbdunkel umzusetzen versucht.
Neujahrsjogger haben eine Lebensdauer von nur wenigen Tagen, bilden sich jedoch zu Silvester wieder nach.

Zwei Beobachtungen

Mein gestriger Tag wurde mit zwei Beobachtungen bestückt, die zwar keine Welten bewegen werden, mich jedoch hinreichend intensiv beeindruckten, daß sie an dieser Stelle Erwähnung finden sollen.

Derzeit in Hessen wohnhaft hatte ich längst festgestellt, daß insbesondere sich auf relativ niedrigen sozialen Schichten Bewegende Dialekten frönen, die mir einiges an innerer Übersetzungsarbeit abzuverlangen pflegen. Die auf meiner Arbeitsstelle beschäftigte Reinigungskraft beispielsweise, die im übrigen meinem erfahrungsbedingten Putzfrauenvorurteil genügt, benutzt nicht nur extrem laute, sondern auch extrem unverständliche Worte, die in meinem Schädel erst mühsam gefiltert werden müssen, bevor sie mit einiger Verzögerung den verstehenden Teil meines Hirns erreichen. Vor allem, wenn sie sich aufregt – und das geschieht erstaunlich häufig -, versuche ich oft vergeblich, Ähnlichkeiten zwischen ihrer und der deutschen Sprache zu entdecken.
Doch ich wäre bereit, derlei kommentarlos hinzunehmen, würde sich erwähnte Reinigungskraft nicht erdreisten, nahezu jede einzelne ihrer Tätigkeiten – und sei es der Weg zur nächsten Tätigkeit – mit einem dezibelintensiven „So.“ anzukündigen, das ihrem hessischen Dialekt genüge tut: Das „S“ ist kein stimmhaftes, so wie es von meinen Lippen perlen würde, sondern ein hartes, stimmloses, fast zischendes. Und das „O“ schwebt nicht gemächlich dahin, als langgezogener Laut, der mehr erwarten läßt, sondern peitscht kurz und kraftvoll auf das voranklingende „S“ ein. „Só!“ tönt es aus dem Mund der Reinigungskraft, wieder und wieder.
„Wer ‚So‘ sagt, weiß nicht weiter.“, lehrte man mich einst im Zuge einer Baustellennebentätigkeit. Doch trifft jene Weisheit, von der ich im übrigen wenig halte [Das hatte ich den den Bauarbeitern natürlich verschwiegen.], in diesem Fall keineswegs zu, wird gar mit ihrem Gegenteil konfrontiert.
Nicht anders erging es mir gestern an einer Tankstelle, die ich zuvor bereits mehrere Male besucht hatte. Dort arbeitet zuweilen nämlich eine blond gefärbte Frau mit erschreckend verbrauchtem Gesicht, die nach jeder Redepause ihren Worten ein „So!“ voranstellt. Selbiges unterwirft sich zwar nicht in gleichen Maßen der hessischen Mundart wie das der Reinigungskraft; dennoch tönt es kurz und barsch in meinen Ohren. „So! Guten Tag.“, „So! Haben Sie eine Payback-Karte?“, „So! Das ist ihr Wechselgeld!“, „So! Die Quittung!“, „So! Auf Wiedersehen.“, … Stehe ich am Ende einer mehrpersonigen Warteschlange, so zerfetzt dieses andauernde „So!“ mein eigentlich gut gefüttertes Nervenkostüm in Windeseile. Gestern hielt ich gar den Tankbetrag abgezählt bereit, um möglichst schnell und „So!“-arm entschwinden zu können. Dennoch wurde ich nicht verschont und überlegte, ob dieses unangenehme „So!“ nur in dieser Gegend üblich sei oder nur mir zufälligerweise derart konzentriert über den Weg lief…

Die zweite Beobachtung betraf mich selbst. In einem Raum zu arbeiten, der mit anderen Menschen, mit Telefonen und piepsendem Gerät befüllt ist, erweist sich insbesondere dann, wenn denkintensivere Aufgaben zu bewältigen sind, als ungut und meiner Konzentration abträglich. Und wenn die mehrere Räume entfernt arbeitende Reinigungskraft ihr Tun möglichst geräuschintensiv auszuführen und durch zahllose „So!“s zu begleiten pflegt, sehe ich mich außerstande, klaren Gedanken nachzugehen, die mein Schaffen voranzutreiben vermögen. Also begann ich, meine Gedanken niederzuschreiben: Was ist mein Ziel? Welche Probleme tun sich auf? Wie sähe eine Lösung aus? Was ist an ihr falsch? Was ist gut daran? usw.
Es ist amüsant zu entdecken, daß diese Niederschrift eine Art Selbstgespräch darstellt, zuweilend fortsetzend mit „Noch ne Frage:“, „Naja…“, „Klingt nicht schlecht.“ oder „So weit, so gut.“ Umso mehr überrascht es mich, daß es mir auf diese Art und Weise wesentlich leichter fällt, mich zu konzentrieren – und auch mal ein paar Sekunden innezuhalten, um in Ruhe [in relativer Ruhe, natürlich; denn es lärmt hier mehr oder weniger überall] nachzudenken. Wichtig ist auch, daß es nahezu uninteressant ist, was ich niederschrieb. Ich benötige das Geschriebene nicht mehr. Denn habe ich es einmal zu Papier gebracht, ist es auch in mir. Die Lösung naht, und wenn ich sie umgesetzt habe, bedarf es meines alten Geschriebsels nicht mehr, weil neue Schwierigkeiten darauf warten, schriftlich festgehalten zu werden.
Dieses System, so antiquiert und verschwenderisch, so langsam und unnötig es zu sein scheint, funktioniert – und erweist sich als effektiver als jede blattlose Grübelei.

FFFfF: Karriere

So, Silvester ist vorbei; das neue Jahr hat begonnen. Auch das Weihnachtsfest ist vorbei – Anlaß genug, mein tragbares Festnetztelefon mit einem weihnachtlichen Klingelton auszustatten. Außerdem sind noch ein paar weihnachtliche Altlasten abzuarbeiten: So viele Süßigkeiten und so wenig Zeit…

Und so.


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FFFfF: Das neue Jahr

Frohes Neues und so!

Tut mir leid, daß in letzter Zeit die Kommentare ein wenig spärlich gesät waren, aber mal wieder war für derartiges keine Zeit. Ich pendelte zwischen diversen Städten hin und her und war glücklich darüber, überhaupt einen täglichen Comic realisieren zu können. Wirklich knapp war es nie, aber trotzdem…

Ich wünsche euch auf jeden Fall alles erdenklich Gute. Mindestens.
Und so.


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