Heute

Ein ermüdender, aber ereignisreicher Abend liegt hinter mir. Noch immer zehre ich heimlich davon, lehne mich sanft in die Kissen zurück und freue mich über meine Gemütlichkeit.

Als ich heute erwachte, klingelte kein Wecker. Der Tag war längst angebrochen und schien vergnügt in mein Zimmer. Angenehme Worte begrüßten mich in virtuellen Welten. In der Wirklichkeit war es still, angenehm still. Vor er Haustür begrüßte mich der Frühling. Trotz verringerter Zahl meiner Kleidungsstücke war mir zu warm. Schön. Überall vernahm ich Vogelgezwitscher. Erste Joggerinnen rannten durch die Gegend und mieden die Beete mit den erblühenden Krokussen.

‚Heute fühle ich mich schön!‘, dachte ich und ging vergnügt meiner Wege.

Totale Fickende Dunkelheit

Zum gestrigen Tag sollten eigentlich unzählige Worte verloren werden. Doch ziehe ich es vor, mir mühsam und schmerzintensiv die verfilthten Haare zu bürsten und anschließend stundenlang unter der Dusche zu verschwinden.
Rückblickend sei aber zumindest erwähnt, daß das gestrige Konzert eines der besten war, an denen ich je beiwohnen durfte…

Menschen

Ein molliges Mädel kommt mir entgegen, führt ihren Freund an der Hand. Auf ihrem dunkelblauen Kapuzenpullover lese ich in Brusthöhe die Worte „5UCK.MY.D1CK“. Verwundert wende ich mich ab.

An der Kasse steht vor mir ein Türke. Auf den ersten Blick wirkt er dümmlich, doch sein Lächeln ist echt. Er kauft Papers und Lamm. Mehr als 5 kg Lamm. Beinstücken und Hackfleisch. Gefroren. Was macht er wohl damit?

Zwei ältere Frauen stehen hinter mir. Sie schimpfen über Dinge, die meiner Aufmerksamkeit entgingen. Parallel unterhalten sie sich über die Zeitschriftenstapel in ihren Einkaufstaschen. Rätselzeitschriften. (Haus)Frauenzeitschriften. Die beiden wirken wie fleischgewordenen Klischees ihrer selbst.

In der Straßenbahn sitzt ein Angetrunkener, die offene Bierflasche in der Jackeninnentasche verstaut. Er schaut aus dem Fenster, brummelt irgendetwas und schüttelt traurig-lächelnd den Kopf. Ich würde ihn gerne verstehen, höre hin, schaue hin, folge seinem Blick. Doch ich vernehme nichts, erkenne nichts. Erneutes Kopfschütteln und weitere Monologe. Ich bin voll von Neugier und Mitleid. Eine eigenartige Mischung.