Der tägliche Fussel

Wenn ich mich in Richtung meiner Badewanne begebe und dabei sämtlicher Kleidungsstücke entledige, bemerke ich nahezu täglich einen kleinen schwarzen Fussel in der Vertiefung meines Bauchnabels. Es handelt sich dabei keineswegs um Dreck, wie man aufgrund der Farbe vermuten könnte, sondern wohl eher um Abrieb von meinen gleichfarbigen Kleidungsstücken, also keineswegs um widerlichen Ekelbäh.

Da ich nun fast täglich einen derartigen Fussel an mir entdecke, liegt der Gedanke nahe, eine Fusselsammlung – mit dazugehörigem Fusselalbum – anzulegen, um diese in Stunden der Langeweile verzückt und angewidert zugleich hervorzuholen, mit Freunden bei einer Tasse Kümmeltee zu beschauen und womöglich gar zinngußähnliche Formensuche zu betreiben, auf daß mein Schicksal für die nächsten anderthalb Äonen auf das Genaueste be-orakelt werde.

Möglich wäre auch, die Fusseln nicht mehr von mir zu entfernen und die Sammlung sozusagen in meinem Bauchnabel anzulegen. Irgendwann wird dieser schließlich keinen Platz mehr bieten, und die neu entstehenden Fusseln müßten sich einen anderen Platz suchen, an dem sie sich zu gemeinsamen Fusselausschweifungen treffen können. Allerdings bekomme ich ungern Besuch vom hygieneüberwachenden Ämtern, deren Vertreter mir mit paragraphischen Klauseln, Inhaftierungsdrohungen und nicht völlig gewaltlosen Zwangsreinigungen von Bauchnabelfusselsammlungen am eigenen Leibe abraten, und werde wohl daher eine andere Herangehensweise erwählen müssen.

Was wäre, frage ich mich, wenn beim Baden oder Duschen der tägliche Fussel aus meinem Nabel herausgespült und dem Abfluß übergeben würde, wenn der Fussel sich im Rohrsystem unter der Wanne irgendwo verfinge oder festkrallte, wenn täglich neue Gleichgesinnte eintreffen, sich anheften und ein Fusselgeschwür entstehen lassen würden? Dann würde der Abfluß alsbald verstopfen und mein Badezimmer sähe sich mit einer Überflutung konfrontiert, von der womöglich auch unter mir Wohnende unangenehm erfahren würden. Trotz rasch durchgeführter Feuchtigkeitsentferungsmaßnahmen verbliebe ein hämischer Wasserrest in den Wänden und begünstigte die Bildung eines großflächigen Schimmelpilzbewuchses, der sich alsbald auch auf benachbarte Wohnungen, Häuser und Städte ausweiten würde. Und dann stünde der Vertreter eines Hygiene überwachenden Amtes vor meiner ebenfalls schimmelnden Türe, um mich unter Anwendung berechtigter Gewalt abzuführen und in unterirdischen, blitzblank geputzten Verliesen zu foltern. Keine gewöhnliche Folter übrigens; allein der Gestank chemischer Reinigungsmittel und das grelle Glänzen des penetrant sauberen Bodens ließen permanente Kopfschmerzen in mir erblühen, die alsbald Blutgerinnsel und einen langsamen Tod mit sich bringen würden.

Auf derlei möchte ich gerne verzichten, weswegen ich plane, das abfließende Badewannenwasser filtern zu lassen. Ein Fusselsieb muß her, ein Bauchnabelfusselbadewannenabflußsieb, um genau zu sein. Doch woher ich ein solches bekommen soll, kann ich nicht erahnen.

Leichter wird es vermutlich sein, ein hübsches Album zu erwerben, für das ich den täglichen Bauchnabelfussel vor dem Ganzkörperbefeuchten von mir etnfernen und gesondert verwahren werde. Das erspart mir einen qualvollen Tod und schafft zugleich ein neues Hobby. Ich werde meine Fotokamera zücken und die tägliche Nabelfüllung ablichten. Dann stelle ich die Bilder ins Internetz – „Der tägliche Fussel“ wird meine Seite heißen, und Staunende aus aller Welt werden die gesammelten Bilder betrachten wollen. Und wenn mir der wachsende Ruhm zu Kopfe steigt, dann werde ich allmählich beginnen, meine ewig schwarzen Kleidungsstücke durch farbigere ablösen zu lassen, auf daß gänzlich neuartige Bauchnabelfusselei entstehe. Überall werden Weblogs aus dem Boden sprießen, die meine Fusselsammlung imitieren, ja erweitern, die von den Fusseln zwischen Zehen und hinter Ohren berichten. Ein neuer Markt wird geschaffen, eine neue Generation geboren. Menschen werden aufhören sich zu waschen, um mehr und mehr Fussel zu kreieren – bis eines Tages ein Vertreter eines für Hygiene zuständiges Amtes vor meiner keineswegs schimmelnden Türe steht und mich höflich [allerdings nicht ohne die nötige Gewalt] darum ersucht, offiziell auf meine Vorbildfunktion zu verzichten und die zahlreichen Nachahmer, die mittlerweile ein Inferno der Unhygiene geschaffen haben werden, zu mehr Sauberkeit zu animieren. Ich werde zögern, doch schließlich zustimmen, als ich erblicke, was er mir als Bestechungsgeldersatz darbietet:
Ein Bauchnabelfusselbadewannenabflußsieb.

FFFfF: Unter mir

Der heutige Comic entstand mehr oder minder sturmbedingt. Denn meine Bahnfahrt verlängerte sich letzten Freitag netterweise von viereinhalb auf über achteinhalb Stunden. Da ergab sich zwischendurch – als kurz vor dem Ziel kein Zug mehr fuhr und ich allmählich zu verzweifeln begann. Obwohl: Eigentlich verzweiflete ich nicht, blieb ruhig und ständig zuversichtlich. Und gutgelaunt.
Es lohnte sich. Letztlich kam ich an – und war noch immer strahlender Laune. Und um einen Comic reicher.

Und so.


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Ozean

‚Fang mich!‘
singt der Ozean
ich öffne alle Arme
vom Himmel stürzt ein wogend Blau
mir strömend sanft entgegen

ich fange
halte
halte still
als feuchte Flut die Hand benetzt
als zwischen weißgepreßten Fingern
ein Meer
ein Licht
ein Sinn
entsteht

‚Fang mich!‘
singt der Ozean
ich lächle stumm und halte
in meinem Arm
in meiner Hand
ein Blau aus sieben Himmeln

und wuchernd drönt der Wellen Schlag
mit Schaum an die Gestade
die Flut erwacht an meiner Brust
erbauend tausend Türme

in meiner Hand erwacht der Tag
Geschichten summen leise
von Salz und Tang
von Endlosblau
und Gutem
das da werde

‚Fang mich‘
singt der Ozean
mein Lied versinkt in seinem
er schwillt und wächst in meinem Arm
und reißt die Tränen fort

die Flut umspült mich
fängt mich ein
das Meer ertränkt die Sinne
und Gischt erhellt mein lachend Haupt
und Naß erqickt die Seele.

Das weite Blau aus meiner Hand
quillt rasch und licht zu Wellen
und jede Woge
jede Flut
reißt mich vom Nichts ins Sein.

[Im Hintergrund: Empyrium – „A Retrospective“]

FFFfF: Lektion 1

Feder und Tusche habe ich mal beiseite gelegt. Dennoch mache ich wahr, was ich bereits andeutete: Die Fortsetzung der gestrigen Thematik: Fliegen.
Wieviele Lektionen es geben wird, ist noch nicht gewiß. Ich verspreche aber: Mindestens noch eine.

Und so.


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Hier

… benutzen Straßenkehrer noch echte Reisigbesen – und ich frage mich jedesmal, wenn ich ihrer gewahr werde, ob diese hinsichtlich Preis und Funktionalität besser seien als heutzutage eigentlich übliche Besen oder ob jahrelange Besenforschung vergebens waren, weilte Besen doch besser kehren als neuartige…

… gibt mir ein Dönermann ungefragt Studentenrabatt [Sehe ich wirklich soo studentisch aus?], der den Dönerpreis exakt auf das Niveau senkt, das bei allen anderen Dönermännern [und -frauen!] üblich ist.

… verlangt man bei der außerortlichen Walddurchfahrt eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h in unangenehmeren Kurven und begründet dies mittels eines Schilds mit der Beschriftung „Darum 40 km“ [Die falsche phyiskalische Einheit berührt mich längst nicht mehr.], das jedoch am linken Straßenrand steht und wohl ein verunfalltes [brennendes?] Auto zeigt, welches jedoch schwer zu erkennen ist – insbesondere weil man, wenn man das Schild betrachtet, den Blick auf die scharfe Kurve auf gefährliche Weise vernachlässigt und alsbald in den Leitplanken zu enden droht.

… neigt man dazu, die Kunden bei Kartenzahlung nicht mehr darüber zu informieren, wie sie das Kartenzahlungsgerät [„Karte reinstecken. Warten. Pin eingeben. Einmal/Zweimal Bestätigen.“] zu handhaben haben [Stottere ich?], was mich verwundert, weil doch verschiedene Geräte unterschiedlichst zu bedienen sind und mich zuweilen etwas unschlau aussehen läßt, zum anderen aber auch erfreut, weil den Kunden somit unterstellt wird, sie hätten die nötige Intelligenz, um dieses Gerät hilfsbefreit nutzen zu können.

… sind niemals ausreichend Saturn-Kassen besetzt.

… stellt man an Straßenränder einmetergroße Comickinder auf, die lachend in Begriff zu sein scheinen, auf die vielbefahrene Straße zu rennen. Ich überlege bei jeder Sichtung, ob ich mit ihnen [oder – ob des geringen Zeichenrealismus‘ – über sie] lachen soll – und somit verkehrsriskanter Unaufmerksamkeit fröne oder ob ich mich während meiner Geschwindigkeitsübercshreitung standesgemäß erschrecken, panisch auf die Bremse, das Auto schlingern und auf den Fußweg ausbrechen lassen soll, wo ich ein oder zwei spielende Kinder überrolle.
Daß nach einem solchen „Schild“ ein Blumenladen mit einem in ähnlichem Stil gezeichnete, fast manngroßen Gärtner wirbt, der eine Tafel in der Hand hät [„Im Angebot: Grabgestecke“] verwirrt mich zusätzlich.

[wird evtl fortgesetzt]

FFFfF: Der große Traum

Der heutige Comic setzte sich unlängst im Zug einfach so in meinen Schädel. Ich warf ihn hin udn her, bis er letztlich so gelang, wie ich es mir ersehnte. Nun brauchte ich ihn nur noch zeichnen [erneut mit Feder und Tusche], und der Gedanke erwachte in mir, daß die Thematik es vielleicht wert wäre, in weiteren Comics behandelt zu werden.

Mal schaun…
Und so.


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