Ins Nichts gedacht

Gern würde ich dich halten, mit dir zusammen jegliche Zeit anhalten, durch alle Welten wandeln, mit feixendem Antlitz fremden Menschen begegnen und unsere Liebe tausendfach teilen, jeden Tag zu unserem schönsten erklären.

Gern wäre ich der Frosch, durch dich zum Prinz geküßt, der Prinz, der dich aus dunkem Turm befreite, fühlte dich in mir, als fühlte ich mein Herz pulsieren, träumte mit dir, träumte von dir.

Gern hielt ich stundenlang den Atem an, um reglos dich zu betrachten, stillzustehen, verzückt von deiner Göttlichkeit, in deinen strahlenden Augen gefangen.

Jeder meiner Atemzüge kannte deinen Namen, flüsterte ihn lachend in sanfte Frühlingswinde, hauchte ihn bedürftig, bedächtig, liebend, in meine Sinne.
Gern würde ich dich halten, dein Leben an mir spüren, als wäre es ewig.

Insomnis

Erstaunlicherweise stelle ich an jedem Abend das Gleiche fest, ohne mich von dieser keineswegs nützlichen Angewohnheit zu trennen (oder auch nur trennen zu wollen):

Wenn der 20.15-Film in den letzten Szenen liegt, meine Mitbewohner sich allmählich auf Bäder und Betten [in dieser Reihenfolge] hinzubewegen gedenken, bleibe ich noch wach, erkunde Innerwelten und ferne Gedanken, schließe meine Zimmertür und lasse die Zeit außen vor. Aus den verstaubten Lautsprecherboxen dümpeln ruhige Dunkelklänge und entreißen mich meiner Welt. Ohne es zu bemerken, lächle ich meiner Sehnsucht zu, begrüße sie wie einen alten Freund, forme wortlos unsagbare Gedichte, tanze reglos im Takt meines klanglosen Singsangs. Für einen Augenblick halte ich den Atem an, spüre die Ewigkeit meine Seele streifen, denke an dich, wer immer du sein magst.
Irgendwann erwache ich aus mir, um mich unter Decken zu verkriechen und in Traumwelten zu flüchten, suche ermattet den Schlaf wie ein Dürstender den Fluß, lasse mich treiben, um mich erneut zu verlieren. Ein letzter Blick gilt der Gefühllosigkeit meines Weckers, gilt der Zeit, die den Weg zu mir gefunden hat und mich strafend betrachtet.
Ich höre das Läuten, bevor es erklingt, erwache von der Ahnung, einen neuen Tag bewältigen zu müssen. Dem Kommenden ahnungslos ausgeliefert suche ich Schutz in körperwarmen Laken, in verblassenden Träumen, kämpfe kraftlos gegen Müdigkeit und Erwachen zugleich. Resignierend erhebe ich mich, schleppe meinen Leib unter lebendig brausendes Wasser, in knittrige Kleidungsstücke mit Waschmittelgeruch und schwöre feierlich mit triefender Zahnbürste, den kommenden Abend mit Schlaf, mit nichts anderem als Schlaf, zu befüllen.
Wenn der Tag dann schwächelnd hinter der Finsternis versinkt und meine Mitwelt die schweren Lider müde schließt, beginne ich jedoch erneut mit meiner Flucht aus dem Ausweglosen, mit meiner Suche nach dem Namenlosen, mit meiner Sehnsucht nach dem Unfindbaren, bis daß der Schlaf mich wieder fängt und mir selbst entführt…

Traumfänger

In letzter Zeit achte ich häufiger auf Automobilinnereien, insbesondere auf Rückspiegelbehängungen. Jedoch interessiert mich eigentlich kaum, mit welchem Sinnloskram sich Autofahrer das Sichtfeld beschränken, sondern ich suche nach Dingen, über die ich mich immer wieder aufregen kann: Traumfänger.

Vermutlich hat ein jeder von uns schon mal Blickkontakt zu einem Traumfänger gehabt: Ein hölzerner, kreisrunder Reifen aus Weide [oder holzimitierendem Kunststoff], der mit einer Art hauchdünnem Netz bespannt und dekorativ mit Perlen und Federn behängt ist. Traumfänger dienen indianischem Glauben zufolge dazu, böse Träume zu fangen. Über dem Nachtlager aufgehängt funktioniert der Traumfänger wie eine Art Filter und läßt nur die guten Träume durch seine Maschen schlüpfen. Dagegen ist nichts einzuwenden, nicht nur weil Traumfänger im Allgemeinen durchaus angenehm anzusehen sind. Auch die Funktionalität möchte ich den Traumfängern nicht absprechen.

Doch ich frage mich immer wieder, was Traumfänger an Automobilrückspiegeln zu suchen haben.

Ja, ich weiß, es gibt Menschen, denen zuweilen nichts anderes verbleibt, als in ihrem Gefährt zu nächtigen. Doch verweise ich darauf, daß ebenjene Bettlosen vermutlich die platzärmeren, unbequemen Vordersitze zugunsten der schlafoptimalen Rückbank verlassen werden, so daß also der Traumfänger besser im hinteren, nicht im vorderen Teil des Wagens aufgehängt werden sollte.

Aber meine Beobachtungen ergaben Eindeutiges: Traumfänger in Kraftfahrzeugen befinden sich nicht hinten, sondern stets am Rückspiegel, stets in unmittelbarem Sichtbereich des Fahrenden.

Dabei sollte doch allgemein bekannt sein, daß während der Autofahrt praktizierter Schlaf unangehme, gesundheitsvernichtende Eigenschaften besitzt, die zu erfahren sich die wenigsten wirklich wünschen werden. Was nützt ein Traumfänger, der die bösen Träume aussiebt und nur die guten durchläßt, wenn man während des Erwachens feststellt, daß der eigene Schlaf von nun an endlos währen wird?

Selbst der allerorts gefürchtete Sekundenschlaf wäre ohne Traumfänger weitaus weniger lebensbedrohlich, bestünde doch so noch die – zugegebenermaßen recht unwahrscheinliche – Möglichkeit, daß böseste Traumgestalten den Schlafenden schweißgebadet aufschrecken und erwachen ließen – und ihm dadurch das durch die Gegend fahrende Leben retten.

Ich bezweifle nicht, daß Traumfänger imstande sind, Albträume und deren unfreundlichen Gefährten vom Schlafenden fernzuhalten, doch hege starke Zweifel, ob sich auch entgegenkommende Autos und festinstallierte Bäume oder Leitplanken von diesem indianischen Konstrukt aufhalten lassen.

Was also nützt ein Traumfänger im Auto? Stellt er gar nur eine rein dekorative Maßnahme dar, welche die eigene Glaubensfähigkeit oder auch nur die eigene Pseudo-Massenunabhängigkeit wiederspiegeln und signalisieren soll? Sind Traumfänger schlichtweg „schön“ genug, um „einfach so“ hingehängt zu werden, ohne deren Bedeutungstiefen zu hinterfragen [Ähnlich jener keltischen, japanischen oder hawaiianischen Tattoos, die zwar irgendetwas heißen, aber allein durch ihr Aussehen das Privileg vermittelt bekommen, in die Haut gestochen zu werden.]? Oder wohnt ihm tatsächlich eine Funktion inne, die das Aufhängen dieses okkulten Gegenstands in einem modernen Fortbewegungsmittel rechtfertigt, eine Sinnhaftigkeit, die mir bisher verborgen blieb?

Ich weiß es nicht, doch dürstet es mich nach einer Antwort…

Menschen 7

Würde man den bedrohlich wirkenden Mann vor mir seines lächerlichen langhaarimitierenden Kopftuches, seiner auffälligen Armeetarnhosen, seiner unsauberen Springerstiefel und seiner augenverbergenden Sonnenbrille berauben und ihn mit bedeutungslos-normaler Standardkleidung bestücken, bemerkte ich ihn womöglich gar nicht mehr oder sähe in ihm nur ein dürres, kränkliches Wesen, dem weniger Respekt als Mitleid gezollt werden sollte…

Als diente er einzig und allein der Klischeeverifikation nimmt ein Student mit langem Haar und stilgerechter Finsterkleidung inmitten eines Wartezimmers voller unbequemer, aber bunter Holzstühle auf dem einzig schwarzen Platz.

Osterzeremonie

Es gibt in meiner Familie nur wenige erwähnenswerte Traditionen. Diejenigen, die zu erwähnen ich gewillt wäre, sammeln sich um die weihnachtlichen Feiertage und betreffen vorwiegend Mahlzeiten und die Abfolge der Geschenkdarbietung. Zu Ostern jedoch gab es nie viel Standardisiertes, wenn man vom üblichen Eierverstecken und -finden [nach Möglichkeit im Garten der Großeltern] absieht.
Eines jedoch war jedes Jahr gleich: Wenn am Morgen des Ostersonntages alle vom fleißigen Langohrhoppeltier versteckten Eier und Süßigkeiten aufgefunden worden waren, verzog sich mein Vati stets in seinen Sessel, um fernzusehen.
Mein Vati war kein gläubiger Mann. Während seiner Entziehungskuren mit den Anonymen Alkoholikern und deren Sitten konfontiert hatte er nur ein müdes Lächeln für die penetrant häufige Erwähnung des Wortes „Gott“ übrig. Die Kirche war in seinen Augen eine Institution, deren Inhalte höchst fragwürdig und zuweilen Grund zur Aufregung waren.
Und doch sah er sich jeden Ostersonntag die Ansprache des Papstes im Fernsehen an – in voller Länge, mit Tränen in den Augen.
Ich begriff das nie, doch schätzte ich die seltenen Augenblicke tiefer Regung, war oft selbst den Tränen nahe.
Vielleicht war er bewegt vom Anblick tiefster Gottesfurcht. Vielleicht fand er in diesen Minuten einen Weg, ein Loch in seienr Seele zu füllen. Vielleicht berührte ihn aber auch nur die Schönheit dessen, was er sah.
Ich weiß es nicht, werde es nie erfahren. Im Herbst letzten Jahres verstarb mein Vati.

Als ich heute las, der gesundheitliche Zustand des Papstes würde sich zunehmend verschlechtern, als ich von seinen vergeblichen Versuchen erfuhr, eine Osteransprache zu halten, wurde mir bewußt, daß in diesem Jahr niemand aus meiner Familie den Fernseher angeschaltet hatte, um sich die übliche Segnungszeremonie anzusehen.
Der Sessel blieb leer.
Und ein skurriler Gedanke fand mich und krallte sich in meinem Schädel fest:
Die Osteransprache des Papstes entfiel, weil mein Vati nicht zuschaute.
Sie entfiel, weil in seinem Sessel niemand saß, aus der Ferne der Zeremonie beiwohnte und Tränen für einen Gott vergoß, an den zu glauben er niemals zugegeben hatte..

Das Wort des Tages 9

Auch heute soll es wieder mehrere Tageswörter geben.

Das erste ist
Schurke.
Vor kurzem wurde mir bewußt, daß jenes Substantiv trotz seines eigentlich unfreundlichen Bedeutungshintergrunds ein geringes Beleidigungspotential besitzt, dementsprechend eher niedlich oder albern als bösartig oder unfreundlich wirkt.
Ich werde mich also bemühen, in Zukunft hin und wieder vom Wort „Schurke“ Gebrauch zu machen, auch wenn mir das schwerlich gelingen wird, ohne dabei innerlich zu schmunzeln oder gar zu feixen.

Und das bringt mich schon zum zweiten Wort des Tages:
feixen.
Erst vorhin grinste ich vor mich hin, als mir dieses Verb in den Sinn kam und ich feststellte, daß es nicht mehr allzu häufig gebraucht wird. Schade eigentlich, klingt es doch – nicht zuletzt aufgrund des verwendeten Xs – sehr schön.

Skandal: Die Deutsche Bahn ist nett zu Ausländern!

„Ihre Fahrkarten bitte.“

Gerade hatte ich meine Schuhe von dem sich gegenüber befindlichen Sitz heruntergnommen und war aufgestanden, um in meiner Jacke nach einem Kugelschreiber zu suchen, als mir die vertraute Aufforderung ans Ohr drang. Die Kontrolle bestand diesmal aus zwei Personen, aus einem jungen Mann, der eifrig alle vorgezeigten Fahrkarten einer gründlichen Kontrolle unterzog, und aus einer nicht wesentlich älteren Frau, die ihm wie ein wohlerzogenenes Schoßhündchen wortlos hinterhertrottete.

Mein Billet hielt der Kontrolle stand, wurde abgestempelt. Er verließ das Abteil; sie trottete gehorsam nach.

Nicht einmal zwanzig Minuten später nahten die beiden Zugbegleiter erneut. Hastig nahm ich meine Schuhe vom Sitz, um potentiellen Ärger zu vermeiden. Der junge Kontrolleur sah mich mißtrauisch an:

„Hatte ich Ihre Fahrkarte schon gesehen?“
„Ja.“, antwortete ich, einigermaßen unschuldig blickend.
„Wo wollen Sie denn hin?“
„Nach Magdeburg.“
„Kann ich die Fahrkarte trotzdem nochmal sehen?“
„Na klar.“

Ich stand auf, kramte sie heraus. Er warf einen flüchtigen Blick auf das bereits abgestempelte Stück Papier, bedankte sich artig und ging, gefolgt von seiner Kollegin.

Die hinter mir Sitzende machte sich bemerkbar:
„Da sind die schon zu zweit und wollen die Fahrkarte trotzdem nochmal sehen.“
Ich zuckte mit den Schultern. Sie ließ jedoch nicht locker:
„Sehr ungewöhnlich.“
„Macht nichts,“ entgegnete ich und lächelte.
Es machte tatsächlich nichts.
Doch sie hatte sich bereits in Rage geredet, wollte nicht länger schweigen:
„Zwei Mal kontrollieren. Das machen sie bei den Ausländern nicht!“

Was sollte das schon wieder heißen?, fragte ich mich und versteckte mich hinter meinem Buch.

Blumenweisheiten

Gerade stellte ich ernüchtert fest, daß mein neuwertiger mp3-Player mir den Dienst versagte, als auch schon drei Jugendliche in die Bahn einstiegen und beschlossen, den verbleibenden Viererplatz [den anderen hatte ich in Beschlag genommen] meines Abteils zu beziehen. Die drei, zwei weibliche und ein männliches Wesen, erweckten keinen angenehmen ersten Eindruck, nicht zuletzt weil sie mit den kalten Rauch ihrer soeben hastig konsumierten Zigaretten meine Atemluft verunzierten. Automatisch ordnete ich sie in die Proll-Fraktion ein. Buffalos, Gürteltaschen, schwarzgefärbtes Haar und unnatürlich gebräunte Gesichtshaut boten genug Indizien.

Ich versuchte zu lesen, doch ihre Stimmen drangen an mein Ohr, verseuchten den akustischen Nahbereich mit unglaublich leerem, inhaltslosem Dahergerede, mit plumpen, humorbefreiten Wortwitzen, mit ausgelutschten Fernsehzitaten und beeindruckend dummem Gelächter.

Den Höhepunkt ihres Konversationsimitats bildete folgende, vom maskulinen Pseudowitzbold ausgestoßene Weisheit:

Frauen wollen Blumen.
Jedoch glauben sie sofort, wenn sie mit Blumen beschenkt werden, daß der Schenkende etwas ausgefressen habe.

Bevor ich den anzweifelnd-kritischen Stimmen in meinem Kopf nachgehen konnte, folgte eine verdeutlichende Anektdote aus dem scheinbar ereignisreichen Leben des beeindruckend beleibten Mädels, ein faszinierender, sich unablässig im Kreis drehender Dialog:

< Ey, … [beliebigen Namen einsetzen] hat mir och neulich Blum‘ geschenkt.
Ich so: „Warum schenkstn mir Blum‘?“
„Wieso?“
Ich so: „Na, haste was ausgefressn?“
„Wieso?“
Ich so: „Na, warum schenkstn mir Blum‘?“
„Na, nur so.“
Ich so: „Das globste ja selber nich!“ >

Selten sehnte ich mich so sehr nach einem funktionstüchtigen Musikabspielgerät.

Bier & Spiele

Ich sitze im „Spielehaus“, einer alternativ gehaltenen Lokalität inmitten von Halle, und versuche mich auf das Spiel zu konzentrieren, das M und ich – einer unbedeutenden Tradition folgend – ausgewählt haben: 3D-Vier-Gewinnt.

Drei Personen, nur wenig jünger als wir, in unscheinbare Markenklamotten gekleidet, betreten die Kneipe, einen freien Tisch suchen. Ich sehe kurz auf, begegne den Blicken von Person 1, einem leicht angeheiterten Brillenträger, der uns eingehend mustert, sich zum Nebentisch begibt, ein paar Worte mit seinen Freunden wechselt und anschließend laut loslacht. Selten hörte ich ein derart gehässiges Lachen, eins, das bewußt mit immenser Lautstärke in den Raum geschleudert wurde, um sich die Aufmerksamkeit aller zu sichern.
Angewidert wende ich mich ab, schaue auf das Spielbrett.

„Dannnnn-zick.“

Ich blicke erneut auf. Person 2 schaut mich an, hat gerade den Aufdruck meines Shirts vorgelesen. Für einen Moment stutze ich: ‚Kennt er Danzig [eine erwähnenswert gute Metalband]?‘, doch sein Gesicht zeigt blanke Leere – kein Wiedererkennen, keine abwertende oder gar gutheißende Meinung über die Musikgruppe, womöglich noch nicht einmal die Kenntnis der gleichnamigen Stadt in Polen.

Ich beglückwünsche Person 2 zu seiner Fähigkeit, vorlesen zu können und ernte eine genuschelte Entgegnung, deren Inhalt mich nicht erreicht.
Meine Blicke finden das Spielbrett und vertiefen sich darin.

Die Barfrau, klein und stämmig, doch nicht um Worte verlegen, gesellt sich zu den drei Neuankömmlingen, will sie aus ihrer Lokalität entfernen. Sie haben Hausverbot. Ihre Aufforderung zum Gehen wird von den Dreien nicht ernst genommen, sie diskutieren, werden beleidigend, hinterfragen die Gründe, scherzen plump. Die Barfrau bleibt ruhig, erinnert an ihre letzte Anwesenheit, an die zerschmetterten Bierflaschen, an den begangenen Hausfriedensbruch, an das erteilte Hausverbot, droht mit Polizei.

Die Drei lachen abfällig, sonnen sich gar im unrühmlichen Glanze ihrer Untaten, bleiben reglos sitzen.
Die Barfrau geht.

Die Drei holen Bierflaschen aus dem Rucksack, öffnen sie, stellen sie demonstrativ auf den Tisch, schauen höhnisch zur Barfrau hinüber, die gerade in einem Stadtmagazin blättert. „So wird das aber nichts!“, lachen sie.

Ein Vierter tritt hinzu, mit albernem Backenbart und ebensolcher Proll-Jogginghose. Schnell wird er von seinen Freunden über die Geschehnisse aufgeklärt. Er zuckt mit den Schultern, doch bevor er sich setzen kann, taucht die Barfrau wieder auf – flankiert von zwei Männern.

Der erste der beiden, muskulös, mit Pferdeschwanz, verschränkt die Arme vor der Brust, versucht vergeblich, bedrohlich auszusehen, wirft böse Blicke. Der zweite, groß, doch schlanker, kurzhaarig mit beginnender Kahlheit, spricht ein paar ruhige Worte.

Die Drei schauen, verstummen kurz. Der Vierte befindet sich bereits auf dem Rückzug. Die Verbleibenden erheben sich, langsam, wollen sich keine Blöße geben. Die Barfrau verschwindet samt ihrer Begleiter. Zögernd, in künstlicher, provozierender Gemütlichkeit ziehen die Drei sich an, finden ihre höhnischen Worte wieder, setzen sich gar noch einmal, stehen wieder auf – und gehen endgültig.

Ich wende mich wieder meinem Spiel zu – und verliere.