With eyes wide open

Es ist nichts. Nur das Gefühl, niemals die Augen schließen zu wollen, nicht zu schwinden, um aufzuerstehen, aufzustehen in ein neues, altes Morgen, nicht wieder beginnen zu müssen, nicht ein weiteres Mal das Gestern abzustreifen, die alte Hülle zurückzulassen, als wäre die neue nicht längst vernarbt und mit selbem Schürf bedeckt.

Eine stille Angst vor dem Morgen, vor dem Werdenden, und der lächerliche Gedanke, alles Zukünftige ungeschehen machen, mich jedem Kommenden verweigern zu können. Den Schlaf, die Träume meidend, als wären sie des Übels Grund, sie, nicht ich, der unter schützenden Decken dem Stillstand frönt, voranschreitet, ohne die eigenen Schritte sehen, erfassen, zu können, als liefe ich des Laufens wegen, nicht, um irgendwann anzukommen.

Die Füße schmerzen. Blei befällt die Augenlider. Fang mich doch, kichere ich dem Schlaf irrsnnig ins Gebälk, als könnte er mich hören, als könnte ich entfliehen. Vergeblich, ich weiß, doch ein stiller Trost, ein Rachefeldzug an mir selbst, fortzueilen, durch das Gestern zu hetzen, bis die Stille mich überfällt und meine Tränen von weichen Kissen absorbieren läßt.

Ich liebe dich, flüstere ich in die taube Leere, spüre die Worte im Dunkel versickern. Vor meinen geschlossenen Lidern erstarrt die Welt.

Hitler nervt

Das Erste Deutsche Fernsehen strahlte heute [eigentlich gestern, ich weiß] die zweiten Teil des Absolut-Toll-Films „Der Untergang“ aus, der Milliarden Zuschauer deutschlandweit vor die Flimmerkisten zerrte und auch für kurze Zeit im Mitbewohnerinnenzimmer düster vor sich hinflackerte.
Herauseilend stellte ich fest, das nicht ertragen zu können, weniger, weil der sich in meinem Kopf befindliche Zweiter-Weltkriegs-Thematik-Überdruß die sich mir darbietenden Szenen mit nahezu blasphemischer Ignoranz zu übertünchen versuchte, sondern vorwiegend, weil mich Hitler nervte.

„Hitler nervt!“ schreiend hätte ich durch den Wohngemeinschaftsflur laufen können und keiner hätte mir meine pazifistisch-antifaschistisch angehauchte Bemerkung verübelt, wäre mein Denken nicht in völlig anderen Bahnen gefangen gewesen:

Jedes einzelen Wort, das der Hitler-Darsteller sabbernd von sich gab, klang wie der Ausschnitt aus einer Rede, fast so, als hätte Hitler irgendwann vergessen, daß es ja auch zuweilen angebracht wäre, in normalem, parolenfreien Ton zu reden. Hitler, besser: Bruno Ganz, klang wie eine der unzähligen schlechten Parodien seiner selbst, nein vielmehr wie ein ideologischer verblendeter Donald Duck [Das schlechte Wortspiel, falls auffindbar, ist beabsichtigt.], so daß ich während der weniger Lauschminuten Mühe hatte, dem Geredeten Inhalt entnehmen zu können.

Daß SpongeBob-Episoden einen befriedigenden, aber keineswegs annähernd anspruchsvoller Ersatz darstellen, erfuhr ich kurz darauf, allerdings ohne mich daran zu stören oder von Patricks aufgemaltem Schnurrbart an die nervende Seitenscheitel-Comicente erinnert zu werden…

[Im Hintergrund: The Cure – „Where The Birds Always Sing“]

FFFfF: Die Liebe …

Und dann war da noch die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, neue Figuren einzufügen, deren Antwort ich erahnte, mit dem heutigen,
32. „Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter“-Comicstrip aber verifiziere.

Was bleibt, ist zu erwähnen, daß ich den heutigen Comic schon vorgestern zeichnete und mir gestern [was in meinem Kopf irgendwie noch „heute“ ist] eine Ruhepause gönnte, obgleich ich sicherlich die Möglichkeit hätte nutzen können, meinen Vorsprung auszubauen.

Doch wofür? Um an anderen Tagen mehr Zeit zu haben? Um Beruhigung in einem Polster zu finden, das mich beunruhigt, weil ich die Werke endlich veröffentlichen möchte? Um meiner beeindruckenden Kreativität Ausdruck zu verleihen, weil es so aussieht, als könnte ich Comics im Fließband produzieren? Weil ich, wenn ich mehrere Werke an einem Tag schaffe, einer Thematik leichter treu bleiben kann?
Vielleicht. Doch wen interessiert’s? Mich nicht.

Ich finde es verwirrend genug, in meinem mittlerweile extra angelegten Hefter [der sich in einer extra angelegten Mappe befindet] nachzuschauen, welcher Comic denn heute an der Reihe ist – nicht zuletzt weil mir der fehlende Bezug die Möglichkeit raubt, im Vorwort präzise Insiderinformationen von mir zu geben…

Nun ja.


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[Im Hintergrund: The Cure – „Labyrinth“]

„Brief“ – Eine Kurzgeschichte

Einst rief eine Zeitschrift zu einem Wettbewerb aus, bei dem eine in Hundert Jahren spielende Handlung verlangt war – allerdings in 200 Wörtern ausgedrückt. Das rang mir einiges an Wortkürzungsmühen ab – und führte letztendlich zu keinem Erfolg.
Das ist weniger schade, weil ich nichts gewann, sondern weil ich eine eigentlich gar nicht so schlechte Idee zu einem 200-Wort-Krüppel verstümmelte, um an dem Wettbewerb teilzunehmen.
Bevor ich aber diese Verstümmelung wieder umkehre [Keine Ahnung, ob das jemals geschehen wird.], gibt es den erfolglosen Beitrag zu lesen.

Der Versuch, die Gefahr abzuwenden, scheiterte längst. Die Evolution verwelkte auf ihrem Höhepunkt. Der Menschheit droht die Degeneration, der geistige und körperliche Zerfall.

Jahrelang suchte ich nach einem Ausweg, studierte, forschte – doch fand nichts. Nichts, außer dem Pfad, den ich nun beschreite.

Technik erleichtert jede Tat, plant voraus, spart Zeit, Mühe. Die Allgegenwart der Informationen erübrigt Wissen. Menschliches Denken setzt nur noch Impulse, machte sich selbst längst überflüssig. Kein Gedanke, kein Schritt, ohne unterstützende Maschinen. Selbstgenerierend, selbstoptmimierend, perfekt.

Als die AirBots die Atmosphäre renaturisierten, atembare Luft produzierten, schien auch die letzte Überlebenssorge der Menschheit getilgt.
Doch die Menschheit kränkelt. Ihr Dasein hat längst keine Berechtigung mehr. Was wäre ein Mensch ohne Maschinen?

Den OmniVirus zu programmieren, war simpel, ihn in das WorldNet einzuschleusen, nicht minder.

Warten.
Die ersten AirBots sind bereits befallen. Mit ihnen beginnt die Seuche, die digitale Sintflut. Der Rest wird folgen.
Bin ich Gott?

Das Maschinensterben setzt ein. Eine große Stille wird kommen. Ich weiß es, genieße die Vorahnung, suche Überlebende in ihr, Überlebende, die sich besinnen, die neu beginnen, einen richtigeren Weg einschlagen werden.

Ich bedaure, daß mir dieser Anblick verwehrt bleiben wird.

Grundsatz jedes Maschinenwesens: Diene dem Menschen.
Ich diene. Ich helfe.

ZX-VZ-114

[Im Hintergrund: The Dresden Dolls – „Coin-Operated Boy“]

Quietschsucht

Eine befremdliche Sucht hat mich befallen, vielleicht als Ausdruck meiner unbegründbaren Nervosität, vielleicht aufgrund meines steten Spieltriebs, vielleicht auch nur wegen des provozierend unangenehmen, zugleich aber verlockend-interessanten Geräuschergebnisses…:

„Durch fünfmaliges Drücken der Umschalttaste wird die Einrastfunktion aktiviert. Mit dieser Funktion kann die Umschalt-, Strg-, Alt- oder Windows-Logo-Taste ohne gleichzeitigen Tastendruck auf andere Tasten verwendet werden.

Klicken Sie auf „OK“, um die Einrastfunktion zu aktivieren.
Klicken Sie auf „Abbrechen, um die Einrastfunktion zu deaktivieren.
Klicken Sie auf „Einstellungen“, um die Tastenkombination für die Einrastfunktion zu deaktivieren.

Das Quietschgeräusch, mit dem dieses nette Popup auf dem Bildschirm auftaucht, ist genial. Zuerst erschrecke ich mich. Jedesmal.
Und dann, wenn ich mich beruhigt habe, versuche ich es erneut, mutwillig, provoziere das erschreckende Quietschen, erfreue mich daran, drücke „Esc“, um den Dialog verschwinden zu lassen, und dann wieder fünf Mal „Shift“. Quietsch. Ein Gesichtsgrinsen klebt zwischen meinen Ohren.

Unter „Einstellungen“ fand ich heraus, daß man diese Funktion abstellen kann. Ich war so frei.
Nun bin ich zwar eines steten Schreckens beraubt, aber auch einer skurrilen Sucht…

[Im Hintergrund: Virgin Black – „Elegant … And Dying“]

Die Zukunftsferne der Gegenwart

Fortschritt und Entwicklung bestimmen unser Weltbild. Stagnation ist nicht erwünscht, ja verschrien als ungut, als gefährlich. Der stete Wunsch, sich weiterzuentwickeln, alles neu und neuer zu machen, jede Kleinigkeit zu verbessern, zu steigern, jede Minute Produkte von beeindruckender Zukunftsnähe auf den Markt zu werfen, beherrscht uns, unser Denken und Handeln. Die Technik siegt und mit ihr der Wunsch, deren Fehler und Unzulänglichkeiten zu kompensieren, auf daß alsbald ein schickeres, handlicheres Gerät mit größerem Funktionsspektrum das aktuelle ablösen möge.

Und dann wache ich auf. Eine Kreissäge kreischt auf dem Hof ihr wildes Lied. Ich erinnere mich, am Vortag die Ladung Steine gesehen zu haben, die auf der bisher brach liegenden Fläche verlegt werden soll. M hofft auf einen akzeptablen Fahrradunterschlupf; ich selbst wage nicht zu hoffen, lausche nur dem penetranten Gesang der Säge. Ein Innenhof, in dem leiseste Handy-Klingeltöne, geflüsterte Worte und sporadisches Mülltonnendeckelklappen durch mehrfach gebrochene, reflektierte Echos in jedes offene Fenster gelangen, mit penetranter Präsenz die Eigenstille stören, erscheint in meinen Augen wenig geeignet zur Position einer Stein zersägenden Maschine. Doch was wäre die Alternative?
Straßensägen mit anschließendem Steineschleppen – eine unzumutbare Bauarbeiter-Zusatzbelastung, die besser durch Mieter-Zusatzbelastung minimiert werden sollte.

Der Fortschritt durchzieht die Gefilde unseres Daseins, technisiert jeden Schritt auf unserem Lebensweg. Doch es gibt Bereiche, die ausgespart werden, Bereiche, in denen der Versuch, zukunftsoptimierende Maßnahmen einzuleiten, nur begrenzt möglich ist. Auf dem Hof arbeitet der Bauarbeiter, und ich finde in ihm das beste Beispiel, in ihm und seinem Versuch, eine leere Fläche zu pflastern.

Ja, ich gebe zu, daß die Industrie ihr Scherflein dazu beitrug, die Gegenwart einkehren zu lassen, indem sie genormte Pflastersteine erfand, die allesamt gleich groß, gleich schwer und vor allem ineinander passend produziert werden. Ich gebe zu, daß vor Unzeiten mangels Strom auch die kreisende Säge ihren schrecklichen Gesang nicht verbreiten, ihre pflastersteinschneidendes Tun nicht praktizieren konnte. Doch damals, ich präzisiere meine Zeitangabe nicht näher, nutzte man einfach kleinere Steine – oder verzichtete schlichtweg darauf, Linienpräzision walten zu lassen.

Heute funktioniert das nicht mehr. Die genormten Standardsteine müssen verwendet werden, und sei es durch nervtötendes Zusägen. Doch betrachte ich die Arbeit des Bauarbeiters, so frage ich mich, inwieweit sie Gegenwartbezug gewonnen und ihre klassischen Vorfahren ersetzt hat. Denn nachdem ein modernes Fuhrwerk eine Ladung Steine vor die Haustür brachte, mußte der Bauarbeiter diese zunächst verlagernd auf den Innenhof kutschieren, um dann zu pausieren und anschließend damit zu beginnen, die Steine einzeln und paßgenau zu verlegen. Jeder Stein mußte angehoben getragen, vorsichtig niedergelassen, und präzise eingepaßt werden. Der Abschluß bildete stets – wie vielleicht schon unter Herrn Cäsar – eine vorsichtige Hammerbenutzung, um den Stein an seiner Position zu verfestigen.
Und schon wartete der nächste Stein und mit ihm der gleiche monotone Ablauf darauf, unzählige Male wiederholt zu werden.

Ich bin jedesmal beeindruckt, wenn ich Straßenpflasterer beobachten darf, wenn ich sehe, welche Straßenstücke sie nach stundenlanger Arbeit mit ihrem Werk versehen haben, wenn ich begreife, daß die römische Sklaven wohl ähnlichen Diensten, mit ähnlichen Werkzeugen agiert haben müssen [allerdings ohne deren heutige, ergonomisch geformte Griffe].

Das Asphaltieren und Teeren, das flächendeckende Betonieren, stellt in der Gegenwart insbesondere für Gehwege keine annehmbare Alternative dar – und selbst diese Arbeit ist bereits Jahrzehnte alt und längst nicht in der Gegenwart angekommen, obgleich stylisch designte Maschinen das Gegenteil zu behaupten versuchen.

Und immer wieder entdecke ich andere Bereiche unserer Existenz, deren Vergangenheitsähnlichkeiten mich überraschen, mich fragen lassen, ob die an dieser Stelle fehlende oder nur lückenhaft vorhandene, zukunftsnahe Gegenwart nun ein gutes oder schlechtes Zeichen darstellt, ob ich mich darüber freuen sollte, Altes bewahrt zu finden oder angesichts der fehlenden Neuerungen traurig mit dem Kopf schütteln sollte…

[Im Hintergrund: My Dying Bride – „The Forever People“]

FFFfF: Zweischneidig

Der 31. „Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter“-Comicstrip wartet darauf, gelesen zu werden. Und wieder freue ich mich ankündigen zu können, bei der Thematik geblieben zu sein. Ich gebe sogar zu, daß der morgige Comic thematisch ähnlich aufgebaut sein wird. [Ich hoffe nur, das schreckt jetzt niemanden ab.]

Was ich zu erwähnen vergaß, war, daß ich den Comic allen Wurm-Freunden gewidmet hatte. Das war aber sicherlich offensichtlich anhand der Überpräsenz des kleinen Weichtiers auf allen vier Panels.

Nicht minder bedeutsam sind die Never Asked Questions, die zu beantworten [und zu stellen] ich die Ehre hatte.

Und so.


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[Im Hintergrund: Nine Inch Nails – „Love is Not Enough“]

Böse Absichten

Angreifer 1 verhält sich passiv und versucht, durch Abhören der Übertragungsstrecke vertrauliche Daten zur mißbräuchlichen Verwendung auszuspähen.“
[aus: Klaus Finkenzeller – „RFID-Handbuch]

Man merkt, daß ich versuche, meine Studienarbeit voranzutreiben. Allerdings soll es darum nicht gehen, sondern nur eine Wortgruppe erwähnt werden, die mir sehr gefällt:
zur mißbräuchlichen Verwendung.

Das klingt gut, wirklich gut.

Wenn ich das nächste Mal irgendetwas Befremdliches fordere oder wünsche, kann ich die auftauchende, mißtrauische Frage mit einer optimalen, freundlich-höflichen Antwort bestücken:

„Wofür brauchst du das?“
„Zur mißbräuchlichen Verwendung.“
„Ach so. Na, dann ist ja gut.“

[Im Hintergrund: Mortiis – „The Worst In Me“]

FFFfF: Maskerade

Juchhu! Eine weitere runde Zahl ist erreicht. Ich freue mich, halte das Vorwort aber kurz und präsentiere den 30. „Fledermaus Fürst Frederick fon Flatter“-Comicstrip, der übrigens die Thematik des gestrigen Werkes fortsetzt…

Und so.


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[Im Hintergrund: Stillste Stund – „Nexus“]

FFFfF: Das Gänseblümchen-Prinzip

Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, daß ich heute mal wieder mit sich leerenden Stiften zu kämpfen hatte, weil es vermutlich auf Dauer nervt, diese Worte lesen zu müssen.

Interessanter ist hingegen der nicht unbedeutende Umstand, daß ich mir die Freiheit nahm, dem lieben Frederick einen eigenen Weblog zu basteln, in dem ab sofort unter http://frederick.twoday.net der tägliche Comic erscheinen wird.

Der Grund für den Extra-Blog liegt in dem Gedanken, daß es womöglich Menschen geben könnte, die sich ausschließlich für Fred und nicht den morastchen Krimskrams drumherum interessieren [potentielle Verleger beispielsweise ;)].
Außerdem war ich der Ansicht, daß es Fred verdient hat, allmählich einen eigenen Weblog zu besitzen.

Allerdings gehört Fred irgendwie imemr noch zu Morast, weswegen ich mich dazu entschloß, parallel zu veröffentlichen. Der tägliche Comic wird deswegen auch hier, unter morast.twoday.net, zu finden sein, so daß keine zusätzlichen Klickmanöver vonnöten sind.

Das einzige „Problem“, das sich dabei ergeben könnte, ist, daß sich die Kommentare spalten. Allerdings stört mich das nicht sonderlich.

Also, schaut mal vorbei, wenn ihr nichts zu tun habt.

In diesem Sinne.


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P.S.: Ich hoffe, es fiel auf, daß ich heute nicht übermüdet zu sein scheine…

[Im Hintergrund: The Vision Bleak – „Carpathia“]