Menschen 12

Inmitten eines Einkaufcenters vernehme ich einen nervigen Handy-Klingelton. Ich drehe mich um und sehe einen älterer Mann sein Mobiltelfon zücken. Er selbst entspricht dem typischen Rentner-Klischee, trägt eine alte Lederjacke, die sich über sein Bierbäuchlein wölbt, eine getönte Brille und einen Opa-Hut auf ergrautem Haar. Er telefoniert, und ich bekomme Gelegenheit, das Handy in seiner Hand zu betrachten: Ein älteres Modell von Nokia, allerdings knallig grün, und ein quietschgelber Tweety grinst mir entgegen…
Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet.

Vernichtungsvergnügen

Am Copyshop befand sich ein Aufsteller, über die universitäte Personalratswahl informierend. Wohl um Aufmerksamkeit zu erregen, war er mit zwei Luftballons geschmückt worden. Als ich vorbeiging, stupste ich einen von ihnen sanft an. Doch meine beringte Hand schien fatale Folgen zu erwirken: Der Ballon platzte.
Ich selbst erschrak, nur kurz, dann schmunzelte ich. Ich hatte den Ballon nicht vernichten wollen.
Doch für einen Augenblick ging es mir besser.

Eigenlügen

Im Kopf dröhnt das Unmögliche der Gegenwart, die Last des Künftigen, kriecht tief in die Runzelfalte meiner Stirn. Die Sonne verblendet meine Augen, zieht Tränen aus meinem Schädel.
Laß mich nicht allein, flüstere ich den Menschen zu, zu lautlosem Schweigen verstummt. Laßt mich nicht mit mir allein, nicht mit meinen Gedanken, meinem Wissen, nicht mit den Worten in meinem Geist, die wissen, die ahnen, die sehen, mich quälen mit dem, was ist, was sein könnte, was niemals wird. Laßt mich nicht allein, nicht allein mit mir selbst, laßt mich nicht die Falschheit meiner Eigenlügen durchschauen, laßt mich nicht mich selbst hinterfragen, laßt mich nicht den Schmerz der Erkenntnis spüren, daß mein Agieren nur Maske ist, ziellos in den Wolken trudelt, während meine Schritte im Stillstand versacken. Laßt mich nicht allein, ohne Worte, die mich verdrängen, meine Eigenworte verhüllen, vor mir selbst verbergen, ohne Worte, die mich glauben machen, ich wäre noch immer lebendig.

Der morgendliche Wurm im Ohr 23

Aufzuwachen und zu begreifen, daß der neue Tag sich mit altbekannter Trägheit ankündigt, weil das Unerledigte seine bedrängenden Schatten auf die Gegenwart wirft, nicht losläßt, sich mit Klauen in mein Inneres schlägt und mich lähmt, mit Furcht beseelt, zurückhält, jeden Schritt zum Stillstand degradiert.
‚Laß mich fliehen!‘, flehe ich – und stehe auf.

Der heutige Wurm in meinem Ohr ist
WIZO mit „Quadrat im Kreis

So fehlt zur letzten Konsequenz
einmal mehr das bißchen Mut
und die paradoxe Wut darüber
wird im Traum ertränkt
von der beschissenen Leichtigkeit des Scheins